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Schuhmacher Simon Werner

Traumberuf Schuhmacher

Maßgeschneidert vom Schaft bis zur Sohle

Höhenkirchen-Siegertsbrunn  - Simon Werner ist 21 Jahre alt und Schuhmacher. Es ist sein Traumberuf. Dass er ein selten gewordenes Handwerk erlernt hat, war für ihn Ansporn. „Ich wollte etwas machen, was nicht jeder macht.“ Auch den Schritt in die Selbstständigkeit hat er gewagt. „Ein Risiko“, weiß der Schuhmacher, „ist immer dabei.“

Höhenkirchen-Siegertsbrunn - In seiner Heimatgemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn hat Simon Werner, finanziell unterstützt von seinen Eltern, jetzt die „Schuhmacherei Werner“ in der Bahnhofstraße eröffnet, wo er maßgefertigte Schuhe verkauft und einen Reparaturservice anbietet.

Nach einem Praktikum noch als Schüler war klar: „Ich möchte diesen Beruf erlernen.“ Die Suche nach einer Lehrstelle erwies sich als mühsam. Einen guten Ausbilder fand er schließlich mit Florian Herbst in Holzkirchen. Die Familie betreibt seit Generationen eine Schuhmacherei und Schusterei. „Ich hatte Glück, dass ich noch jemanden gefunden habe, der mir die Maßschuhherstellung beigebracht hat.“ Drei Jahre dauerte die Ausbildung. „Alles was mit Leder zu tun hat, habe ich gelernt“, sagt Werner. Bei der Feier zur Gesellenprüfung trug er Schuhe aus Elefantenleder. Selbst genäht. Sie stehen zur Ansicht im Laden-Regal, er zieht sie fast nie an. „Viel zu schade. Das Material ist ganz, ganz selten.“ Er hat das Leder zufällig bei einem Händler entdeckt, es stammte von einem Elefanten, der im Kölner Zoo gestorben war.

Wer sich bei Simon Werner einen maßgefertigten Schuh machen lässt, kann die Lederart selbst wählen, alles andere auch: vom Modell über die Farbe des Oberleders und die Nahtfarbe bis hin zur Machart: durch- oder aufgenäht, Handrahmennähung, Zwie- oder Trienähung. Alles eine Frage des Preises. 1280 Euro aufwärts kosten komplett handgefertigte Maßschuhe. Günstiger, ab 384 Euro, wird es, wenn der Kunde ein von Werner gezeichnetes Modell auswählt und der Schuhmacher den Schuh in Italien fertigen lässt.

Mindestens 30 Stunden arbeitet Werner an einem Paar, führt hunderte Handgriffe aus. Angefangen mit dem Maßnehmen mittels eines Blauabdrucks. Jeder Fuß mit seiner individuellen Form wird vermessen. Dann geht der Schuhmacher zu den Leisten aus Buchenholz über. Sie sind quasi die Holzkopie der Füße. Hat Werner alle erforderlichen Maße in die Leisten eingearbeitet, erstellt er für den Kunden einen Probeschuh aus Plastik, um zu schauen, ob der spätere Schuh richtig sitzt. Aus Schaft, Innensohle (Brandsohle) sowie Außensohle wird dann der fertige Schuh. Dafür gibt es verschiedene Macharten. Bei einer Durchnähung „kommt eine spezielle Langhorn-Nähmaschine zum Einsatz, die die Zwischensohle direkt durch die Brandsohle und den Zwickeinschlag des Schaftes hindurch vernäht“, erklärt der Schuhmacher. Aufwändiger ist ein rahmengenähter Schuh: „Hier wird zuerst der Schaft mit der Brandsohle mittels einer Einstichnaht von außen vernäht, wobei gleichzeitig auf der Außenseite des Oberschuhs ein schmaler Lederstreifen aufgenäht wird. Dieser sogenannte Rahmen wird dann in einem zweiten Schritt von unten mit der Laufsohle vernäht.“ Der Schuh bleibt innen trocken, weil die Innensohle nicht durchstochen wurde.

Neben dem Maßschuhbau wie es fachmännisch heißt, bietet Werner den Reparaturservice an, den er auch als „Zeichen gegen die Wegwerf-Gesellschaft“ verstanden wissen will. Eine Kundin betritt den Laden. Die beiden kennen sich. „Sag mal Simon, reparierst Du auch Damenschuhe?“ Er nickt. „Natürlich.“ Die schwarzen Pumps müssten geweitet werden. Der 21-Jährige bringt die Schuhe nach hinten, in seine kleine Werkstatt. „Super, dass wir jetzt einen Schuhmacher hier im Ort haben“, ruft die Kundin ihm hinterher.

Seinem Gegenüber schaut der Siegertsbrunner als erstes auf die Schuhe. Er selbst trägt nur eigens gefertigte Schuhe aus Leder. Keine Sneakers, Turnschuhe, Sandalen? „Nein.“ Eine Ausnahme hat er gemacht, als der Laden noch Baustelle war und er zusammen mit seinem Cousin an der Inneneinrichtung arbeitete, in Dreck und Staub. „Da habe ich Turnschuhe getragen“. Seiner Familie hat er ebenfalls Schuhe genäht. Wieder eine Ausnahme: Die Schuhe für die Mama. In seinem Laden macht er nur Herrenschuhe. Männer könnten sich leichter entscheiden, und wenn sie sich auf ein Modell festgelegt haben, bleibe es dabei. „Frauen sind da viel komplizierter.“

Bernadette Heimann

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