Mit stoischer Ruhe gegen Mikro-Elektronik

- Schreiner rückt die Welt wieder ins Lot

Unterhaching - Den Bleistift gespitzt, die Zwille im Anschlag: Ein Hauch vergangener Tage weht immer mit, wenn Klaus Peter Schreiner seine pfeilspitzen Wortkaskaden zielsicher in die Menge schießt. Seit 1955 im kabarettistischen Geschäft, obliegt es dem Meister alter Schule vielleicht so gut wie keinem anderen, das Schwanken und Wanken der bundesrepublikanischen Geschichte nochmals Revue passieren zu lassen. Die politischen Glasscherben, die er jetzt im Kubiz streute, waren zwar teilweise bereits so zertreten, dass sie nur noch ein leises Knirschen von sich gaben. Doch darüber ließ sich leicht hinwegsehen, steht doch bei Schreiners Auftritten der genüssliche Sprachwitz im Vordergrund, der so pointiert und hintersinnig immer seltener anzutreffen ist.

"Einmal Deutschland und zurück" - quer durch die Jahrzehnte schlug sich Schreiner eine Bresche. Hier mokierte er sich im fiktiven Zwiegespräch über die Wiedervereinigung, dort hieb er mit satirischem Zungenschlag das Land erneut entzwei und ließ "den Russen" wieder vor den Türen aufmarschieren. Ein gesundheitspolitischer Exkurs aus dem Jahr 1976 schlug die Brücke zurück ins Jetzt. Denn hochaktuell und doch nur ein spöttischer Traum ist die Second Hand Apotheke mit gekoppelter Kassenbeitragssenkung auch heute noch.

Der mit Abstand aufwändigsten Generalüberholung bedarf laut Schreiner jedoch die so genannte Informationsgesellschaft. Frei nach dem Motto "Was nützt uns die schönste künstliche Intelligenz, so lange wir keine natürliche haben" drosch der Zyniker auf alles ein, was auch nur im entferntesten an Mikro-Elektronik erinnerte. Bewehrt mit einem verbalen Vorschlaghammer immenser Schlagkraft zerfielen sms und pdf, e-mail, Fax und CD-ROM in mikrofeine Staubpartikel.

Seiner stoischen Ruhe ging der 73-Jährige allerdings auch in der größten Aufregung nicht verlustig. Mit ironischen Versen und neu interpretierten Märchen brachte der von Berufs wegen Verzweifelte die aus den Fugen geratene Welt für kurze Zeit wieder ins Lot. Am Ende eines tiefsinnigen Abends lieferte Schreiner Betrachtungen zur "humanitären Altersentsorgung". Auch hier offenbarten sich, wenn auch ungewollt, Doppeldeutigkeiten, war doch die Sendung "Scheibenwischer", für die Schreiner jahrelang als Autor wirkte, kürzlich zum televisionären Abfallprodukt deklariert worden. Bleibt zu hoffen, dass Schreiner noch lange als "Aktiv-Rentner" und "Happy-Ender" die Bühnen unsicher macht.

Bettina Dunkel

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