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Mit wenigen Schlägen hat Taufkirchens Bürgermeister Ullrich Sander (l.) das erste Fass Bier angestochen (Bild oben). Helmut Rösch (Mitte) und Gordian Baier vom Förderverein „Freunde des Wolfschneiderhofes“ lassen das Bier in die Krüge laufen, beim Starkbierfest in Taufkirchen.

Starkbierfest im Ritter-Hilprand-Hof Taufkirchen

Seitenhiebe in alle Richtungen

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Taufkirchen  -Seit langem ausverkauft und Publikumsmagnet ist der Starkbieranstich in Taufkirchen. 430 Besucher ließen sich im Ritter-Hilprand-Hof den Start in die Fastenzeit versüßen.

 Gstanzl, Derblecken, Showtanz und Kapelle: Kulturzentrum und die „Freunde des Wolfschneiderhofes“ sorgten für ein „griabiges“ Fest. Der Saal in weiß-blau geschmückt. Kein Platz war mehr frei an den langen Tischen. Dazu die Musik von der Blaskapelle Taufkirchen. Taktvoll die Lautstärke, fröhliches Ratschen war im Saal durchaus drin. Kulturamtschef Michael Blume schaute zufrieden in die Runde. Nach längerer Krankheit ist er wieder an Bord. Gleich zu Beginn: Der Anstich des Fasses mit dem süffigen Gebräu. „Das Starkbier ist erstmals von der Privatbrauerei Ayinger“, sagte Blume und liefert dazu die Erklärung: Mit der neuen Gastronomie im Hilprand-Hof hat auch ein Wechsel der Biermarke stattgefunden.

 Das Aus des Gerstensafts vom Tegernsee. Ein Thema von Brisanz, gerade zum Jubiläum des Reinheitsgebots. Unparteiisch kam Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) aber der ehrenvollen Pflicht nach: Er stach, mit wenigen Schlägen, das erste Fass an. Tatkräftige Unterstützung erhielt er von Helmut Rösch und Gordian Baier, beide im Vorstand der Wolfschneiderhof-Freunde. Das Bier ließen sich nicht nur die Vertreter der politischen Parteien schmecken, auch Landrat Christoph Göbel (CSU) und sein Vize feierten mit. „Otto der Große Bußjäger, der stellvertretende Landvoigt“, grüßte ihn Michael Müller, einmal mehr in der Rolle als „Ritter Blech“. Früher war Müller unter anderem Leiter des Bürgerbüros der damaligen Landrätin Johanna Rumschöttel (SPD). Nur zu gern las er als Blech heute Leviten. Grinsend beäugte er den Tisch der lokalen SPD. „Die letzten roten Socken Taufkirchens“, adressierte er frech. Die Repräsentations-Sozis müssten aufpassen, dass sie nicht als Ausstellungsstücke im Heimatmuseum landeten. „Wenn die drei Halbe trinken, haben die in einem Zug mehr Prozentpunkte als bei der letzten Wahl.“ Seitenhiebe auch für das neue Taufkirchner Logo, das „das alte Wappen mit dem suizidbereiten Löwen“ teils ersetzt. „Bunt, fetzig und voll im Mainstream“, unkte der Ritter. „Dass es eine Internetseite braucht, um dessen Bedeutung zu erklären, ist eines sicher nicht: logo!“. Modernes ist wohl nicht so seins. Der Ritter moderierte sich durchs vergangene Jahr, fand bei so ziemlich jeder Partei einen Fleck. „Mild und würzig“ will er an diesem Abend sein: „Prost, Starkbiergemeinde!“

Und es gab noch ein Haar in der lokalen Suppe, das glaubte auch Angelika Steidle, Ex-Vize-Bürgermeisterin, gefunden zu haben. Sie war später als Putzfrau auf der Bühne. Es ging um die neue „Eventlokation“ im Hause. Seit September nämlich leiten die Brüder Ferdinand und Sebastian das „Wirtshaus Zinner‘s“ im Hilprand-Hof. Der Vertrag mit Vorgänger Luis Bojani war Mitte 2015 ausgelaufen. Die jungen, ambitionierten Gastronomen hatten 28 Mitbewerber auf die Plätze verwiesen. Die Wirtschaft passe, lobte Kulturchef Michael Blume hingegen, wunderbar ins neue Konzept. Der Hof soll sich zunehmend auch als Tagungsort bewähren. „Beim Blick nach oben sieht man nur noch Schwarz“, „Ritter Blech“ ließ einfach nicht locker. Ihm passt die Deckenfarbe der Wirtschaft nicht. 

"Ritter Blech", alias Michael Müller, hält sich mit Pointen über Taufkirchen nicht zurück.

Die Putzfrau versucht sich später an gleicher Kerbe, wie in einer Aussegnungshalle schaue es dort aus. Hier zu schwarz, dort zu weiß. Mit einem Seitenhieb auf Sanders Lächeln: „Ullis Werbevertrag mit Blendax wird in die Geschichte Taufkirchens eingehen“. Offensichtlich habe er einen guten Zahnarzt. Den Zeigefinger hatte sie gern erhoben, rümpfte die Nase über dies und das. „Heute kann man ja froh sein, wenn Kinder Hallo sagen statt Grüß Gott.“ Gerade das ältere Publikum pflichtete da nickend bei. 

Als Glücksgriff und frischer Wind im Saal erwies sich Josef „Bäff“ Piendl. Der Humorist und Gstanzlsänger aus der Oberpfalz strotzte vor guter Laune und nahm das Publikum mit. Er parlierte, erzählte Witze mit originellen Pointen, vermied Zoten. Bei seinem Lied „Nimmst as z‘ruck“ singen viele Gäste gleich mit. Zuvor hatte die Showtanz-Formation „Dance United“ aus Taufkirchen/Vils mit beeindruckenden Hebefiguren begeistert. Damit heimsten die jungen Tänzer bereits verschiedene Titel ein, zuletzt den dritten Platz bei der Bayerischen Meisterschaft im Schautanz. „Prost Starkbiergemeinde, dann bis zum nächsten Jahr“, sagte Helmut Rösch, Vorstand des Fördervereins und launiger Moderator eines vergnüglichen Abends.

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