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Alles voll mit Photovoltaik: Sein Haus in der Rosenstraße in Riemerling hat Wolfram Pauer mit etwa 70 Solar-Modulen bestückt und dafür rund 20 000 Euro ausgegeben. In 15 Jahren habe sich die Anlage amortisiert, glaubt der Riemerlinger, der sich als Vorreiter beim Umweltschutz sieht.

Streit um Photovoltaikanlage

Solar-Front lässt Nachbarn verzweifeln

Riemerling - Solaranlagen dürfen bis zu drei Meter Höhe auf Dächern und an Fassaden genehmigungsfrei errichtet werden. In Riemerling strapaziert Wolfram Pauer die Intention des Gesetzes wie auch die Nerven seiner Nachbarn: Er hat sein Haus in der Rosenstraße nahezu komplett mit Solaranlagen umhüllt.

Auf dem Dach: Solaranlagen. Ebenso an den Hauswänden und auf der Garage. Und die 60 Meter lange Einfahrt: komplett bestückt mit zwei Meter hohen Solar- Modulen. Ein kleines Vermögen hat Wolfgang Pauer in die umweltfreundliche Stromgewinnung gesteckt. Doch statt Lob hagelt es Kritik – die Gesamtkomposition sei optisch eine unerträgliche Zumutung, klagen die Nachbarn.

Alles voll mit Photovoltaik: Sein Haus in der Rosenstraße in Riemerling hat Wolfram Pauer mit etwa 70 Solar-Modulen bestückt und dafür rund 20 000 Euro ausgegeben. In 15 Jahren habe sich die Anlage amortisiert, glaubt der Riemerlinger, der sich als Vorreiter beim Umweltschutz sieht.

„Wir bekommen jede Woche zwei Beschwerdebriefe“, sagt Hohenbrunns Bürgermeister Stefan Straßmair. Dazu kommen die vielen Anrufe im Bauamt. Straßmair sagt über den Photovoltaik-Fall: „Bei uns im Rathaus liegen die Nerven blank.“ Nicht nur dort. Gertraud Knoll zum Beispiel ist „wirklich verzweifelt“. Der Nachbarin wurde von den Rathaus- Mitarbeitern geraten: „Versuchen Sie, den Anblick zu ertragen. Oder ziehen Sie weg.“ Eine Antwort, über die sich die Nachbarn empören: „Wir wohnen hier teils seit 40 bis 50 Jahren“, sagt Gertraud Knoll.

Umgekehrt ärgert sich Wolfram Pauer genauso – über diejenigen, die Kritik an seinem Photovoltaikhaus üben: „Mich anzugreifen und selbst nicht an die Umwelt zu denken, das ist dekadent. Alle wollen weg vom Atomstrom, aber wenn sich einer mal traut, konsequent zu sein, wird geschimpft.“ Kein Verständnis hat er auch über die Klage, dass sein Haus optisch störe: „Mich stört auch derTeich der Nachbarn und dass dann die Frösche quaken."

Die Fronten sind verhärtet, und wie hinter einer Front fühlt sich die Familie Ortner. Deren Garten: ein blühendes kleines Paradies. Doch geht der Blick nur ein, zwei Meter nach oben, fühlen sich die Ortners wie in einem Gewerbegebiet, denn sie schauen auf die Solar-Mauer in der 60 Meter langen Einfahrt des Nachbarn. Zwei Meter hoch sind die Module, die deutlich die 1,20-Meter-Hecke der Ortners überragen. Und die von Hans Strebel. Er jammert: „Wenn wir wenigsten einen eigenen Sichtschutz bauen dürften! Aber das ist nicht erlaubt. Da gilt der Bebauungsplan – höher als 1,20 Meter dürfen keine Hecke und kein Zaun sein.“ Die Wand aus Solar-Modulen schon. „Das kann doch kein Mensch mehr nachvollziehen“, findet Strebel.

Doch es geht nicht nur um die Optik, sondern auch um die Sicherheit. Auf Nachfrage unserer Zeitung hat sich Ulrich Fechner, Geschäftsführer von der Solarinitiative München Land, mit dem Fall befasst. Fechner, der selbst in Hohenbrunn wohnt, zeigte zunächst wenig Verständnis für die Kritik: „Es ist eine Frage der Einstellung. Ich kenne viele Menschen, die schauen auf Solaranlagen und freuen sich, finden die wunderschön. Wir sollten uns in einer Zeit, in der die regenerative Energien so wichtig werden, vielleicht eine andere Sichtweise angewöhnen.“

Seine eigene Sichtweise ändert Fechner allerdings, als er sich vor Ort ein Bild macht. „So etwas habe ich wirklich noch nicht gesehen. Das ist vogelwild!“ Vor allem aber: „Ich wage zu behaupten, dass von dieser Anlage Gefahr für Leib und Leben ausgeht.“ Der Fachmann hält „allein die Aufständerung auf dem Dachgiebel für extrem gefährlich“. Aufgeständerte Anlagen müssten massiv beschwert werden, um den großen Wind- und Zuglasten standzuhalten. „Ich bezweifle, dass dieses Dach diese Tonnen von Gewicht, die nötig sind, überhaupt aushalten würde“, sagt Fechner.

Als problematisch erachtet er auch die 60-Meter-Front entlang der Tujenhecke: „Da sind die Module ja nur angelehnt. Es kann immer zu einem Lichtbogen kommen, und im Hochsommer bei großer Trockenheit kann sich dann auch ein Funke ergeben.“ Die Verkabelung, die der Anwohner – wie auch den Aufbau – selbst übernommen hat, sehe auch nicht fachgerecht aus, meint Fechner: „Das entspricht alles nicht den Regeln der Technik, was ich da auf den ersten Blick gesehen habe. Das muss sich aber ein Fachmann von der Nähe anschauen.“ Eine Einschätzung, die Bürgermeister Straßmair nachdenklich stimmt. „Wenn ein Solar-Fachmann wie Herr Fechner befürchtet, dass von der Anlage eine Gefahr ausgehen könnten, werden wir selbstverständlich tätig. Nur dann können wir auch das Recht erwirken, das Grundstück zu betreten, um die Anlage überprüfen zu können.“ Darauf hoffen nun die Nachbarn: „Oder muss erst etwas passieren, bis man ernst genommen und einem zugehört wird?“

Von Annette Ganssmüller-Maluche

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