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Sprengstoffexperten simulieren Explosion

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- Spezialeinheit der Polizei demonstriert Können

VON ULRICH LOBINGER Wo die Arbeit der Polizei aufhört, beginnt ihr gefährlicher Job. Sei es ein verlassener Koffer am Hauptbahnhof oder eine tickende Tasche am Flughafen - die Einsätze der Technischen Sondergruppe (TSG) des Bayerischen Landeskriminalamts bergen nicht selten Lebensgefahr. Im Rahmen einer Übung präsentierte die Spezialeinheit gestern ihr Können auf dem Gelände der Bundeswehruniversität in Neubiberg.

Circa 150 Mal im Jahr müssten die Beamten der TSG zur Entschärfung von Spreng- und Brandvorrichtungen in ganz Bayern ausrücken, erklärte Einsatzleiter Johann Skwara. Am Beispiel eines besonders heiklen Falls, der sich vor vier Jahren in München zugetragen hatte, schilderte Skwara das umfangreiche Aufgabenfeld der TSG. Ein Mann hatte seiner Ex-Freundin einen Sprengstoffgürtel umgebunden und gedroht, den Sprengstoff per Fernbedienung zu zünden. Nachdem der Täter überwältigt wurde, befreiten die TSG-Beamten die verstörte Frau von dem Spezial-Roboter ist wichtigstes Hilfsmittel Gürtel, der sich im Nachhinein als Attrappe herausstellte. "Es gibt jedoch auch zahlreiche scharfe Einsätze, bei denen ein falscher Handgriff tödlich sein kann", so Skwara.

Vor dem Hintergrund des Olympia-Attentats von 1972 und der damaligen Bedrohung durch den Links-Terrorismus der RAF wurde die Einheit 1974 ins Leben gerufen. Heute besteht die TSG aus 14 Beamten und einer Beamtin, darunter auch vier Taucher. Im Laufe der Jahre entwickelte sich eine Personalmischung aus Polizeivollzugsbeamten und Diplomingenieuren verschiedener Studiengänge. "Seit der Gründung der Spezialeinheit kam bislang keiner unserer Spezialisten ernsthaft zu Schaden", berichtet Skwara stolz. Dies liege in erster Linie an der hervorragenden Ausbildung der Einsatzkräfte. Zudem beschränke der Einsatz von modernster Technik das Risiko auf ein Minimum.

Das wichtigste Hilfsmittel zur Entschärfung von Spreng- oder Brandvorrichtungen ist der so genannte "Manipulator", ein mit zahlreichen Werkzeugen ausgestatteter Roboter. In einer Vorführung simulierten die mit Strumpfmasken verhüllten TSG-Beamten die Entschärfung eines mit einer Bombe drapierten Koffers. Der 250 000 Euro teure Manipulator fuhr ferngesteuert auf den Koffer zu und sägte mit einem Greifarm die Schlösser auf. Da der Koffer sich nicht öffnete, musste ein TSG-Beamter sich an das Objekt heranwagen. Mit einem 30 Kilogramm schweren Splitteranzug bekleidet öffnete der Sprengstoffspezialist den Koffer und entschärfte die Attrappe.

"Oftmals ist es jedoch nicht möglich, den Roboter einzusetzen, so dass wir eine kontrollierte Sprengung durchführen müssen", erklärte Einsatzleiter Skwara. Diese Sprengung nahm die einzige Frau im Team der TSG vor. Die studierte Chemikerin hatte eine pyrotechnische Mischung hergestellt und an dem Koffer angebracht. Die Simulation der TSG endete mit der ferngesteuerten Explosion des Koffers.

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