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Die Experten Andreas Bernögger (li.), Carl-Friedrich Eckhardt (Mitte), Nikolaus Gradl (r.) mit Bürgermeister Wolfgang Panzer (2.v.l), der stellvertretenden Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche und Florin Schardt (SPD-Unterbezirksvorsitzender).

Nahverkehr, der bis zur Haustür fährt

Bei SPD-Parteitag wird klar: Eine schnelle Lösung gibt es bei Verkehrsproblemen nicht

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Volle Straßen, überfüllte S-Bahnen und immer mehr Einwohner. Wie sieht die Mobilitäts-Lösung der Zukunft aus? Eine Frage, die die Kreis-SPD bei ihrem Parteitag mit Experten vertiefte.

Unterhaching –Immer mehr Staus auf den Straßen, überfüllte S-Bahnen, Busse, die den Fahrplan nicht einhalten können – die Mobilität im Großraum München ist zum Problem geworden. Doch wie könnten Lösungen aussehen? Dieser Frage ist die SPD München-Land auf ihrem öffentlichen Parteitag nachgegangen und hatte hierfür drei Experten eingeladen.

Andreas Bernögger, Projektleiter bei dem Architektur- und Stadtentwicklungsbüro Studio/Stadt/Region berichtete von seinen Erfahrungen aus dem Münchner Projekt „Modellstadt 2030“, das sich mit Visionen für die Mobilität im Jahr 2030 beschäftigt. „Man darf dabei nicht nur auf den Verkehr schauen“, sagte er. „Die Zielgruppen und ihre Lebensstile verändern sich, zudem sollte man Dinge wie Umweltschutz und bessere Luftqualität mitbetrachten.“ Er nannte sechs Schlüsselwerkzeuge für Verbesserungen: Zum einen müssten die Räume neu aufgeteilt werden. Ein Beispiel: Autos zugunsten einer schnellen Busspur weniger Platz einräumen. Parken und Fahren sollten ihren Preis haben, wenn im Gegenzug das Angebot dafür besser wird.

„Der öffentliche Nahverkehr darf zudem nicht an der letzten S-Bahn-Haltestelle enden, sondern sollte bis zur Haustür etwas anbieten“, so Bernögger. Dafür sei eine Vernetzung und räumliche Verknüpfung aller Verkehrsmittel wichtig. Dabei vergessen dürfe man nicht den Fuß- und Radverkehr. Um Straßen tagsüber zu entlasten, könnte man Logistik-Fahrten in die Nacht verlegen.

„Die Lücke zwischen ÖPNV und eigenem Auto muss geschlossen werden“

„Politik kann Veränderung erzeugen, indem sie Leuten, die was ändern wollen, den Weg ebnet“, sagte Carl-Friedrich Eckhardt, der sich bei BMW mit dem Thema Urban Mobility beschäftigt. Der öffentliche Nahverkehr könne nicht alle Probleme lösen. Er mache Vorgaben wie Fahrpläne, an welche sich der Kunde halten müsse. Er plädiert daher für Angebote, welche die Nachfrage der Kunden in den Mittelpunkt stellen wie Carsharing oder Busse nach Bedarf. „Die Lücke zwischen ÖPNV und eigenem Auto muss geschlossen werden“, so Eckhardt. Um Platz auf der Straße zu schaffen, denkt er an kleinere Fahrzeuge mit nur einem Sitz. Eine andere Idee: Fahrten in größeren Fahrzeugen bündeln. In dem Zusammenhang arbeitet BMW auch an selbstfahrenden Fahrzeugen (autonomes Fahren). Das Problem im Landkreis sieht Eckhardt in der dünnen Siedlungsstruktur. Um dort mehr Mobilitätsangebote zu etablieren, sei es wichtig, entlang der S-Bahn nachzuverdichten.

Die Reihen im Unterhachinger Kubiz (li.) waren nicht voll besetzt.

Die Nachfrage der Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, ist auch das Anliegen von Nikolaus Gradl, Münchner SPD-Stadtrat und Experte für Nahverkehr und Angebotsplanung. Er gab einen Überblick über die vielen neuen Angebote vom Mietroller und Mietrad bis zum Bus auf Nachfrage. Das Problem aus seiner Sicht: „Der Markt wird immer differenzierter und damit auch unübersichtlicher.“ Es brauche daher eine Art „Generalschlüssel für Mobilität“ – eine Plattform, über die man verschiedene Angebote nutzen und direkt bezahlen könne.

Bürgerin: Bei aller Digitalisierung ältere Bürger nicht vergessen

Bei der anschließenden Diskussion mahnte eine Bürgerin an, dass man bei all den Möglichkeiten der Digitalisierung nicht die älteren Menschen vergessen dürfe, die damit nicht zurecht kämen. Unterhachings Bürgermeister Wolfgang Panzer kritisierte, dass es quasi unmöglich sei, Carsharing-Angebote wie „Drive now“ von BMW nach Unterhaching zu bekommen. Eckhardt verwies auf die Logistik, die sich für dünn besiedelte Gebiete nicht lohne. „Eventuell sind Bündelungen von Fahrten hier die bessere Variante.“ Nikolaus Gradl regte an, über Abstellpunkte nahe der S-Bahn nachzudenken und nach anderen Anbietern zu suchen.

Bei einer Abstimmung am Ende wurde klar, was den Menschen bei allen neuen Möglichkeiten besonders wichtig ist: der zügige Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Und klar war auch: Eine schnelle Lösung für alle Probleme ist nicht in Sicht.

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