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Per Geisterhand: Barbara Hartmann malt Bilder, während sie meditiert.

Spiritualität in der Software-Branche

Die Seelenmalerin

Barbara Hartmann vertraut auf eine höhere Macht. Die 73-Jährige ist jahrelang als Geistheilerin aktiv gewesen. Sie heilte Menschen durch die Macht des Übernatürlichen. Ihre wahre Bestimmung fand sie allerdings beim Malen. Jetzt läuft ihre erste Ausstellung.

Unterhaching - Barbara Hartmann ist immer schon eine spirituell begabte Frau gewesen. „Ich habe Menschen wirklich geholfen“, erzählt die ehemalige Geistheilerin. Die Geschäftsführerin der Unterhachinger Firma „SMHsoftware“ vertraut auf höhere Kräfte.

Als sie 1992 an schwerem Asthma litt, suchte sie Hilfe im Gebet im Kloster Niederaltaich. Ein Abt brachte ihr eine spezielle Art der Meditation bei, die ihr heute bei einer besonderen Form der Malerei hilft, nämlich beim Entwerfen von Seelenbildern. Die Werke stellten eine spirituelle Form des Menschen dar, erklärt die 73-jährige Malerin. Es seien die Abbilder der Seele, „die nur auserwählte Personen auf Papier bringen können“.

Das Malen von Seelenbildern hat Barbara Hartmann von der Künstlerin Libora Reif gelernt. Die beiden Frauen kannten sich aus einem Gebetskreis. Als Reif starb, sei deren Begabung vollständig auf Barbara Hartmann übergegangen. Auch wenn es für sie „ein Zeichen höherer Macht“ war, rang sie lange mit sich, ob sie die Bürde, Seelenbilder zu malen, übernehmen sollte. Zu fremd war ihr diese Form der Spiritualität. Sie machte ihr Angst. Hartmann unternahm einen Versuch, nahm Papier und Stift zur Hand und meditierte. Nach der Sitzung standen auf dem Blatt die Worte „Gott sei Dank“ geschrieben. „Das war nicht meine Handschrift“, beteuert Hartmann. Aber das habe ihr die Gewissheit gegeben, dass es das Richtige sei, Reifs Erbe fortzuführen.

Es blieb aber nicht nur bei der spirituellen Malerei. Zur klassischen Form kam Hartmann durch eine Freundin, die 1995 eine Ehekrise durchlitt. Zur Ablenkung besuchten die beiden einen Aquarellkurs, bei dem Hartmann auch ihre Begabung für die herkömmliche Malerei entdeckte. Ihre Bilder bekamen zunächst nur Familie und Freunde zu sehen. Jetzt wagt Hartmann den Schritt an die Öffentlichkeit und präsentiert ihre erste Ausstellung im Café Lani in Unterhaching. Auf vielen Bildern hält Hartmann in Aquarell und Öl Eindrücke ihrer Heimat fest. Sie ist in Bad Hindelang aufgewachsen, in einer großen Familie, aus der einige Künstler stammten. Etwa ihr Großvater, der Maler Josef Ruep. Die Verbindung zu ihrer Heimat drückt sich in dem Bild „Winter im Allgäu“ aus. Zu sehen ist eine ländliche Gegend samt verschneiter Holzfällerhütte. Auch ein Bild ihrer Mutter vor einem Kornfeld („Besinnlicher Moment“) wird gezeigt.

Aber die Künstlerin malt ihre Werke nicht nur auf Leinwand und Papier. Auch eine italienische Hauswand hat sie als Maluntergrund benutzt – auf einer ihrer vielen Reisen mit ihrem Mann Richard Hartmann (74). Von dem Kunstwerk auf der Hauswand kann die Malerin allerdings nur eine Postkarte zeigen. Hartmann sagt schließlich: „Die Wand konnten wir ja nicht mitnehmen.“

Tassilo Schneidt

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