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Soll ihnen ein Bußgeld drohen? Schüler benutzen die Friedhofswege als öffentlichen Durchgang.

Trauernde fühlen sich gestört

Schülern droht Bußgeld: Abkürzung über den Friedhof verboten

Ismaning - Ismaninger Real- und Mittelschüler sollen ihren Schulweg nicht mehr über den alten Friedhof abkürzen und Trauernde stören. Deshalb hat der Gemeinderat verboten, die Friedhofswege als öffentlichen Durchgang zu benutzen.

Der Gemeinderat hat auf Beschwerden (wir berichteten) reagiert und die Friedhofssatzung geändert. Ein fraktionsübergreifender Antrag fand eine Mehrheit von 14:9 Stimmen. In Paragraf 4 der Satzung für Friedhofs- und Bestattungswesen wird unter Absatz drei ein weiterer Passus eingefügt: „Auf den Friedhöfen ist insbesondere nicht gestattet: l) die Friedhofswege als öffentlichen Durchgang zu benutzen“, heißt es da jetzt. Im Falle einer Zuwiderhandlung kann ein Bußgeld verhängt werden.

„Wenn man handeln müsste, aber nicht handeln kann, ist das sicher der schlechtere Weg“, begründete Andreas Schätz den Antrag, den er gemeinsam mit seinem SPD-Fraktionskollegen Arno Helfrich und Thomas Schweiger (FWG) gestellt hatte. In letzter Zeit häuften sich die Beschwerden aus der Bevölkerung, dass der alte Friedhof von Schülern der Realschule und der Mittelschule oft als Abkürzung auf dem Weg zur S-Bahn oder als Durchgangsweg genutzt werde. Zum Teil sei auch der neue Friedhof betroffen, steht in der Vorlage: „Hier kürzen Radfahrer und Spaziergänger, welche von der Isarau kommend in den Ort gelangen wollen, ihren Weg über den Friedhof ab.“ Oftmals sei die Querung der Friedhöfe mit einer „gewissen Lärmentwicklung“ verbunden, fühlten sich Friedhofsbesucher und insbesondere trauernde Angehörige nicht unerheblich gestört. Eine Friedhofsbesucherin hatte dem Münchner Merkur berichtet, eine große Schülergruppe, fröhlich plaudernd, habe sogar einen Trauerzug lässig überholt.

„Wir haben uns vorgenommen, mit den Schulen zu sprechen und auch überlegt, entsprechende Flyer zu verteilen“, ergänzte Andreas Schätz. Es gehe darum, juristische Handlungsfreiheit zu schaffen. „Wie ich insbesondere unsere jungen Polizeibeamten kenne, ist es erst einmal der erhobene Zeigefinger und erst im Wiederholungsfall das Bußgeld“, hält Bürgermeister Alexander Greulich (SPD) den Passus für „nicht ungebräuchlich“.

Bei der Einschätzung des Antrags waren sich die Fraktionen nicht einig. „Es kann nicht sein, dass man eine solche Ordnung machen muss“, sagte Rudi Essigkrug (FWG). Natürlich müsse der Friedhof geschützt werden - doch man solle doch erst einmal das Gespräch mit den verantwortlichen Schulleitungen suchen, die die Schüler eben verstärkt für das Thema sensibilisieren müssten. Das fand auch Irene Holler (Grüne), die darin eine „pädagogische Aufgabe“ sieht. Und Annette Ganssmüller-Maluche (SPD) hält das Verbot für zu stark: „Vor zehn Jahren hatten wir das Problem auch schon mal, nach intensiven Gesprächen hat‘s dann geklappt.“

Es sei ja nicht so, dass die Schulen nichts täten, betonte Arno Helfrich. „Nicht, dass Sie da etwas in den falschen Hals kriegen“, meinte er in Richtung des stellvertretenden Schulleiters der Johann-Andreas-Schmeller-Realschule, Dirk Gärtner. Auch Peter Aurnhammer (CSU) sieht die Schulen in der Pflicht. Es gehe allerdings nicht darum, dass die Polizei Ordnungsgelder kassiert.

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