Cholerisch, bösartig und verletzlich: Dominique Horwitz verkörpert den exzentrischen Maler Mark Rothko. Das Publikum im Pullacher Bürgerhaus ist fasziniert. Foto: fkn

Schwarz frisst Rot

Pullach - Dominique Horwitz begeistert das Publikum im Pullacher Bürgerhaus. In „Rot“ spielt der Theater-Schauspieler, bekannt auch aus zahlreichen Fernsehfilmen, den Maler Mark Rothko.

Am Ende bleibt nur dieses eine Wort zu sagen. „Schwarz“, dann wird die Bühne dunkel. Heftiger Applaus, Bravo-Rufe. Dominique Horwitz begeistert das Publikum im Pullacher Bürgerhaus. In „Rot“ spielt der Theater-Schauspieler, bekannt auch aus zahlreichen Fernsehfilmen, den Maler Mark Rothko. An seiner Seite: Ken, sein Gehilfe im Atelier. Benno Lehmann gibt überzeugend den Assistenten.

In dem 90-minütigen Stück ist er der einzige Gegenspieler, der sich von einem eingangs schüchternen jungen Mann zu einem selbstbewussten Gegenüber wandelt. „Rot“ ist ein rasantes Stück mit teils witzigen Stellen, eines über die Gesellschaft und die Frage, was Kunst eigentlich ist, soll und darf.

In die Rolle des exzentrischen Malers schlüpft Dominique Horwitz auf faszinierende Weise. Die Zuschauer erleben ihn als einen Künstler, der manchmal kaum zu ertragen ist: cholerisch, egoistisch und selbstherrlich, bösartig, verletzlich und voller Selbstzweifel. Der 1903 im russischen Dvinsk geborene Künstler, 1913 mit seiner Familie in die USA ausgewandert, war schon zu Lebzeiten legendär. Hunderte großformatige Farbflächenbilder hat Rothko geschaffen, er gilt als einer der führenden Vertreter des Abstrakten Expressionismus. John Logan, amerikanischer Theaterautor, stellt in dem Zwei-Personen-Stück die so genannten Seagram-Bilder in den Mittelpunkt.

Ende der 50er Jahre bekam Rothko den hoch dotierten Auftrag für eine Reihe von Wandgemälden im Restaurant „Four Seasons“ im Seagram Building in New York. Der Maler übernahm zunächst den Auftrag, behielt aber am Ende die Bilder und zahlte das Honorar zurück. In New York und London wurde das Stück mit vielen Preisen ausgezeichnet - Torsten Fischer hat die deutschsprachige Erstaufführung für das Berliner Renaissance-Theater inszeniert.

Jetzt ist es auf Tournee und verwandelt die Bühne im Bürgerhaus in ein gigantisches Atelier (Bühnenbild: Vasilis Triantafillopoulos). Große Bilder, die meisten in Rottönen, stehen auf der offenen Bühne, dazu eine riesige Staffelei, Entwürfe liegen herum, Arbeitsutensilien, Malzeug, Schnaps und Zigaretten. „Was siehst Du?“, brüllt der Maler seinen Assistenten an und zerrt ihn vor seine neue Arbeit, ein Bild aus flammendem Rot und Orange. Als dieser nicht antwortet, sagt der Maler: „Sehen Sie hin: Lassen Sie das Bild seine Arbeit tun, aber arbeiten Sie mit!“ Zu einer Opernarie arbeiten später beide an einer Leinwand, die sie in rasendem Tempo tiefrot grundieren. Sie wechseln die Seiten, ohne sich ins Gehege zu kommen. Zwischendurch schreit der Maler laut. Er treibt an und scheint doch gleichzeitig ein Getriebener zu sein.

Horwitz zeigt den Künstler zum Schluss mit roter Farbe an den Unterarmen. Von 1964 an hatte Rothko nur noch in einem abgedunkelten Atelier gearbeitet und malte immer dunkler werdende Bilder. 1970 beging der er Selbstmord. „Schwarz ist unentrinnbar“, sagt Horwitz. „Eines Tages wird das Schwarz das Rot verschlingen.“

Bernadette Heimann

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