Spontanität und Freude an der Improvisation wie sonst nirgendwo

- VON MANFRED STANKA Grünwald - Zumindest den Metereologen dürfte es zu denken geben: In vergangenen zehn Jahren trübte kein Wässerchen die "Grünwalder Musicale", allenfalls ein vorlautes Wölkchen traute sich mal, den Himmel zu Verdunkeln. Die Vorsitzende des Verwaltungsteams, Gaby Burmann, kann sich die himmlische Begünstigung nicht so recht erklären, aber inzwischen plant sie sommerliche Temperaturen ins Treffen der Notenschlüssel in der Grünwalder Ortsmitte fast mechanisch mit ein. Die da oben werden es schon richten!<BR>

Und so erlag die Gemeinde auch heuer wieder bis in den frühen Nachmittag dem romantischer Walzer oder auftrumpfenden Jazz. Selbst die Damen in einem benachbarten Cafe hielten zwischen einen Stück Torte inne, wiegten sich fast unmerklich zur "Trisch-Tratsch-Polka" von Johann Strauß und schlugen mit zierliche Kaffeelöffelchen leise den Takt. Die Isartalgemeinde also also einmal im jährlichen Rausch zwischen Shopping, Flanieren, Friseur und den Versuchungen, einfach mal innezuhalten: einem Kinderlied zu lauschen, sich vom Blockflöten-Ensemble in sanfte Träume wiegen zu lassen und nostalgisch dem pralineveredelten Sound des Salonorchesters zu lauschen. <P>Dann hängt plötzlich "Schröders aus`m zweiten Stock" unter Reinhard Kliept den Kopf mit knackigem Rock aus dem Fenster, um ein Klanggewitter anzukündigen. Bei Veronika Jovanovic, die langsam selbst zur Grünwalder Band-Legende avanciert, gibt es kein Halten. Swing, swing, swing! Und die Soli ihrer Big-Band-Gruppe gewinnen Jahr für Jahr an virtuosem Schwung - ohne auf Klangfarbenspiele und Nuancen für feine Ohrmuscheln zu verzichten. Ursprünglich als Repräsentationsschau der Musikschule Unverfälschte Partitur mit Sonaten aus der Feder van Beethovens gedacht, gewinnt das Ereignis immer mehr an Eigenwert als spezielles Open Air, das sich eine Spontanität und Improvisationsfreudigkeit zugelegt wie kaum eines sonst.<P>Um den Notenstand mit ausgemusterten Partituren reihen sich nachdenkliche Gesichter. Mit zurückhaltender Aufgeregtheit wird in den Ständen gewühlt. Dann stöbert einer ein Heft heraus, seine Augen glänzen, als hätten er einen Schatz aufgestöbert - und das hat er wohl auch. Tatsächlich, einer der Jünger aus dem Klassiker-Pantheon eines Johann Sebastian Bach oder Anton Bruckner ist auf eine unverfälschte Partitur von Beethoven-Sonaten gestoßen. Eine, die frei ist von späteren Veränderungen, Verzerrungen und des Meisters unverfälschte Partitur wiedergibt. Dafür verlangt eine Musikalienhandlung mindestens 40 Euro, Musikschullehrer Michael Richter gibt sich mit 15 Euro zufrieden. Der Fan rauscht beglückt ab, den Musiker und Pädagogen am Geldkästchen freut`s. <P>Meistbegehrt bei den Sprösslingen ist das Instrumentenparadies. Jeder darf eines oder alle zur zaghaften Kontaktaufnahme befingern. Die Backen der Sprösslinge blähen sich beim Hineintrompeten, flink klettern die Finger die Klarinettentasten rauf und runter. Melodien formieren sich, und ein Schüler für das nächste Schuljahr ist auch gefunden. Massenandrang an den Schlagzeugen. Da wird gehämmert, gedröhnt, das Blech gerät ins Schwitzen: ein Musiklehrer mischt sich ein und aus Krach wird Klang. Somit hätten die Buben und Mädchen ein profundes Stück Harmonielehre mit auf den Weg bekommen.<P>Als Weckchor, wie immer unentbehrlich: der Kinder- und Musikchor unter Karin Weber. Er bringt Langschläfer in Fahrt, ab 10.30 Uhr morgens wieselte und wuselte es zwischen Biergartentischen, Konzertpodien und Verkaufsständen, wurden Instrumente verlegt und wiedergefunden. Über 300 Besucher zählte Gaby Burmann - und alle waren begeistert.<P>

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