Sternstunden in der Atacama-Wüste

Garching - Gestern schon knallten bei der Garchinger ESO (Europäische Südsternwarte) frühzeitig die Silvester-Sektkorken. Denn bald werden die Sternengucker uns aus den Tiefen des Universums noch mehr über Vergangenheit und auch die Zukunft unseres Universums berichten können.

Auf dem Weg zum „Extremly large telescope“, dem weltgrößten Teleskop aller Zeiten, ist man seit Donnerstag einen entscheidenden Schritt weiter. Da unterzeichnete die Föderative Republik Brasilien den Mitgliedsvertrag zur ESO. Brasilien wird das 15. Mitgliedsland der ESO sein und vor allem das erste außerhalb Europas.

Die ESO plant ein gigantisches Teleskop mit 42 Meter Durchmesser, ein Jahrhundertprojekt für eine Milliarde Euro, und die brasilianischen Astrophysiker sollen daran mitarbeiten.

Um diesen Quantensprung für die Wissenschaftler der ESO zu verstehen, muss man wissen, dass derzeit der größte Teleskopspiegel zehn Meter Durchmesser hat. Mit dem geplanten „extremly large telescope“ hoffen die Astrophysiker in ferne Sonnen- und Planetensystem vorzudringen, die ihnen bisher verschlossen blieben.

Das ELT wird „das größte Auge am Himmel“ sein, das es je gegeben hat. Der Teleskop-Bau, der 2011 nun erstmals in die Realisierungsphase gehen wird, soll bis 2018 umgesetzt sein.

Für die Wissenschaftler der 1963 gegründeten ESO ist es natürlich das Schönste, die Silvesternacht bei der Arbeit zu verbringen. Michael Sterzik lebt seit zwölf Jahren mit seiner Familie in Chile. Er ist stellvertretender Leiter der ESO-Sternwarten La Silla und Paranal. Seine Chile-Verbundenheit begann, als er als Astrophysiker am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching arbeitete.

Heute ist seine Aufgabe, das „Very large telescope“ für den wissenschaftlichen Betrieb so aufzustellen, dass es reibungslos funktioniert. Die Teleskope sind jede Nacht in Betrieb. Es gibt weder Wochenenden noch Feiertage. Manchmal reisen Wissenschaftler für eine Nacht aus dem Ausland an, da darf es keine technischen Pannen geben.

Okay, Sterzik wird schon mit der Familie im chilenischen Santiago auf das neue Jahr anstoßen. Aber an den Monitoren hoch droben in den Anden auf dem 2600 Meter hohen Cerro Paranal in der Atacama-Wüste blicken die Wissenschaftler unbeeindruckt vom Silvesterfest derzeit mit dem Superteleskop „VLT“ in den sternenklaren Himmel bis ans Ende der Welt, um dem Ursprung des Universums näher zu kommen.

Die vier Spiegel des Teleskops wiegen 22 Tonnen und haben jeweils einen Durchmesser von 8,2 Metern. Damit kann man immerhin einen zwei Meter großen Gegenstand auf dem Mond erkennen. Was erst wird man sehen, wenn der ELT mit seinen 42 Meter Durchmessern steht?

Der Jahreswechsel bringt für die Astronomen auf jeden Fall sehr erfreuliche Zukunftsaussichten. Und 2011 wird auch entschieden, wo das ELT stehen darf. Chile, Argentinien, Spanien und auch Marokko sind unter anderm als Standorte im Gespräch.

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