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Der Rettungswagen braucht im besten Fall eine grüne Welle.

„Da müssen wir durch“

Blockiert, obwohl‘s pressiert: So gehen Feuerwehr, Polizei und Notarzt mit Baustellen-Flut um

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Für Pendler sind Baustellen ärgerlich. Für andere mitunter lebensgefährlich, wenn Einsatzkräfte nicht durchkommen. Wir haben nachgefragt, wie sie mit den Blockaden umgehen.

Landkreis – Wenn es um Menschenleben geht, zählt jede Minute. Rettungsdienste, Polizei und Feuerwehren verwenden darum viel Planungsarbeit darauf, die Anfahrt zur Einsatzstelle so zügig und reibungslos zu ermöglichen, wie es eben geht. Doch gerade im Sommer reißen Straßenbauarbeiten immer wieder Löcher in die Maschen des Rettungsnetzes – und zwingen die Einsatzkräfte dazu, ihre Notfallpläne entsprechend anzupassen.

Ein solcher Riss im Rettungsnetz klafft zurzeit zwischen Garching und Ismaning: Die Brücke, auf der die Bundesstraße  471 die Isar quert, ist wochenlang voll gesperrt. Eine halbwegs passable Alternative für Einsatzkräfte gibt es nicht. Als am Sonntag in Ismaning ein Dachstuhl brannte, eilten mehr als hundert Einsatzkräfte aus der Region zu Hilfe – aber die Feuerwehr aus dem gut zwei Kilometer Luftlinie entfernten Garching war nicht dabei. Die Isar ist für sie zurzeit, wenn es schnell gehen muss, unüberwindlich.

Feuerwehr

Doch die Feuerwehr sieht das Problem gelassen. „Wir sind gut aufgestellt“, sagt ein Sprecher der Feuerwehreinsatzzentrale im Landratsamt. In den internen Alarmierungssystemen ändere man als Reaktion auf solche Blockade-Baustellen die sogenannten „Bereichsfolgen“. Dadurch alarmiert das System automatisch jene Feuerwehren, die eine blockadefreie Anfahrt haben – im Ismaninger Fall waren das statt Garching Aschheim und Unterföhring. Und: „Jede Baustelle lässt sich umfahren“, sagt der Sprecher mit Blick auf die gesperrten Ortsdurchfahrten in Höhenkirchen-Siegertsbrunn und Feldkirchen.

Rettungsdienst

Sorgenvoller äußert sich dagegen das BRK Ismaning. Zwar dürfen Rettungsfahrzeuge, die leichter als 7,5 Tonnen sind, die Isarbrücke trotz Baustelle überfahren. Aber das Beiseiteräumen der Absperrungen kostet wertvolle Zeit. Drei bis vier Minuten pro Durchfahrt, schätzt Ismanings BRK-Bereitschaftsleiter Fried Saacke. Sein Team fährt als erstes in die Nachbarstadt, wenn die Garchinger Bereitschaft im Einsatz gebunden ist – und umgekehrt. Und zurück, ohne Sonderrechte, bleibt nur der Umweg über die Autobahn. Bis der Rettungswagen dann wieder einsatzbereit ist, dauert es. „Wir verlieren bei jedem Einsatz Zeit, und das täglich“, sagt Saacke.

Was den Bereitschaftsleiter aber noch mehr fuchst, ist die maue Informationslage: Es sei mühsames Nachhaken gebraucht, bis überhaupt klar war, dass der Rettungsdienst die gesperrte Brücke überhaupt passieren darf. Trotzdem sei man zu Einsätzen am jeweils anderen Flussufer alarmiert worden. „Das sollte besser abgestimmt werden“, findet Saacke.

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Immerhin: Auch dank der zeitlichen Überbrückung durch First Responder im Notfall sei durch die Verzögerungen noch niemand ernsthaft zu Schaden gekommen. „Nicht ideal“ sei die Lage dennoch, diagnostziert Saacke aber. Er hat Verständnis, dass Straßen saniert werden müssen. „Aber gleich so viele auf einmal?“

Polizei

Die Polizei hat keinen eigenen Notfallplan für den Baustellen-Sommer. „Es hat keinen Sinn, das von oben zu delegieren“, sagt ein Präsidiumssprecher. Gefragt ist offenbar die Ortskenntnis und das Improvisationstalent der Inspektionen vor Ort. Wie in Haar, wo Dienststellenleiter Karl-Heinz Schilling mit der gesperrten B 471 bei Ottendichl und der blockierten Ortsdurchfahrt in Feldkirchen planen muss. „Da müssen wir durch“, sagt er – und meint nicht die betroffenen Straßen, sondern die Zeit, in der diese gesperrt sind.

Die Bundesstraße ist die einzige Straße, die von Schillings Inspektion direkt in den Norden seines Dienstbereichs führt. Derzeit bleibt bei Fahrten nach Feldkirchen nur der Umweg über die staugeplagte A 99 oder über den Vaterstettener Ortsteil Weißenfeld. „Und dann stehen wir an der nächsten Baustelle“, sagt Schilling. Er verspricht aber: „Wir kommen schon!“ Die Inspektion versuche, möglichst eine Streife im Norden und eine im Süden ihres Einzugsbereichs patrouillieren zu lassen – so denn zwei verfügbar sind. Bisher habe es jedenfalls keine Beschwerden über verspätete Polizisten gegeben.

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