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Skandal für die Kirche: "Eine Liebe im Verborgenen"

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- Schäftlarn - Als Skandal galt es, als sich 1989 Anselm Forster, Benediktinermönch im Kloster Schäftlarn, zu seiner seiner großen Liebe öffentlich bekannte: einer Kunstlehrerin am Klostergymnasium. Die katholische Kirche reagierte damals erbarmungslos und kündigte der Kunstlehrerin fristlos. Als das junge Liebespaar heiratete, wurde auch der Benediktinermönch entlassen. Zunächst ohne Einkommen mussten Anselm und Gisela Forster für drei minderjährige Kinder aufkommen (wir berichteten seinerzeit ausführlich). Jetzt widmete das Bayerische Fernsehen dem Fall im Rahmen der Sendereihe "Lebenslinien" den Dokumentarfilm "Eine Liebe im Verborgenen" von Constanze Hegetusch.

Packend wird die Lebensgeschichte von Gisela Forster selbst erzählt, die sich an alle Höhen und Tiefen ihrer Erfahrungen erinnert. Einfühlsam begleitet die Autorin des Films Gisela auf allen Lebensstationen und besucht mit ihr noch einmal den alten Wohnort in Schäftlarn, wo sie zwischen 1972 und 1980 gegenüber des Klostergymnasiums wohnte. Hier verbrachte sie die glücklichste Zeit ihres Lebens, "verliebt in Anselm und aufgeblüht durch die Arbeit als Kunsterzieherin", wie sie selbst erzählt.

Auch Anselm kommt zu Wort und erinnert sich gerne an die "intensive und fruchtbare Zusammenarbeit mit Gisela an der Schule" und seiner Liebe zu ihr, die ihn "Längst überholte Sexualmoral" schließlich von einer "längst überholten Sexualmoral" der katholischen Kirche entfernte.

Die Geburt des zweiten Kindes überfordert Gisela. Nachdem sie das Kloster verlassen hatte, war sie nicht nur mittellos, sondern auch auf sich allein gestellt. Auch nach der Eheschließung stellt sich Anselm nicht als Familienvater heraus. "Er war einfach nicht für mich da", erzählt Gisela, jedoch ohne Bitterkeit. Dennoch: "Es war die einsamste Zeit meines Lebens." Auf eigene Faust versucht sie, eine neue Existenz zu gründen. Sie baut selbst ein Haus und zieht ihre Kinder groß. Nebenbei kämpft sie um das Sorgerecht ihrer Kinder und gewinnt einen Gerichtsprozess gegen ihren ersten Ehemann, der ihr das "Jugendamt auf den Hals schickte". Nach einer Ausbildung als Pflegefachfrau schafft es Gisela, finanziell über die Runden zu kommen. Ein emotional packender Film, der vor allem dadurch fasziniert, wie die Mutter alle Schicksalsschläge meistert und sich trotzdem bis heute ihr lebensfroh-optimistisches Naturell bewahrt hat.

Nora Goebbel

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