Auf den Spuren der süßen Versuchung

Unterschleißheim - Eine fünfköpfige Delegation reist nach Kolumbien, um die Ernte der Kakaobohnen für die Stadtschokolade zu verfolgen

Sie wollten sich informieren. Über Kakaobohnen und fairen Handel. Sie reisten in ein Abenteuer. Die fünfköpfige Unterschleißheimer „Stadtschokolade“-Delegation hat viel erlebt bei ihrem Besuch im Süden Kolumbiens, nahe des Nationalparks Alto Fragua Indi Wasi.

Sehen, wie die Menschen leben und arbeiten, die Kakaobohnen ziehen und ernten, die einmal zur Unterschleißheimer „Stadtschokolade“ verarbeitet werden. Erfahren, wie die indigenen Bauern wegkommen vom illegalen Koka-Anbau, weil sie für ihre Arbeit mit den Kakaobohnen fair bezahlt werden. Das alles hatten sich die Stadträte Ernst Greb (SPD), Uli Piller (SPD) und Tammo Winzer (FDP) sowie Martin Birzl vom lokalen Agenda-Team und der Klimaschutz-Manager der Stadt Unterschleißheim, Klaus Hecht, vorgenommen für ihre Reise ins Departomento Caquetá. Das „Kakao-Schokolade-Projekt“ sollte nicht nur funktionieren, es sollte die Menschen persönlich zusammenbringen, die sich für diese Idee engagieren.

Für die Unterschleißheimer Delegation begann die Woche in Kolumbien auf dem Flughafen von Florencia, der Provinzhauptstadt von Caquetá. Von dort führte die Reise im Minibus in ein einfaches Hotel, wo die Unterschleißheimer Quartier bezogen. Sie bekämpften die Folgen der Zeitverschiebung um sieben Stunden, gewöhnten sich an das feuchte Klima der Regenzeit. Und machten sich schließlich auf ins Hinterland. Dabei entkamen sie auf einer Passstraße knapp einem Erdrutsch, erzählt Hecht ganz ruhig, als er Tage später wieder in seinem Büro im Unterschleißheimer Rathaus sitzt.

Ziel waren die beiden Dörfer Belén de los Andaquies und San José del Fragua. Zwei Ansiedlungen mit je rund 8000 Einwohnern, zweieinhalb Fahrstunden entfernt von Florencia. Den Kontakt hatte das Amazon Conservation Team (ACT) hergestellt, eine Non-Profit-Organisation aus den USA. Vertreter der Einrichtung nahmen an dem Treffen teil. Weil aber der Unterschleißheimer Klimaschutz-Manager Hecht fließend spanisch spricht, war eine direkte Unterhaltung mit den Menschen möglich, darunter mit dem Bürgermeister von Belén de los Andaquíes, Jaime Uriel Mejía Zulúaga. Der sei ein junger, dynamischer Mann, sagt Hecht. Einer, der aufgeschlossen ist Fremdem gegenüber. Der gerne über seine Kommune und ihre Menschen spricht. Der Interesse hat an der Klimapartnerschaft mit Unterschleißheim und seinen „Kakao-Schokolade-Projekt“- Partnern Hannover, Magdeburg und Oldenburg.

Es war eine spannende Erfahrung für alle Beteiligten. Wie Hecht sagt, sind die indigenen Bauern nicht nur an alternativen Anbaumöglichkeiten interessiert. Sie wollen Informationen sammeln über erneuerbare Energien und Klimaschutzkonzepte. Die Mitglieder der Unterschleißheimer Delegation wiederum freuen sich über neue Informationen zum Erhalt des Regenwaldes. „Wir müssen wissen, wie wichtig der Nationalpark für die Indigene ist“, sagt Hecht. Die Heilkräuter, die dort wachsen etwa, seien „bedeutende Ressourcen“, die erhalten bleiben müssten.

Kennengelernt haben sie zudem die einzelnen Schritte der Ernte und Verarbeitung der Bohnen, aus denen später die Unterschleißheimer Stadtschokolade entsteht. Die Bauern schlagen die Kakaofrucht mit der Machete. Die Bohnen sind im Fruchtfleisch eingebettet. Es wird für einige Zeit in Holzkisten gelegt. Nach zwei bis drei Tagen fermentiert das Fruchtfleisch. Die Bohnen lösen sich und werden anschließend zum Trocknen ausgelegt. Sind sie trocken, werden sie in Säcke aus Agavefaser verpackt. Die Säcke wiederum bekommen per Siebdruckverfahren ein Logo. Das ist wichtig, um kenntlich zu machen, dass allein die Bohnen in diesen Säcken einmal als Schokolade in Unterschleißheim gegessen werden soll. Die Säcke werden nach Cartagena gebracht, von dort verschifft nach Rotterdam, ehe sie dann den Odenwald erreichen. Dort, in der Wilhelm Eberhardt oHG, verarbeitet Juniorchef Helmut Gräber mit seinem Team die Bohnen zur Stadtschokolade.

Ilsabe Weinfurtner

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