Auge für brenzlige Momente: Feuerwehrler Colin Maidment.

Polizist, Feuerwehrmann und Co. berichten von ihren Erfahrungen

Stets im Dienst: So ist es, wenn einen der Beruf selbst im Feierabend nicht los lässt

Lehrer, Polizisten und Friseure haben grundverschiedene Jobs. Und doch eint sie eine Gemeinsamkeit: Sie alle lässt ihre Beruf nach Feierabend nicht wirklich los.

Landkreis –Der Polizist, der sich am Ende des Arbeitstages am Straßenrand Kennzeichen merkt, der Deutschlehrer, der mit dem Rotstift in die Speisekarte korrigiert oder der Filmemacher, der selbst in Hollywood-Blockbustern die Tonangeln, wenn wieder Mikrofone im Bild hängen, sieht: Ihre Berufe lassen auch die Bürger im Landkreis nach Feierabend nicht los. Während das manche stört, sind andere wahnsinnig fasziniert von ihrem Job. Auch wenn der sie bis weit nach Feierabend beschäftigt.

Der Deutschlehrer

„Wir verkaufen Trikot’s und T’Shirt’s“ – Wenn Georg Weber (44) das liest, stellt es ihm die Haare auf. „Der falsche Apostroph ist ein Klassiker, das kann ich manchmal wirklich nicht mehr sehen“, sagt der Deutschlehrer, der am Unterhachinger Lise-Meitner-Gymnasium unterrichtet. Auch bei Speisekarten, in denen Rechtschreibfehler sind oder die in Möchtegern-Bairisch verfasst sind: „Da sieht man natürlich immer Fehler. Manche Kollegen haben dort schon mit Rotstift reinkorrigiert.“ Mit der Zeit lernte Weber dann, gelassener zu reagieren: „Man wird ja irgendwann verrückt, wenn man jede Kleinigkeit anschaut“, sagt der 44-Jährige. Der Deutschlehrer ist nachsichtig, wenn es um sprachliche Veränderungen geht. Die könne man sowieso nicht aufhalten. „Natürlich sollte man trotzdem keine Fehler machen“, ergänzt er. Im Unterricht will der Münchner den Genitiv retten, in seiner Freizeit, verheimlicht Weber allerdings, dass er ein Deutschlehrer ist: „Da ist man immer sofort der große Korinthenkacker.“

Die Friseurin

Während viele Menschen in der S-Bahn am Handy tippen, schaut die Tochter von Fußballaltstar Paul Breitner den Leuten auf die Haare. „Ich schaue eigentlich immer bei Mädels, ob die Haare auch gesund sind“, sagt die Friseurin Ines Breitner (46). Dabei fällt ihr sofort auf, wenn ein Schnitt falsch ist oder man „doch noch zehn Zentimeter abschneiden könnte“. Manchmal würde die Taufkirchnerin am liebsten ihre eigene Schere auspacken und ein paar Strähnen wegzwicken. „Als Friseur kämpft man um jeden einzelnen Zentimeter, den man abschneiden darf“, sagt die 46-Jährige. „Wenn die Haare bis zum Po gehen, dann schaut es eben nicht mehr gut aus.“ Dass die Frisörin immer auf fremde Haare achtet, stört sie nicht weiter: „Mein Beruf macht mir eben Spaß, ich achte da halt drauf, das ist aber nicht weiter schlimm.“

Der Feuerwehrmann

Auge für brenzlige Momente: Feuerwehrler Colin Maidment.

Entspannt an der Isar liegen und frisch-gegrilltes Fleisch genießen, kann der Feuerwehrler Colin Maidment (21) nur selten. „Wenn wir da grillen und ein Lagerfeuer machen, dann bin ich schon derjenige, der immer gleich schaut, ob es gefährlich werden könnte.“ Maidment ist dabei sehr fokussiert und hat immer ein Auge auf Grill, Lagerfeuer und die Leute, die sich drumherum bewegen. Deshalb bleiben oft nur die letzten Würstel für ihn selbst über. Nebenbei trägt er seinen Funkmeldeempfänger, über den ihn die Feuerwehr Unterhaching alarmiert, in der Hosentasche. „Da schaue ich oft, wenn ich irgendwo anders bin, wie ich notfalls zum Einsatzort komme, wenn der Melder piepsen sollte“. Und besonders im Winter, wenn die Feste drinnen stattfinden, hat er einen geschärften Blick auf Brandmeldeanlagen in Gebäuden. „Das sind Sachen, die wahrscheinlich nicht jedem auffallen.“

Die Sanitäterin

Auge für Hilfesuchende: Sanitäterin Anabel Gahse.

Bei Volksfesten, wenn manche die eine oder andere Mass zu viel trinken, passt Anabel Gahse (18) aus Taufkirchen auf, dass die Betrunkenen gut nach Hause kommen – auch wenn die Sanitäterin eigentlich selbst zum Feiern da ist. „Das würde ich sogar machen, wenn es nicht mein Beruf wäre“, sagt Gahse. Sie hält oft Ausschau nach Hilfesuchenden: „Das wäre eine unterlassene Hilfeleistung, bei der ich aufgrund meiner medizinischen Ausbildung gleich höher bestraft werde, wenn ich nicht helfe.“ Wenn sich eine Traube von Menschen bildet oder mal einer in der S-Bahn zusammenbricht, ist sie zur Stelle. Sie nehme solche Lagen im Alltag öfter wahr als andere. „Und trotzdem bin ich auch mal froh, wenn einfach nichts ist.“

Der Polizist

Auge für Ladendiebe: Polizist Stephan Hoppe.

Wenn Stephan Hoppe (47) abends einkaufen geht, achtet der Polizist aus Putzbrunn besonders auf Diebstähle. Anschließend, auf dem Weg nach Hause, merkt er sich vorsorglich Auto-Kennzeichen. Es könnte ja an der nächsten Ecke etwas passieren. „Die meisten Polizeibeamten können auch in der Freizeit nicht wegsehen, abschalten kann man da nicht“, sagt Hoppe. „Das ist eben eine richtige Berufskrankheit.“ Nach über 25 Jahren Dienstzeit ist er gelassener. „Es kommt immer auf die Situation an“, sagt der 47-Jährige. Als Polizist sei er verpflichtet sich, in den Dienst zu versetzen, wenn es notwendig wird. Das käme in der S-Bahn mal öfters vor, „wenn man jemandem sagt, dass er die Füße von den Sitzen nehmen soll“. Das stört ab und zu auch seine Familie: „Die sagen dann, dass ich wieder runterkommen soll und nicht 24 Stunden arbeiten muss.“

Der Filmemacher

Auge fürs Detail: Filmemacher Luca Zug.

Ob abends im Fernsehen, am Wochenende im Kino oder bei den eigenen Filmprojekten: Luca Zug (18) fällt jede Tonangel in Filmen auf. „Schnittfehler, Anschlussfehler, Spiegelungen im Bild stechen mir besonders ins Auge“, sagt er. „Leute, die neben mir sitzen und den gleichen Film schauen, sehen das oft gar nicht.“ Bei guten Produktionen achtet er auf die Machart und Technik. „Dabei lernt man extrem viel fürs eigene Filmemachen – das ist ein Vorteil.“ Zusammen mit seinem Filmteam MovieJam Studios sorgte er durch den Dokumentarfilm „Grau ist keine Farbe“, über Depression bei Jugendlichen, für Aufmerksamkeit. „Wenn man mal in dieser Branche war, dann weiß man natürlich woran es bei Produktionen oft hapert. Wenn man andere Filme begutachtet, schaut man vielleicht mit einem etwas anderen Blick drauf.“

Alexander Spöri

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