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Spatenstich, Anzapfen und Sprechstunde: Die Bürgermeister hetzen von Termin zu Termin.

„Der schönste Job der Welt“?

Dauerlauf im Hamsterrad: So gehen Bürgermeister mit dem Stress im Amt um

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Bürgermeister hetzen von einem Termin zum nächsten. Überstunden gehören zum Alltag. Mitunter werden sie gar übel angefeindet. Eine Belastung. Wie sie damit umgehen, verraten sie hier.

Landkreis – Der Neubiberger Bürgermeister Günter Heyland (FW.N@U) steht für eine dritte Amtszeit nicht zur Verfügung. „Bürgermeister sein ist mörderische Arbeit und Raubbau an der Gesundheit“, der 58-Jährige kündigt nach zwölf Jahren seinen Rückzug an. Wie stressig ist der Job? Was tun andere Bürgermeister, um den hohen Anforderungen standzuhalten?

Das Spitzenamt im Rathaus verlangt, dass man rund um die Uhr ansprechbar ist. Und manchmal auch Zielscheibe von Häme und Respektlosigkeit wird. Oberschleißheims Bürgermeister Christian Kuchlbauer (Freie Wähler) berichtete bei seiner erneuten Nominierung für die Kommunalwahl im März 2020 erstmals davon, dass er bedroht worden sei. „Drohbriefe gehören wohl zum Job“, sagte er. Zudem verfolgt ihn ein anonymer Kaugummi-Spucker, der immer wieder Einfahrt und Garten der Kuchlbauers verschmutze. Er wisse von Kollegen, die sich aus Furcht vor Anfeindungen oder aus Sorge um die Ehefrau nicht mehr zur Wahl stellten. „Das geht an die Substanz.“ Trotz der Schattenseiten des Amtes will Kuchlbauer weitermachen, schließlich kann man mit breitem Rückgrat und Stehvermögen viele Impulse setzen: „Die Leute merken, es passiert was in Oberschleißheim.“

Bürgermeister im Dauereinsatz: Christoph Böck hat den „schönsten Job der Welt“

Als Bürgermeister sei man verantwortlich für fast alles, sagt Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählergemeinschaft Unterföhring). Ende Juli bekam er Mails von aufgebrachten Menschen, weil eine Ampelschaltung im Ort verändert wurde und sich der Verkehr staute. „Was haben Sie da rum geschaltet?“, schrieb ihm ein wütender Bürger. „Manche meinen, ich hätte ein Schaltpult im Rathaus“, Kemmelmeyer grinst.

Empfangen: Unterschleißheims Bürgermeister Christoph Böck heißt Ministerpräsident Markus Söder willkommen.

Als „schönsten Job der Welt“ bezeichnet Unterschleißheims Bürgermeister Christoph Böck (SPD) sein Amt – auch wenn es ihm viel Ausdauer abverlangt. „Ich habe in der Regel eine 70 bis 80-Stunden-Woche.“ Besprechungen, Schreibtischarbeit, Repräsentationsaufgaben, Firmenbesuche. „Wenn man sich im Ort bewegt, ist man als Bürgermeister eigentlich immer ansprechbar. Und das wird auch genutzt.“ Dazwischen versucht der 52-Jährige, Zeit für seine Familie zu haben. „Zum Beispiel für ein gemeinsames Mittagessen mit meinen Kindern. Richtig abschalten kann ich nur in den eigenen vier Wänden oder im Urlaub“, sagt Böck.

Bürgermeister im Dauereinsatz: Überstunden und wenig Schlaf gehören zum Alltag

Mit wenig Schlaf muss auch Kemmelmeyer auskommen. Lange Arbeitszeiten war er als Chef zweier Baufirmen schon früher gewohnt. „Man muss mental gefestigt sein, Ärger nicht zu nah ran lassen und den Bürgern ehrlich sagen, was möglich ist und was nicht geht.“

Freud und Leid würden im Alltag manchmal eng beinander liegen. Als im Unterföhringer S-Bahnhof eine Polizistin angeschossen wurde oder in einer Silvesternacht ein junges Mädchen von einem Ampelmast erschlagen wurde, waren das Situationen, in denen Kemmelmeyer tiefes Mitgefühl ausdrückte. „Und eine Stunde später musst du auf einen 90. Geburtstag gehen, auf den sich die Familie seit Wochen freut.“

Bürgermeister im Dauereinsatz: Stressabbau im Schwimmbad

Was ihn motiviert? „Dass ich oft helfen kann, manchmal ganz unkonventionell.“ Und manche Momente würden für vieles entschädigen. Wie neulich, als Kemmelmeyer mit seiner Frau zu einem Termin aufbrechen wollte, und es an der Haustür läutete. „Da standen drei Mädel, die hatten einen Blumenstrauß gepflückt, den wollten sie mir schenken.“

Eröffnen: Öffentliche Auftritte und sich unters Volk zu mischen, gehören für einen Bürgermeister zum täglichen Geschäft. Hier spricht Ottobrunns Rathauschef Thomas Loderer die Begrüßungsworte zum Ottostraßenfest.

Auch Thomas Loderer (CSU) aus Ottobrunn ist Bürgermeister mit Leib und Seele. „Natürlich werde ich oft angesprochen“, sagt er. „Da die meisten Menschen sich beim Vortragen ihrer Anliegen kurz halten, ist das für mich völlig in Ordnung. Unangenehm ist mir das nur, wenn ich meine Kinder dabei habe und die Menschen darauf keine Rücksicht nehmen.“ Um Stress abzubauen, zieht Loderer ein- bis zweimal wöchentlich tagsüber seine Bahnen im Phönixbad. Und auch aus seinem Amt kann er Energie ziehen. „Bei vielen Terminen treffe ich auf beeindruckende Menschen und habe oft das Gefühl, in erster Linie selbst etwas zu bekommen.“

Bürgermeister im Dauereinsatz: Haarer feuern ihre Rathauschefin beim Laufen an

Erklären: Mit den Bürgern zu interagieren, gehört zum täglichen Geschäft. Hier erläutert Gabriele Müller Pläne für neue Bebauung in Gronsdorf.

Der Anti-Stress-Tipp von Gabriele Müller (SPD) aus Haar: „Ich jogge gerne, und wenn ich Ruhe haben will, fahre ich ein Stück raus aus Haar.“ In Haar höre sie beim Joggen Anfeuerungsrufe, erzählt sie. „Hopp, hopp, hopp Frau Bürgermeisterin. Das geht noch ein bisschen schneller.“ Müller lacht: „Ehrlich gesagt, laufe ich wirklich langsam.“

Dass man als Bürgermeisterin immer im Amt ist und für alles den Kopf hinhalten soll, davon weiß auch sie ein Lied zu singen: „Wenn ich samstagmorgens zu Hause sage, ich gehe Semmeln holen, lacht meine Familie. Denn schnell geht das meistens nicht.“ Müller erfährt dann, dass hier eine Straßenlaterne ausgefallen und dort ein Mülleimer überfüllt ist.

Wieder mehr Zeit fürs Privatleben und die Familie haben. Sich nicht mehr ständig im Amt fühlen, solange man sich im eigenen Ort bewegt: Genau so begründet Neubibergs Bürgermeister Günter Heyland den Rückzug. Der Sozialpädagoge will ab Mai 2020 beruflich noch einmal etwas anderes machen.

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