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Timo Diegel (r.) hat mit „Schmarotzer im Ameisenland“ zum zweiten Mal den „Deutschen Autorenwettbewerb“ gewonnen. Auf eine Vermarktung seines Siegerspiels von 2015 wartet er immer noch.

Messe der besonderen Art

Spiele-Erfinder hoffen auf Glückstreffer

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Haar - Exakt 100 Spiele-Erfinder haben im Bürgerhaus Haar ihre Prototypen vorgestellt. Die Bandbreite reichte vom Geschicklichkeitsspiel „Climb-Ball“ bis zum Weltraum-Spektakel nach Star-Wars-Vorbild. 30 Spiele-Redakteure suchten nach Ideen mit Potenzial. Ein Glücksspiel für sich.

Zum 19. Mal veranstaltete das Bayerische Spiele-Archiv in Haar seine Spieleerfinder-Messe. Exakt 100 Autoren stellten neue Brett- und Geschicklichkeitsspiele vor, keine Elektronik. Jeder Erfinder wartete darauf, dass einer der 30 Spiele-Redakteure genau sein Spiel als besonders interessant einstuft. „Jedes Jahr schaffen es höchstens zwei, drei Spiele, dass sie von einem Verlag veröffentlicht werden. Der Sprung von der eigenen Idee ins Spielwarengeschäft ist also sehr schwierig“, sagt Organisator Christian Fürst-Brunner.

25.000 Spiele im Archiv in Haar

Der Oberspieler ist Tom Werneck. Er hat vor 20 Jahren das Bayerische Spiele-Archiv in Haar gegründet. Jedes Jahr bekommt er 600 bis 800 neue Brettspiele zugeschickt. Jedes einzelne wird fein säuberlich katalogisiert und für die Nachwelt erhalten. Mittlerweile sind es 25 000, die der Verein in den Räumen der Gemeinde Haar in der Casinostraße im Archiv stehen hat. Einmal im Jahr lässt der Verein 100 Erfinder ihre neuen Ideen vorstellen. „Gerne würden viel mehr kommen, doch es gibt nur 35 Spieleverlage in Deutschland, und deren Vertreter werden nicht mehr, nur weil wir mehr Erfinder haben. Das sind die Trüffel-Schweine auf der Suche nach Spiele-Rohdiamanten“, sagt Werneck.

Kaum einer kann davon leben

Bis ein Spiel tatsächlich auf den Markt kommt, können Jahre vergehen. Zwar sei der deutsche Spiele-Markt mit einem Jahres-Umsatz von fast 500 Millionen Euro riesig, doch wirklich leben vom Erfinden könnten nicht einmal zehn Tüftler. „Ein Neuling bekommt von einem Spiel, das 20 Euro kostet, nicht mehr als 50, 60 Cent. Kaum ein Spiel überlebt mehr als zwei Jahre.“ Dennoch hofften alle 100 Erfinder in Haar darauf, dass sie es sein könnten.

Spiele für zwei liegen nicht im Trend

Fast alle Spiele-Prototypen sind selbst gebastelt, ausgeschnitten, von Hand gemalt, so dass man das Grundprinzip erkennen kann. Nur wenige haben richtige Schachteln, Spielbretter und eigene Figuren, viele verwenden Kegel, Klötzchen und Figürchen aus anderen Spielen. Timo Diegel gewann mit dem Familienspiel „Schmarotzer im Ameisenland“ zum zweiten Mal den „Deutschen Autorenwettbewerb“, doch sein Sieger aus dem Jahr 2015 „Das geht schief“ ist bis heute nicht verkauft oder gar produziert. 

Griffe üben die Südtiroler Joachim (l.) und Dieter mit ihrem „Climb-Ball“. 

Student Jakob Schnider hat sich „Mazecraft“ ausgedacht, ein Strategie-Spiel für zwei Personen, ähnlich „Schiffe versenken“. Der Gegner muss durch ein ausgedachtes Labyrinth wandern. „Ein Redakteur war da, sagte aber, Spiele für zwei seien derzeit nicht im Trend.“

Sternenkrieg auf dem Riesenbrett

Joachim, der Tennis-Trainer, und Dieter, der Marketingprofi, sind begeisterte Kletterer und haben „Climb-Ball“ erfunden. Eine faustgroße Kugel ist mit unzähligen Mulden übersät, die zu verschiedenen „Kletter-Routen“ gehören. „Mit den Fingern werden diese abgeklettert, alleine oder zu zweit, es dürfen nie mehr als drei Finger auf der Kugel sein“, erklärt Dieter. Hört sich einfach an, ist zum Teil irre kompliziert und fördert die Auge-Hand-Koordination, Motorik und Beweglichkeit – ein perfektes Spiel für Kinder wie Greise. Thomas Eberhard ist Polizist aus Koblenz und „Star Wars“-Freak. Er hat auf einem riesigen Spielplan ein Weltraum-Szenario nachgebaut. „Für über 2000 Euro habe ich mir auf einem 3D-Drucker die Spielfiguren, Waffen und Raumschiffe nachbauen lassen.“ Er weiß, dass kaum jemand zu Hause einen Tisch für diesen Spielplan hat und Rechte-Inhaber Disney auch von der Idee überzeugt sein müsste. Doch Eberhard sagt: „Ich bin da zuversichtlich!“

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