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Über ein Spendenkonto sollen Wohlfahrtsverbände und Nachbarschaftshilfen Bedürftigen helfen können. (Symbolfoto)

Kreisausschuss

Spendenkonto als Corona-Nothilfe für Betroffene

  • Laura Forster
    vonLaura Forster
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Die Coronapandemie und deren finanzielle Folgen machen auch vor den Bürgern im Landkreis nicht Halt. Nicht nur Mitarbeiter von Betrieben sind vom Lockdown betroffen, auch vielen Sozialleistungsempfängern geht es derzeit schlecht. Deshalb beantragten die Landkreis-Grünen einen zeitlich befristeten Corona-Nothilfefonds in Höhe von 500 000 Euro.

Landkreis - Dass es eine Art Unterstützungsangebot geben muss, darin waren sich die Kreisausschussmitglieder einig. Doch der gewünschte Nothilfefonds stieß bei vielen auf Kritik. „Der Antrag beruht nicht auf unserer Eingebung, sondern ist ein Wunsch der Caritas“, sagte Christoph Nadler, Vorsitzender der Grünen-Fraktion, in der jetzigen Kreisausschusssitzung. Allein 2020 habe der Wohlfahrtsverband 500 soziale Beratungen mehr verzeichnet. Gründe für die finanzielle Notlage der Bürger seien etwa der Verlust des Minijobs, Kurzarbeit oder hohe Kosten für Homeschooling, Homeoffice und Hygieneartikel wie Masken, schreibt die Caritas in einer Stellungsnahme. „Das ist ein Katastrophenfall“, sagte Nadler. „Wir können uns nicht auf die normale Vorgehensweise zurückziehen. Wir müssen ein politisches Zeichen setzen.“

Ausgaben nicht auf Gemeinden abwälzen

Die SPD-Fraktion unterstütze den Antrag der Grünen. „Eigentlich teilen wir das Angebot sehr“, sagte Fraktionsvorsitzender Florian Schardt. „Aber einfach wird es nicht.“ Doch wenn der Landkreis noch die Möglichkeit habe, kleine Beiboote ins Wasser zu setzen, sollte er diese auch nutzen. Nächstes Jahr könne das schon anders aussehen. „500 000 Euro sind nicht die Welt“, sagte Schardt.

Das sah CSU-Fraktionsvorsitzender Stefan Schelle anders. „Geld, das wir jetzt nicht ausgeben, sind Schulden, die wir nicht machen.“ Kopfschmerzen bereite ihm vor allem der Gedanke, dass „nicht der Landkreis die 500 000 Euro zahlt, sondern die Gemeinden.“ Und dazu gehören nicht nur finanziell starke Kommunen wie Unterföhring und Grünwald, sondern auch Aying und Schäftlarn. „Am Ende des Tages müssen auch die kleinen Gemeinden ihren Haushalt stemmen können und der wird in den nächsten Jahren nicht lustiger.“ Schelle warnte vor einen zurückschnellenden Bumerang.

Spendenkonto statt Notfallfonds

Der Oberhachinger Bürgermeister schlug statt eines Nothilfefonds ein Spendenkonto vor, in das Privatpersonen, Unternehmen oder auch Kommunen etwas einzahlen können. „So kann jede Gemeinde etwas dazugeben, es ist aber kein Muss“, sagte Schelle. In Oberhaching habe er bereits gemerkt, dass die Spendenbereitschaft sehr hoch ist.

Nicola Gerhardt (CSU) die Hohenbrunns Bürgermeister Stefan Straßmair vertrat, begrüßte Schelles Vorschlag. Man solle zur Solidarität aufrufen, denn „nicht allen Bürgern geht es schlecht, es gibt auch einige, die normal arbeiten und ihr Geld derzeit nicht für Restaurant- oder Friseurbesuche ausgeben.“

Auch die Grünen und die SPD konnten sich mit der Idee des Spendenkontos anfreunden. „Es freut mich das das Thema Fahrt aufnimmt“, sagte Nadler. „Jetzt hoffen wir, dass die Einrichtung des Kontos und das Bewerben der Spendenaktion von der Kreisverwaltung mit Nachdruck angegangen wird.“

Schlussendlich stimmten alle Auschussmitglieder für den geänderten Beschluss. Zugriff auf das Spendenkonto sollen lediglich die Wohlfahrtsverbände und Nachbarschaftshilfen haben. Sie sollen entscheiden, wo das Geld schnell und unbürokratisch hinfließen soll.

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