Stadträte wittern Spielhölle

- Garching - Eine Spielhalle in Garching, im Angesicht des Rathauses? Während die breite Mehrheit der Stadträte Zocker, Schlepper und Krawallmacher fürchtet, wähnt sich Antragsteller Otto Timmermann missverstanden. Dessen Frau Anne-Katrin betreibt das "Café am Rathaus" - gemäß Antrag die zukünftige "Spielhölle". Nachdem der Ausschuss für Bauanträge am Montag sein Veto eingelegt hatte, beschrieb der 42-Jährige gestern sein Konzept.<BR>

<P>"Infotainment", die Mischung aus Information und Unterhaltung, lautet die Parole. Auf gut 25 Quadratmeter im hinteren Bereich des über hundert Quadratmeter großen Cafes sollen acht Geldspielautomaten und vier Internetanschlüsse zur Verfügung gestellt werden. Zielgruppe ist die Masse der Studenten, deren Zahl in den kommenden Jahren zunehmen wird. "Sehen Sie sich mal um", empfahl Timmermann. "Wo, bitteschön, können Studenten in Garching abends ihre Freizeit verbringen? Da gibt es klare Defizite."<P>Zurzeit unterhält das Café einen Internetanschluss, der Timmermann zufolge stets belegt ist. "In Garching gibt es tagsüber sonst noch die Uni und die Bibliothek. Wenn die schließen, ist Feierabend." Überhaupt würde Studierenden in der Studentenstadt wenig geboten. In diese Lücke möchte Timmermann vorstoßen. Derzeit wird das Café am Rathaus mehr von überwiegend finanziell klammen Jugendlichen als von Studenten besucht. "Doch Unterstützung wie ein Jugendzentrum erhalten wir natürlich nicht." So kam den Eheleuten die Idee des "Infotainments", wovon laut Timmermann am Ende jede Seite profitiert.<P>Die Ausschussmitglieder freilich ahnten überwiegend Arges: düstere Gesellen, die den Bürgerplatz belagern. Fraktionsübergreifend herrschte die von SPD-Chef Joachim Krause zum Ausdruck gebrachte Sorge vor, dass mit einer Klientel zu rechnen sei, die dem Bürgerplatz kaum angemessen erscheine. Zudem würde hierdurch ein unliebsamer Präzedenzfall geschaffen. Erst im vergangenen November hatte der Ausschuss einen ähnlichen Antrag zurückgewiesen.<P>Die Entscheidung vom Montag könnte Konsequenzen haben, die von den Stadträten noch gar nicht ins Kalkül gezogen werden konnten. Seit dem Rückzug des bisherigen Pächters führen die Timmermanns vorübergehend die "Bürgerstuben" im Bürgerhaus. In jüngster Zeit richtete das Ehepaar im Restaurant mit großem Erfolg unter anderem Abiturfeiern aus. Das Paar signalisierte jetzt, an einer endgültigen Lösung durchaus interessiert zu sein. Vorausgesetzt, die Stadt freundet sich noch mit einer Umwidmung des "Cafe am Rathaus" an. Der Rentabilität wegen planen Timmermanns zusätzlich zum Restaurant das ganztags geöffnetes Cafe. "Das funktioniert aber nicht, wenn ich mir selbst Konkurrenz mache." Aus diesem Grund soll das "Cafe am Rathaus" das neue Konzept erhalten. Otto Timmermann kündigte an, es ein weiteres Mal mit einem Antrag zu versuchen: "Spielt die Stadt mit, dann mache ich auch die Bürgerstuben."an<P>

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