Sechs Jahre Haft für Tankstellenräuber

Oberhaching - Im Juni vernagnenen Jahres überfiel er eine Tankstelle. Jetzt ist der 23-jährige Tigran A. zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Für den stark drogenabhängigen und schizophrenen Mann könnte das die letzte Chance sein.

Die Mutter weinte, der Vater schniefte, der Bruder hielt den Kopf gesenkt. Als das Landgericht München II Tigran A., einen hochintelligenten jungen Mann, zu sechs Jahren Haft plus Unterbringung in einer Entziehungsanstalt verurteilte, ging für seine Familie eine Welt unter.

Der 23-jährige Armenier aus Ebersberg hatte im Juni 2012 unter anderem eine Tankstelle in Oberhaching überfallen (wir berichteten). Die Haft scheint für den schwer drogenabhängigen und schizophrenen Mann die letzte Chance, in Zukunft ein normales Leben zu führen.

Mit elf Jahren war der damalige Gymnasiast in die Drogenszene geraten, mit 13 Jahren ging der Konsum so richtig los. Mit Mühe schaffte der junge Mann seinen Realschulabschluss - an der Fachoberschule scheiterte er. Er nahm ständig und völlig unkontrolliert Drogen. Die finanzielle Not trieb ihn schließlich in die Kriminalität. Zu diesem Zeitpunkt hatte er längst erste Züge seiner Schizophrenie erkannt. Sie waren aber nicht Auslöser für weitere Straftaten.

Im Juni vergangenen Jahres kam es zu den Übersprungshandlungen. Zwei räumte der Angeklagte ein. Dabei handelte es sich um einen Wohnungseinbruch plus Diebstahl und einen Tankstellenüberfall. Vier weitere standen auf der Anklageschrift, wurden aber wegbeschränkt, weil sich die Täterschaft eines vermummten, auf Video aufgezeichneten Mannes nicht eindeutig dem Angeklagten zuordnen ließ. Vorgehensweise und Verkleidung sprachen allerdings stark für ihn.

Glück hatte der junge Armenier, dass sich seine Opfer psychisch nicht sonderlich beeindrucken ließen. Den Angestellten in Oberhaching hatten an diesem Tag ganz andere Sorgen geplagt. Seine Zwillinge waren wegen einer Herz-OP in der Klinik. „Jeder macht mal einen Fehler“, sagte er als Zeuge vor Gericht.

Und auch eine 81-jährige Kassiererin zeigte so viel Courage, dass sie ihren Peiniger noch um die Unterschrift auf einer Quittung bat, damit sie bestätigen könne, überfallen worden zu sein und das Geld nicht alleine aus der Kasse genommen zu haben. Die Bekannte des Angeklagten, in deren Wohnung er eingestiegen war, nahm ihm den Einbruch auch nicht besonders krumm. Bei ihrer Zeugenaussage vor Gericht strahlte die junge Frau den 23-Jährigen immer wieder verstohlen an.

Sein Geständnis und die Tasache, dass er noch einen Mittäter genannt hatte, der während des laufenden Prozesses sogar ermittelt werden konnte, führten aus Sicht des Vorsitzenden Richters Oliver Ottmann zu dieser „äußerst günstigen Strafe“ von sechs Jahren.

Damit die Schizophrenie noch rechtzeitig behandelt werden kann, darf der 23-Jährige vor dem Strafvollzug in die Therapie - vielleicht schon ab Montag, da das Urteil bereits rechtskräftig ist.

von Angela Walser

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