Spiellust und Engagement

Unterschleißheim - Mehr als 100 000 Euro haben die Freizeitmusiker von „Lichtblicke“ für soziale Zwecke in 14 Jahren eingespielt. Vor ausverkauftem Haus treten die einstigen Schülerbands „Ruhestö(h)rung“ und „Phondue“ mit Gastmusikern im Bürgerhaus-Saal auf.

Inzwischen ist es gute Tradition: Die Gigs am Freitag und am Samstag sind seit Wochen ausverkauft. Vor rund 1100 zahlenden Zuschauern spielen die Musiker bekannte Hits aus Rock und Pop. Der Erlös fließt wie jedes Jahr Hilfsprojekten zu. Über den 2003 gegründeten Verein „Lichtblicke“ geht das Gros der Einnahmen heuer an den „Helferkreis Asyl Unterschleißheim“, an „Refugio“, den Fachdienst für traumatisierte Flüchtlinge, und die in Schleißheim aufgewachsene Ordensschwester Michaela Prachtl, die in Südafrika in der Gemeinde- und Bildungsarbeit tätig ist.

„Angefangen hat alles mit einem Traum, als kleine, spontane Initiative“ erzählt Benjamin Straßer von „Ruhestö(h)rung“. Eine Handvoll Musiker der Unterschleißheimer Realschule wollte auch nach der Schulzeit gemeinsam musizieren - und mit Musik Gutes tun. Als sich die Gelegenheit bot, Weihnachten 2001 in der Kirche St. Ulrich vor 100 Zuschauern aufzutreten, griffen sie zu: Eine Tradition war geboren, die längst Bestandteil des Kulturkalenders in Unterschleißheim geworden ist. 14 Jahre nach diesem Anfang in St. Ulrich ist es „Ruhestö(h)rung“ und „Phondue“ ein Leichtes, den vollbesetzen Großen Saal im Bürgerhaus mitzureißen.

Das Besondere an „Lichtblicke“ ist, dass es den Musikern gelingt, nicht nur ihren Traum zu leben, weiter auf der Bühne zu stehen. Mit jugendlicher Energie und Tatkraft leben sie die Visionen der einstigen Schüler, die sich ihren Idealismus bewahren. Die Einnahmen ihrer Konzerte verteilen sie: „Durch unseren Verein haben wir die Möglichkeit, Geld zielgerichtet zu verteilen“, erläuterte Straßer. „Anders als bei großen Organisationen geht nicht erst ein erheblicher Teil für die Verwaltung drauf.“

„Lichtblicke“ unterstützt Hilfsbedürftige in Afghanistan, Straßenkinder in Brasilien, Kinder in Bolivien, Peru und Burkina Faso sowie den Helferkreis Asyl in Unterschleißheim; sie alle profitierten vom Engagement zweier Schülerbands, die nicht aufhören mochten, gemeinsam zu musizieren. Zu ihren Auftritten laden sie talentierte Gastmusiker ein, diesmal unter anderem Valerie Steenken (16) und RoGoPops auf.

Der Geigerin Valerie Steenken eilt der Ruf eines Wunderkinds voraus. Bei „Jugend musiziert“ räumte sie sieben erste Preise ab. Die 16-jährige Gymnasiastin studiert an der Musikhochschule München. Im Bürgerhaus trug sie Sergei Prokofiev vor.

Den Rock-, Gospel- und Popchor „RoGoPops“ aus Unterschleißheim muss man gesehen haben. Unter Leitung von Andres Lübke intonierten die 40 Sänger/innen quer durch Songs der Beatles.

Die Organisatoren des Benefizabends verstehen es, ihr Publikum auch mit originellen Einlagen zwischendrin zu unterhalten. So spielten sie Szenen aus einem simulierten Studio ein, in dem Bandmitglieder telefonisch Spenden entgegen nahmen. Besonders freuen dürfte sich ein privater Bieter aus dem Publikum. Für gut 1300 Euro ersteigerte er ein Wohnzimmerkonzert von „Phondue“. Für Familie und Freunde des anonymen Bieters wird die Band demnächst im privaten Rahmen auftreten.

Andreas Sachse

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