Seltene Pracht: Vom Löffelkraut gibt es nach Aussage von Experten nur noch rund 100 000 Pflanzen. Ein Teil davon wächst im Kupferbachtal bei Aying. Foto: FKN

Seltene Pflanze im Kupferbachtal: Das Löffelkraut

Aying - Während - sagen wir - die Bayerische Weißwurst zuweilen auch in den Auslagen von Metzgereien außerhalb des Freistaats zu finden ist, kommt das Bayerische Löffelkraut tatsächlich ausschließlich hierzulande vor. Es ist also ein echter Ureinwohner. Mit anderen indigenen Völkern von Brasilien bis Zentralafrika hat das Löffelkraut indes gemeinsam, dass es vom Aussterben bedroht ist. Das Kupferbachtal bei Aying ist einer der wenigen Standorte, wo es noch wächst - und es gibt dort Menschen, die alles daran setzen, dass es nicht verschwindet.

„Hier geht es ans Eingemachte. Wir haben die Verantwortung für eine Art, da darf man keinen Murks machen“, sagt Georg Hünerfeld. Gabriela Schneider spricht von einer „großen Erhaltungsverantwortung“. Beide sind Biologen. Schneider betreut das Projekt „Löffelkraut und Co.“ des Bund Naturschutz. Das aus Fördermitteln von Bund und Freitstaat sowie vom Bund Naturschutz finanzierte Projekt gilt als vorbildliche Initiative in Sachen Artenschutz. Bayerns Landwirtschaftsminister Marcel Huber hat es jüngst mit dem Qualitätssiegel der „UN-Dekade Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet. Hünerfeld ist Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands München-Land, der sich seit Jahren bemüht, den Erhalt des Bayerischen Löffelkrauts sicherzustellen - was alles andere als einfach ist, aus verschiedenen Gründen.

Punkt eins: Erst seit 1984 ist bekannt, dass das Bayerische Löffelkraut eine eigene Art ist, nicht zu verwechseln mit dem gemeinen oder dem pyrenäischen Löffelkraut. Punkt zwei: Als Endemit ist es von Natur aus selten. Und in der Konzequenz ist nur wenig erforscht. Die Biologen wissen deshalb nur wenig über seine Bedürfnisse, ein bisschen wie frisch gebackene Eltern, die nicht einordnen können, warum ihr Säugling gerade schreit.

Inzwischen ist aber offensichtlich, dass es kein besonders genügsamer Zeitgenossen ist, dem sich Hünerfeld, Schneider und ihre Unterstützer da angenommen haben. „Das Löffelkraut scheint recht anspruchsvoll zu sein“, sagt Schneider. Cochlearia bavarica Vogt, so die lateinische Bezeichnung, wächst nur an extrem nassen Standorten, bevorzugt an Quellbächen und Quellmooren. Das Wasser muss kalt, sauber und kalkhaltig sein.

Die Verantwortlichen sorgen deshalb dafür, dass Nadelbäume dem Löffelkraut nicht das Licht zum Wachsen nehmen, dass Bachläufe saniert werden, in denen es durch Ablagerungen im Bett häufig Hochwasser gibt. Sie bewegen Landwirte dazu, Nasswiesen, die sie aufgegeben hatten, von der harten Decke aus umgeknicktem Schilf zu befreien, damit das Löffelkraut wieder durchkommt.

Von den Maßnahmen sollen auch all jene Tier- und Pflanzenarten profitieren, die sich den Lebensraum mit dem Löffelkraut teilen, die Quellschnecke oder der kriechende Scheiberich zum Beispiel. Weil des Projekt „Löffelkraut und Co.“ nur bis zum Jhar 2016 läuft, hat es sich Schneider zum Ziel gesetzt, „ein Netzwerk von Menschen aufzubauen, die sich langfristig um die Vorkommen kümmern“.

Die Maßnahmen zeigen Wirkung. In Oberbayern haben sich die Vorkommen stabilisiert. Dennoch, sagt Hünerfeld: „Wenn man bedenkt, dass es sich um eine eigene Art handelt, sind die Bestände wirklich nicht üppig.“ Rund 100 000 Pflanzen soll es noch geben, verteilt auf Aying, Glonn im Landkreis Ebersberg sowie einige Gemeinden in den Landkreisen Rosenheim, Ost- und Oberallgäu.

Georg Hünerfeld nennt das Bayerische Löffelkraut einen „netten, kleiner Kreuzblütler“ - optisch „eher unspektakulär“. „Aber“, schiebt er postwendend hinterher, „spektakulär ist, dass nur wir hier es haben.“ Das will er den Menschen klar machen, etwa durch Umweltbildung in den Ayinger Schulen. Gemeinsam mit „Doktor Döblingers geschmackvollem Kasperltheater“ brachte der Landschaftsplegeverband zu diesem Zweck gar ein Hörspiel zum Thema auf den Weg: In „Kasperl und das Löffelkraut“ soll die Pflanze den Schluckauf des Seppl heilen. Hünerfeld sagt: „Die Ayinger sollen wissen, was für einen Schatz sie da haben.“

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