Mit Essstäbchen am Brett. David Parlett (r.) aus England hat mit „Hase und Igel“ 1979 den ersten Spiel-des-Jahres-Wettbewerb gewonnen. Bei der Messe in Haar stellt er „Chinese fast food“ vor. Foto: Rammelsberger

Spieleerfinder-Messe in Haar: Hoffen auf den großen Wurf

Haar - Was haben der Erfinder des schmerzfreien Fahrradsattels und ein Unternehmensberater gemeinsam? Auch Berufsschullehrer, Journalisten und Schreiner tun es: Sie erfinden Spiele.

Brett- und Kartenspiele natürlich, von Computerspielen spricht man hier nicht. „Ich muss doch meinem Gegenüber in die Augen schauen, wenn ich es vom Brett fege“ sagt Tom Werneck, einer der Gründer vom „Spiel des Jahres“ und Herrscher über das Bayerische Spiele-Archiv Haar. Die Sammlung umfasst rund 15 000 Spiele und über 2000 Fachbücher zum Thema.

Der Mann weiß, wovon er spricht: Von Spürhunden - den Redakteuren der Spieleverlage - die auf der Suche nach dem einen ungeschliffenen Rohdiamanten sind, der die Spielewelt ähnlich revolutionieren könnte wie die „Siedler von Catan“. Hier in Haar treffen sie auf knapp 80 Tüftler, Bastler und Denker, die auf hundert Quadratmetern Tischreihen ihre Prototypen aufgebaut haben.

Natürlich gibt es auch hier Ideen, die schon „an der Klotüre der Arche Noah hingen“ (O-Ton Werneck), aber es zeigen sich erstaunlich zeitgemäße Spielentwürfe: David Parlett, very british und Autor von „Hase und Igel“, das 1979 erstes „Spiel des Jahres“ wurde, brachte ein „Chinese fast food“ Spiel mit. Die Mitspieler erwürfeln ein Menü, das sie auch noch mit Stäbchen auf ihr Spielbrett lupfen müssen.

Ein Heidelberger Handwerksmeister erfand das „Knöllchenspiel“ - die Spieler müssen als Autofahrer den strafzettelwütigen Polizisten zuvorkommen. Einen Tisch weiter greift das Kanalbaufieber um sich: Wasserstraßen müssen gebaut und befahren werden. Das interessierte Fachpublikum konnte Muggelsteine aus Salzteigtorten pulen, Pyramiden aus Kugellagerkugeln bauen und im „Verrückten Treppenlabyrinth“ seine Mitspieler abhängen.

Wer es schafft, lebend aus einem verwunschenen Maya-Tempel zu entkommen, kann die geraubten Schätze an das meistbietende Museum verkaufen. „Brainburner“ ist der passende Name für ein Kartenspiel mit Buchstabenkombinationen, die dem verzweifelten Spieler die Haare zu Berge stehen lassen. Und - leider noch nicht ins Griechische übersetzt - „Moneymaker“, ein Partyspiel, bei dem die Gewinne mit den Bausteinen Glück, Intelligenz, Connections und Moral gemacht werden. „Moral natürlich nur, wenn man sich das vom Gewinn her leisten kann.“ Ganz wie im echten Leben.

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