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Die Urheber der Idee: Landrat Christoph Göbel (2.v.l.) und Kreisbrandrat Josef Vielhuber (3.v.l.) zeichneten die Initiatoren der First Responder im Landkreis aus, namentlich (v.l.) Max Eichner, Karl-Georg Kanz, Hans Hirschfeld, Gerd Absmeier, Hermann Bayer.

Feuerwehren leisteten Pionierarbeit

Seit 25 Jahren Lebensretter auf Abruf: First Responder feiern Jubiläum

  • vonAndreas Sachse
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Drei Kreis-Feuerwehren haben vor 25 Jahren die First Responder ins Leben gerufen. Damals waren sie Pioniere in Bayern. Heute sind die Lebensretter auf Abruf nicht mehr wegzudenken.

Oberschleißheim – Die Feuerwehren von Oberschleißheim, Unterschleißheim und Aschheim leisteten vor 25 Jahren Pionierarbeit im Freistaat. Seit einem Vierteljahrhundert retten die First Responder tagtäglich irgendwo Menschenleben. Nun gönnten sich die Retter ein paar Stunden, um sich und ihr Jubiläum zu feiern.

Die medizinisch ausgebildeten First Responder überbrücken im Notfall die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdiensts. Dazu ein paar Zahlen: Nach fünf Minuten ohne Wiederbelebung droht der Hirntod. Drei Minuten später ist ein Weiterleben ohne künstliche Beatmung mehr als unwahrscheinlich. 3733 mal sind First Responder 2018 im Landkreis München ausgerückt; das sind ein Drittel aller Einsätze der Freiwilligen Feuerwehren. Von den letzten vier Einsätzen der Oberschleißheimer Wehr wurden im November drei Mal First Responder angefordert.

„Wir wollen uns nicht vorstellen, was es heißt, wenn Ihr nicht da wäret“

Angesichts der Statistik, aus der Markus Brandstetter wohl noch ein Weilchen hätte zitieren können, wundert den Kommandant der Feuerwehr Unterschleißheim schon ein wenig, dass sich die ein oder andere Wehr in Bayern wie im Bund nach wie vor schwer damit tue, „das First Responder-System zu fahren“. Sicher, der Aufwand sei enorm, den Teams würde „lückenlose Einsatzbereitschaft“ abverlangt. „Einsätze, die nicht spurlos an uns vorübergegangen sind“, wie Brandstetters Kollege aus Oberschleißheim, Kommandant Wolfgang Schnell, erinnerte. Auf der anderen Seite stehen die Erfolge, gerettete Leben.

Jubiläumsfeier in der Feuerwache: Der Festabend mit Gästen aus Feuerwehr und Politik fand im Oberschleißheimer Gerätehaus statt.

Wie viel also sind Kommunen einsatzbereite First Responder wert? Was den Feuerwehren die zusätzliche Belastung? Aus Sicht der beiden Kommandanten sollten sich derlei Fragen gar nicht erst stellen. Oberschleißheims Bürgermeister Christian Kuchlbauer (FW) lieferte die einzig plausible Antwort gleichsam als Versprechen: „Wir wollen uns nicht vorstellen, was es heißt, wenn Ihr nicht da wäret“, einer der „wertvollsten, aber auch anspruchsvollsten“ Dienste bei der Feuerwehr. Unterschleißheims Christoph Böck (SPD) wurde deutlicher: Man werde alles tun, Einsatzbereitschaft zu gewährleisten. Gleichzeitig nahm er den Staat in die Pflicht, den Feuerwehren First Responder zu ermöglichen.

16 von 45 Freiwilligen Feuerwehren im Kreis stellen sich den zusätzlichen Anforderungen

16 von 45 Freiwilligen Feuerwehren im Kreis stellen sich den zusätzlichen Anforderungen. Kreisbrandrat Josef Vielhuber weiß, was die Pioniere vor 25 Jahren auf sich nahmen. Die Feuerwehr Helfendorf war Aschheim, Unterschleißheim und Oberschleißheim nur einige Monate später gefolgt. Vom Landkreis München aus habe sich diese Idee im Freistaat verbreitet. Eine Idee, „die vielfach auf Skepsis stieß“. Die Gründer hätten bewiesen, dass First Reponder notwendig sei. „Darauf sind wir stolz.“

Seitdem seien zig-tausend Menschen in den Benefit einer lebensrettenden Behandlung gelangt, ergänzte Landes-Feuerwehr-Arzt Klaus Friedrich. Die Diskussion über den Sinn von First Responder könne er daher nicht nachvollziehen. Friedrich rief den Landes-Feuerwehrverband auf, Sorge zu tragen, dass First Responder politisch honoriert würde. „Für uns ist jeder Gerettete Belohnung.“

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Auch Landrat Christoph Göbel(CSU) mag sich eine Feuerwehr ohne First Responder nicht vorstellen: „Der Dienst ist nicht mehr wegzudenken.“ Das Rettungsintervall bis zum Eintreffen des Notarztes würde entscheidend verkürzt. Bei durchschnittlich 4,7 Minuten ohne Behandlung wäre wohl mit erheblichen gesundheitlichen Konsequenzen zu rechnen. „Wenn nicht gar mit dem Tod.“

Zehn Begründer

der First Responder wurden ausgezeichnet: Hans Cronacher (Aschheim), Max Eichner, Hans Hirschfeld (Oberschleißheim), Hans Hüfner, Gerd Absmeier, Hermann Bayer, Rolf Zeitler (Unterschließheim), die Notärzte Dr. Andreas Dauber und Dr. Peter Rupp sowie Prof. Dr. Karl-Georg Kanz, Unfallchirurg aus dem Klinikum Rechts der Isar.

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