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Bald Geschichte: die Filiale mit Kundenbetreuer in Straßlach.

Sparpläne der Sparkasse München-Starnberg-Ebersberg

Senioren sind die Verlierer

Landkreis - Bürgermeister und VdK-Vertreter sind sauer: Unter den Sparplänen der Sparkasse litten vor allem Senioren. Sie müssten sich entweder mit Online-Banking vertraut machen oder für eine persönliche Beratung teils weite Wege in Kauf nehmen.

„Wir sind natürlich nicht begeistert, wir sind entsetzt.“ Das sagen die Bürgermeister im Landkreis, wenn man sie auf die drastischen Kürzungen anspricht, die bei der Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg beschlossen wurden. Das Geldinstitut schließt oder verkleinert insgesamt 16 Standorte in den Gemeinden um München. 

„Unglücklich war auch, dass wir im Vorfeld nicht informiert worden sind“, kritisiert der Oberschleißheimer Rathauschef Christian Kuchlbauer (Freie Wähler). Die betroffenen Kommunen haben vom Streichkonzert, dem vier Zweigstellen vollständig zum Opfer fallen, erst aus der Zeitung erfahren. Zeitgleich mit den nicht minder erstaunten Kunden. Fast alle Bürgermeister haben inzwischen das Gespräch mit Verantwortlichen des Unternehmens gesucht. Aber „da war nichts mehr zu machen“, sagt Straßlach-Dinghartings Rathauschef Hans Sienerth (parteifrei) zum fruchtlosen Ergebnis. 

Auch die VdK-Vertreter vor Ort haben nur wenig Verständnis für das Sparprogramm der Sparkasse, deren Stärke bislang in der Vielzahl ihrer Filialen gelegen hat. Zwar mag das Argument des Vorstandsvorsitzenden Josef Bittscheidt zutreffen, dass der Durchschnitts-Kunde nur noch zweimal im Jahr persönlich eine Schalterhalle aufsucht, weil er den Rest seiner Geldgeschäfte online erledigt. Aber es entsprächen eben, meint Eva Blust, VdK-Vorsitzende von Taufkirchen, nicht alle Kunden dem Durchschnitt. „Ich kenne viele Leute, die gar keinen PC haben. Die bekommen jetzt ein Problem.“ 

Auch Straßlachs Bürgermeister Sienerth weiß, dass ein „großer Bevölkerungsanteil“ in seiner ländlich geprägten Gemeinde mit dem Internet „nichts anfangen kann“. Weshalb auch Thomas Loderer, Bürgermeister in Ottobrunn (CSU), kritisiert: Die Umstrukturierung der Sparkasse komme zu früh. „Ich sehe die ältere Bevölkerung als Verlierer.“ 

Sein Kollege Ullrich Sander (CSU) aus Taufkirchen meint, die unternehmerische Entscheidung der Sparkasse sei eine Tatsache, „die wir letztlich akzeptieren müssen“. Schmerzlich sei die Sparmaßnahme in seiner Gemeinde aber auch deshalb, weil der Altersdurchschnitt mit 60 Jahren recht hoch ist. Und gerade in dem Gebiet, aus dem die Bank nun abwandert, lebten besonders viele Senioren. „Die spannende Frage ist jetzt, ob die zur Volksbank wechseln.“ Denn das Geldinstitut hält seinen Standort im alten Ortskern aufrecht. 

Die Straßlacher, deren Sparkasse ohnehin bereits nur noch zwei Tage in der Woche geöffnet hat und denen künftig nur noch ein SB-Automaten zur Verfügung steht, müssen demnächst für einen persönlichen Termin bis Grünwald pendeln. 

Und die Kunden, die in Oberschleißheim in der Gegend um den Fohlengarten wohnen, wo auch das Seniorenheim angesiedelt ist und die Sparkasse bald ihre Pforten schließen wird, werden künftig nur noch auf der anderen Seite der Bahn in Alt-Schleißheim am Schalter bedient. Dort hinzukommen ist aber, sagt Kuchlbauer, „relativ umständlich“. Die örtliche VdK-Sprecherin Brigitte Scholle, die für die SPD im Gemeinderat sitzt, findet die Einschnitte der Bank ein „Unding.“ Viele Senioren haben, berichtete sie im Gemeinderat, bereits angekündigt, zur Dresdner oder Münchner Bank zu wechseln, die westlich der Staatsstraße 2342 noch Geschäftsstellen unterhalten. 

ak

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