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Ralf Memmel ist Infineons Standortleiter in Neubiberg.

Serie: Wie der Boom eine Region prägt

Neubiberg: Die eigene Welt des Chip-Giganten

München wächst – und das spürt auch das Umland. In einer großen Serie fragt die tz, wie sich der Boom rund um München auswirkt. Zum Start sind wir im Landkreis München unterwegs.

Probleme? In Ralf Memmels (54) Welt gibt es nur Lösungen! Der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur ist Standortleiter beim Computerchip-Giganten Infineon in Neubiberg. Hier arbeiten Physiker, Informatiker und Ingenieure aus 60 Nationen an der Technik der Zukunft. Könnten Terroristen selbstfahrende Autos hacken? Infineon entwickelt die Technologie dagegen.

Genauso selbstbewusst geht das Unternehmen die Probleme an, die der Standort mit sich bringt. Kitaplätze sind Mangelware? Wir bauen unsere eigene Kita. Preiswerter Wohnraum ist knapp? Wir zahlen Löhne, mit denen sich unsere Mitarbeiter auch teure Wohnungen leisten können. Seit zehn Jahren hat das Dax-Unternehmen sein weltweit größtes Forschungs- und Entwicklungszentrum in Neubiberg. Insgesamt 6000 Menschen arbeiten auf dem sogenannten Campeon. Es ist ein Gelände ähnlich wie an einer Uni. Und die Gebäude sind in einem Park so angeordnet, dass sie die Form eines Mikrochips ergeben…

Auch ein ­Reisebüro und ein ­Friseur ­gehören zum ­Campeon – es ist eine eigene, kleine ­Infineon-Stadt.

Wir begleiten Memmel, wie er am Betriebs­restaurant samt Seeterrasse vorbeigeht, an der firmeneigenen Sportanlage für Beach-Volleyball, Tennis und Fußball. Er sagt: „Wenn Sie hochqualifizierte Leute finden und binden wollen, müssen sie attraktive Bedingungen schaffen.“

Bedingungen, die der Konzern direkt in München mangels Flächen nicht hätte schaffen können. Schließlich wollte man nach der Ausgliederungung aus Siemens alle Einheiten des Halbleitergeschäfts an einem Ort bündeln. Zuvor waren sie über das Stadtgebiet verteilt – ungünstig für den Gedankenaustausch unter den Forschern. In Neubiberg dagegen hat der Konzern sogar noch Platz zu wachsen.

Fluch und Segen zugleich

Doch der Standort ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits kann das Unternehmen im Wettbewerb um Fachkräfte mit seiner Nähe zu München punkten. „Wenn Bewerber die Wahl haben zwischen verschiedenen Standorten von Infineon, entscheiden sie sich fast immer für München“, sagt Memmel. „Den Menschen ist der schwierige Wohnungsmarkt bewusst, aber der Lifestyle, der mit München assoziiert wird, ist so attraktiv, dass die Leute bereit sind, damit zu leben.“ Andererseits ist Infineon aber nicht das einzige Unternehmen mit diesem Bonus. 

Mehr als 50 Firmen allein aus der High-Tech- Branche buhlen um Mitarbeiter. Infineon setzt in diesem Wettbewerb auf die Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit. „Vereinbarkeit ist nicht nur die Frage: Habe ich einen Kitaplatz? Die Menschen müssen sich wohlfühlen“, sagt Memmel. Um den Mitarbeitern lange Wege zu ersparen, hat sich Infineon eine eigene kleine Stadt gebaut: Friseursalon und Reisebüro gehören dazu, Fitnessstudio und Gebetsraum. Sogar ein Medical Center gibt es, in dem Ärztinnen Präventionsprogramme wie den „Rücken-Lunch“ anbieten, eine Rückenschule in der Mittagspause. Eine Joggingstrecke gehört auch zum Campeon, ein überdachter Fußweg von der S-Bahn-Station zum Firmensitz. Für Schulkinder wird eine Ferienbetreuung organisiert.

Ricarda Kießling ist ­Fitness-Trainerin auf dem Infineon-Komplex.

Ein Problem allerdings gibt es, das Infineon nicht lösen kann: fehlende Ganztagsschulen. Weil es den Menschen in der Region München wirtschaftlich gut geht, gibt es schon seit Jahren einen Geburtenüberschuss. „Unsere Mitarbeiter sind es durch die Betriebskita gewohnt, dass sie Familie und Beruf vereinen können. Wenn die Kinder dann in die Schule kommen, gibt es oft ein Problem“, sagt Memmel. Die Idee einer firmeneigenen Ganztagsschule sei diskutiert, aber verworfen worden. „Schulkinder schaffen sich ein eigenes Umfeld. Wenn sie nicht am Wohnort zu Schule gehen, ist es schwierig, Freundschaften zu pflegen.“

Lesen Sie auch: Wie gemütlich ist München noch? (Teil der Serie „Ist das noch unser München?“?

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