Ein Spektakel für Augen und Ohren

- VON MANFRED STANKA Hohenbrunn - Endlich! Die Böller krachten zuverlässig, am Hohenbrunner Nachthimmel zerstoben 1001 goldene Sterne, Leuchtfontänen und Raketen zerplatzten in zahllose Funken. Kreisende Feuerräder hätten fast Georg Friedrich Händels "Feuerwerksmusik" überrollt - aber eben nur fast.<BR>

<P>Folgerichtig zum 10. Klassik-Open-Air der Gemeinde Hohenbrunn auf dem Gelände des Munitionsdepots erstrahlte das Event endlich in seiner ganzen Pracht und Glorie. Versailles war nicht weit und auch nicht eine der zahllosen königlichen Lustbarkeiten auf der Themse. Für diese schrieb der sächsische Komponist seine Festmusik. Pauken dröhnten wie damals, Fanfaren schmetterten und Gerd Zapfs Trompetenensemble jauchzte mit emotionaler Wucht. Ein Brillantfeuerwerk von imperialer Größe, den rund 800 Zuschauern zugeeignet und ein persönlicher Triumph für Bürgermeister Franz Zannoth (parteilos). Das erste "Brillantfeuerwerk" fiel vor einem Jahrzehnt ins Wasser, Hagel und Gewitter scheuchten damals die Massen ins Offizierskasino, und so mancher Feuerfunke zischte lustlos vor sich hin. Seitdem traute sich keiner der Veranstalter von Gemeinde und Munitionsdepot so recht an Händels riskantes Werk mehr heran. Bis Konzertorganisator Gerd Zapf und Zannoth entschieden: Diesmal riskieren wir es wieder! Die Rechnung ging voll auf, zumal ein "Ausverkauft" über der Kasse prestigefördernd wirkt.<P>Die Musik suchte bei all diesen Schauwerten nicht das Weite, was vor allem am Zusammenspiel von Pyrotechnikern und Musikern lag. In einer meisterhaften Choreografie korrespondierten Dirigent Franz Leo Matzerath und das Bayrische Staatsorchester mit dem knalligen Himmelszauber.<P>So unterstützen pastellene Farbnebel die gravitätische Boxerei, ein höfischer Tanz, zu dem das Orchester mit majestätischer Langsamkeit aufspielt; dann ein irrlichterndes Funkenspiel am Himmel, die Musiker beschleunigen ihr Tempo, eine unbezähmbare Lust am Virtuosen nimmt Überhand.<P>Trotz aller Spektakelwerte, für den Abend ist vor allem entscheidend: Weder bei Wolfgang Amadeus Mozart noch bei Ludwig van Beethoven wird triumphal um des Effekts wegen aufgetrumpft. Im Gegenteil: Die Münchner phrasieren in Beethovens Zweiter mit einer Differenziertheit, dass es eine Lust ist, zuzuhören und den musikalischen Fortgang aller dieser großen Gedanken zu verfolgen.<P>So fördern sie harmonische Kühnheiten zutage, die den bereits alle konventionellen Fesseln abstreifenden Titanen ins Zentrum stellen. Auch bei Mozarts "Jupitersymphonie" kein zärtliches Herumtändeln mit einer Nippesfigur. Dramatisch, herb der Beginn: Auch dieses Werk brodelt von unterschwelligen Ängsten, Zweifel und offenen Sehnsüchten, bis es zur Ruhe des Olympiers findet. Matzeraths Dirigat setzt auf klangliche Schönheit, Intensität und Hochgespanntheit.<P>Und da sich die Tontechnik seit dem vergangenen Jahr entschieden verbessert hat, dringen diese Vorzüge sogar in die hinteren Reihen. Jubel fürs Orchester und Bravorufe fürs Feuerwerk.<P>

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