Kraut-Philosoph Christoph „Stofferl“ Well und das „Bäsle-Quartett“ musilesen in der Buchhandlung Isartal. foto: sh

"Stofferl" Well liest Briefe ans "Bäsle-Häsle"

Ebenhausen - „ Ma très chère Cousine, bevor ich Ihnen schreibe, muss ich aufs Häusl gehen…“ Also wirklich, was für eine Einleitung. Das traut man Mozart doch gar nicht zu. Nicht ihm. Und doch sind es gerade die sogenannten Bäsle-Briefe, die ein völlig anderes Bild des Komponisten wiederspiegeln. Und wer anders als Christoph „Stofferl“ Well, bekannt durch die Biermösl-Blosn, könnte diese frech-derben, gereimten, wortspielenden Briefe besser vorlesen? Der Kabarettist war zusammen mit dem „Bäsle-Quartett“ zu Gast in der Buchhandlung Isartal.

Gerichtet sind die Briefe an Maria Anna Thekla Mozart, wohnhaft in Augsburg. „Das Bäsle“, sagt Well, „das war die Tochter vom Mozart seim Vater sein Bruder.“ Aha. Man weiß: Mozart und seine Cousine verbrachten Teile ihrer Kindheit zusammen, trafen im Alter von 18 und 21 Jahren wieder zusammen - und verliebten sich. Doch kurz darauf ging der junge Mozart auf Reisen. Well: „ Ich hab’ mal ausgerechnet, dass der ein Viertel seines Lebens in der Kutsche verbracht hat. Ich frag’ mich immer, wann er komponiert hat.“ Dennoch hielt Mozart zwischen Oktober 1777 und Februar 1778 mit seinem „Bäsle-Häsle“ Briefkontakt. Neun dieser Schriftstücke, ausschließlich die von Mozart verfassten, sind erhalten geblieben. „Vom Bäsle dagegen kein einziger“, bedauert Well und liefert auch gleich eine Theorie dazu ab: „Wahrscheinlich sind sie der familieninternen Zensur von Constanze Mozart zum Opfer gefallen.“

Doch die überlieferten Briefe haben es in sich - zum Vergnügen der rund 110 Zuhörer. Well liest in spöttischem Ton, mit verstellter Stimme, nachdenklich, fordernd, humorvoll. Unterstützt wird er vom hervorragenden „Bäsle-Quartett“ mit den Musikern Andrea Ikker (Querflöte), Yves Savary (Violoncello) und Ulrike Collins (Violine) von der Bayerischen Staatsoper und Wolfgang Berg (Viola) von den Münchner Philharmonikern.

Vor seiner Lesung warnte der Kabarettist seine Zuhörer vor dem deftigen Ton in den Briefen: „Die damalige Ernährung war überwiegend Kraut. Das erklärt die Aufmerksamkeit, die dem Verdauungstrakt gewidmet worden ist.“ Eine Tatsache, die auch viele Analytiker auf den Plan gerufen hat. „Auch Sigmund Freud hat da was reinphilosophiert. Aber auf das Kraut ist er nicht gekommen.

von Sabine Hermsdorf

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