Steuerhinterziehung: Schlagerstar Lindner streitet alle Vorwürfe ab

- 420 000 Euro für Möbel und Bettwäsche von Steuer abgesetzt

VON WIBKE BALTES München/Grünwald - Nicht im Traum hätte Patrick Lindner gedacht, jemals in aller Öffentlichkeit solche Fragen beantworten zu müssen. Vom Möbelkauf bis zur Zahnbürste will Staatsanwältin Renate Baßler im Prozess vor dem Amtsgericht München alles ganz genau wissen. Sie wirft dem Schlagersänger vor, zwischen 1993 und 1996 rund 160 000 Euro Steuern hinterzogen zu haben (wir berichteten). "Es ist traurig, dass man gezwungen wird, so viel Privates preiszugeben", sagte der 43-jährige Lindner, der nach wie vor alle Vorwürfe abstreitet, am Rande des Prozesses.

Er soll Kosten aus der Vermietung seiner Grünwalder Luxusvilla an seinen Manager Michael Link (36) steuerlich geltend gemacht haben - obwohl er, so die Anklage, eigentlich dort bereits mit Link als Paar zusammen wohnte. Immerhin rund 420 000 Euro setzte Lindner in seiner Steuererklärung ab - für Ausgaben wie teure Möbel, Bettwäsche und einen Springbrunnen. "Das war so toll eingerichtet, da bin ich nicht davon ausgegangen, dass das nur zur Vermietung vorgesehen war", sagte eine Betriebsprüferin als Zeugin.

Aus Baßlers Sicht sprechen eine Reihe von Indizien dafür, dass Lindner nicht erst 1996, sondern bereits 1993 nach Grünwald zog. Einmal die Strom- und Telefonrechnungen für Lindners Dachauer Wohnung, die damals angeblich noch sein Zuhause war. Insbesondere 1995 waren die Kosten verschwindend gering.

Zudem stützt sich die Staatsanwältin auf Presseberichte und den Vorspann zu Michael Links Buch "Ein Lebenstraum wird wahr" über die Adoption von Söhnchen Daniel. Stets ist die Rede davon, dass Link und Lindner schon seit 1992 - dem Jahr ihres Kennenlernens - ein Paar waren.

Heute bestreiten beide diese Version. "Es war damals eine rein freundschaftliche Beziehung", beteuerte Lindner vor Gericht. Erst mit der Zeit sei mehr daraus geworden, 1996 sei er dann zu Link nach Grünwald gezogen. Vorher sei er nur dort gewesen, wenn er im Büro zu tun hatte. Diese neue Version wird von Links Ex-Freund gestützt.

Der 40-jährige Flugbegleiter aus München bestätigt, bis 1996 selbst mit Link liiert gewesen zu sein, auch häufig bei diesem übernachtet zu Staatsanwältin bezweifelt Aussage haben. "Ich habe erhebliche Zweifel an Ihrer Aussage", erklärte Staatsanwältin Baßler dem Zeugen sichtlich ungehalten.

Unterdessen verließ Lindners Mutter unter Tränen den Gerichtssaal. "Es ist so schlimm", schluchzte sie, bevor Link sie von den lauernden Fernsehkameras wegzog. Der Prozess soll am 9. Dezember fortgesetzt werden. Aufgrund der Widersprüche will die Staatsanwältin nun noch zwei weitere Zeugen aus Links Bekanntenkreis hören.

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