Erst Fitnessgerät, dann Streitobjekt und jetzt ein Geschenk: das Dienstfahrrad des ehemaligen Bürgermeisters Jörg Pötke aus Taufkirchen.

Ex-Bürgermeister soll es zurückgeben

Staatsaffäre um betagtes Dienstfahrrad

Taufkirchen - Felge um Felge, Zahn um Zahn: Weil alles seine gute Ordnung haben soll, fordert die Gemeinde Taufkirchen den ehemaligen Bürgermeister Jörg Pötke auf, sein Dienstfahrrad zurückzugeben. Ist das nicht ziemlich kleinkariert?

Ein Fahrrad der Marke „Hercules City Lite“, Größe 53, weiß. Sieben Jahre alt, sechs Gänge, häufig gebraucht, Zeitwert unbekannt, eher ein Liebhabermodell als ein Wertgegenstand. Dieses Streitobjekt samt Zubehör steht in Taufkirchen zwischen dem Ex-Bürgermeister Jörg Pötke (ehemals ILT) und seinem Nachfolger Ullrich Sander (parteifrei). Beide sehen sich im Recht und drehen verbal richtig auf.

Jörg Pötke darf weiter strampeln auf dem Ex-Dienstfahrrad.

„Der Drahtzieher reitet auf dem Drahtesel“, spottet Pötke und spielt damit auf den Kämmerer an, den er „als Antreiber der Kampagne gegen mich“ bezeichnet. Wie berichtet war der ehemalige Bürgermeister Jörg Pötke wegen seiner Personalführung im November 2012 vorläufig suspendiert worden. Jetzt versuche der Leiter der Finanzen „verlorenes Terrain aufzuholen“, spekuliert Pötke. Tatsächlich hat der Kämmerer seinen Ex-Chef mit Fristsetzung 4. März unmissverständlich aufgefordert, das Fahrrad im Rathaus abzuliefern. Der geschasste Rathauschef Pötke vermutet Methode hinter der Aktion. „Die Bewegung gegen mich hat bislang 250 000 Euro Bürgergeld verschlungen“, sagt der ehemalige ILT-Politiker. Nun werde versucht, die Kosten „über einen Drahtesel im Wert von vielleicht einigen Dutzend Euro reinzustrampeln“.

Pötke selbst sieht sich als rechtmäßiger Eigentümer des Fahrrads: Jeder Bürgermeister verfüge über eine Summe, über die er allein entscheiden kann. Pötke kaufte das Fahrrad. Dadurch habe er sogar den Mercedes-B-Klasse-Dienstwagen geschont, „weil ich oft ins Rathaus geradelt bin“. Warum Bürgermeister Ullrich Sander jetzt den pfleglich gehüteten Daimler-Dienstwagen nicht mehr nutzen wolle und ihn der Bauverwaltung zur Verfügung stellt, erscheint Pötke fraglich. Fragwürdig. „Derartige Freundschaftsdienste hat es zu meiner Zeit nicht gegeben“, sagt Pötke und verknüpft den Dienstwagen mit dem Dienstfahrrad und seinem Groll auf die Bediensteten im Rathaus.

Ullrich Sander schenkt seinem Vorgänger den Drahtesel.

Der amtierende Chef der Belegschaft, Ullrich Sander, sieht die Causa Zweirad naturgemäß ganz anders. Nach seiner Suspendierung sei Pötke per Mail gebeten worden, die Sachen zurückzugeben. Keine Antwort. „Deshalb haben wir ihm einen offiziellen Brief geschickt.“ Sollte Pötke das Rad privat behalten, „gleicht das dem Fall einer Unterschlagung“, argumentiert Sander. Der Neuwert des Fahrrads liegt etwa bei 500 Euro. Pötkes Modell ist alt, gebraucht. Ist das nicht vollkommen kleinkariert, ein Bike aus zweiter Hand jetzt ganz offiziell zurückzufordern? „Ja, absolut“, stimmt Bürgermeister Sander zu. „Das ist wirklich kleinkariert.“ Dennoch wolle die Gemeinde mit der Aktion zeigen, „dass der Herr Supergenau nicht alles super genau nimmt, wenn es ihm einen eigenen Vorteil verschafft“. Ob der ganze Ärger den dürftigen Ertrag rechtfertigt, steht allerdings auf einem anderen Gesetzesblatt. Vielleicht direkt neben dem Satz: Der Klügere gibt nach.

Rathauschef Sander grübelt kurz. Er brütet über einer Idee. Und schwenkt dann am Telefon um: „Ich habe es mir überlegt. Ich schenke Jörg Pötke dieses Fahrrad.“ Der ehemalige Bürgermeister könne Rad, Fahrradtasche und Vorhängeschloss behalten, „denn im Rathaus haben wir ohnehin keine Verwendung dafür“. Er, Sander, könne sich nicht vorstellen, dass mit dem Vehikel noch jemand fahren möchte. ee

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