Schulbusverkehr: Gefahrenzone Wasserturm

Grasbrunn - Morgens, kurz nach sieben, am Wasserturm in Grasbrunn: Ein endloser Strom Autos schiebt sich durch die Straßen. Schulbusse rangieren, Kinder laufen vor und hinter den Autos über die Straße. Ein gefährliches Gedränge, das sich mit der Fahrplanumstellung im Dezember verschärft hat - und das jetzt schnellstmöglichst behoben werden soll.

„Ein riesen Problem.“ „Es geht zu wie am Stachus.“ „Das totale Chaos.“ „Es ist unerträglich.“ So beschreiben Eltern die Situation am Grasbrunner Wasserturm im morgendlichen Berufsverkehr. Am deutlichsten bringt es vielleicht Otto Bußjäger auf den Punkt. Der stellvertretende Landrat (FW) und ehemalige Bürgermeister der Gemeinde spricht von einem „sicherheitsrelevanten Problem“, das es umgehend zu lösen gelte. Auch Grasbrunns Zweite Bürgermeisterin Iris Habermann (SPD) und die Grasbrunner Verkehrswegehelferin Claudia Zech fordern ein rasches Handeln. Die Gemeinde hat auf die Schnelle einen eigenen Bus eingesetzt für die Grundschulkinder. Doch gebraucht wird eine ganzheitliche Lösung.

Ein erstes Gespräch im Landratsamt München hat bereits im Dezember Betroffene und Vertreter der zuständigen Stellen an einen Tisch gebracht. Gemeinsam haben sie Lösungsvorschläge erarbeitet. Das neue Konzept lässt sich offensichtlich nicht sofort umsetzen. Anfang Februar aber, so hofft Bußjäger, könnten einige Verbesserungen greifen. Die Zeit drängt, darin sind sich alle einig.

Dass am Wasserturm ein Verkehrsknotenpunkt entstanden ist, der kurz vor dem Kollaps steht, ist nicht neu. Viele Pendler nutzen die Querverbindung von der vielbefahrenen Glonner Straße (St. 2079) zur Wasserburger Landstraße (B 304) in Neukeferloh. Wo sich vor wenigen Jahren bis zu 6000 Autos ihren Weg suchten, sind es heute rund 9000. „Jedes Baugebiet in Rosenheim erhöht den Druck auf Grasbrunn“, sagt Bußjäger.

Seit einigen Wochen jedoch gilt der neue Busfahrplan und mit ihm hat es einen Betreiberwechsel für die Schulbusse gegeben. Aufgrund der vorgeschriebenen europaweiten Ausschreibung musste die Firma „Ettenhuber“ das Schulbusgeschäft abgeben. Übernommen hat die „DB Regio“. Doppelt neu, doppelt schwierig. Denn nun fahren die Busse in engerem Takt. Und die Busfahrer der „DB Regio“ kennen sich vor Ort noch nicht aus. Haben keine Ahnung, wo sie am besten halten sollen, um die Kinder ein- und aussteigen zu lassen. Die Buben und Mädchen wiederum wissen nicht, in welchen Bus sie einsteigen müssen, zu schlecht ist die Beschriftung. „Anfangsschwierigkeiten“ seien das, sagt Verkehrswegehelferin Claudia Zech (47), die behoben werden können. Allerdings aber nichts daran ändern, dass es ein ganz grundsätzliches Linienproblem gibt. Zech hat selbst hat zwei Töchter (8 und 11 Jahre alt). Die Jüngere nutzt den Bus in die Grundschule, die Ältere fährt nach Haar zum Ernst-Mach-Gymnasium. Häufig sind die Busse voll, insbesondere mittags. Oft passt die Taktung nicht.

Grund dafür mag eine Besonderheit der Gemeinde sein. Hier treffen ungewöhnlich viele Interessen im Rahmen des Schulbusverkehrs aufeinander: Die einen müssen nach Haar zum Gymnasium oder an die Hauptschule, die anderen zur S-Bahn in Neukeferloh, weil sie eine Schule außerhalb besuchen, etwa in Vaterstetten die Realschule oder das Gymnasium in Kirchseeon.

Das alles zu koordinieren, ist eine Herausforderung. Viele Gespräche mit allen Beteiligten sind notwendig - und haben wohl im Vorfeld der Planung nicht den nötigen Konsens gebracht. Grasbrunns Zweite Bürgermeisterin Iris Habermann beklagt, das Landratsamt sei nicht auf die Wünsche der Gemeinde eingegangen. Im Ort selbst ist zu hören, das Rathaus habe zu wenig nach den Wünschen der Busnutzer geforscht.

In knapp drei Wochen jedenfalls soll es besser werden. Dann soll auch die Fahrgemeinschaft Geschichte sein, die Eltern gebildet haben, um ihre Kinder zur S-Bahn zu fahren, damit diese das Gymnasium in Kirchseeon erreichen können.

Schon in wenigen Tagen aber könnte ein Verstärkerbus auf der Linie 240V eine erste Entspannung und eine Entzerrung der An- und Abfahrtszeiten am Wasserturm bringen.

Der Kugler-Parkplatz

Mit dem Wechsel des Schulbusbetriebs zur „DB Regio“ ist der ehemalige Kugler-Parkplatz zum Busdepot umfunktioniert. Denn im Gegensatz zur Firma „Ettenhuber“hat das DB-Unternehmen keine Stellplätze für ihre Fahrzeuge vor Ort. Rein rechtlich scheint die Nutzung möglich. Denn das Gelände ist in Privatbesitz. Weil aber eine entsprechende Nutzungsänderung laut Gemeinde bisher nicht vorliegt, hat das Rathaus eine baurechtliche Anfrage beim Landratsamt gestellt. Sie ist bisher nicht beantwortet.

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