Bei Stollen und Kaffee verdampfen die Vorurteile

- Haar (erl) - "Das ist ein guter Einsatz, um Hemmschwellen abzubauen", sagt Gerlinde Stießberger. Jahr für Jahr freut sich die Haarer Hauswirtschaftslehrerin über den Moment, in dem 14 ihrer Hauptschüler rund 300 Senioren mit Glühwein, Tee und Stollen bewirten. Die Lehrerin verknüpft bereits seit sechs Jahren die Projektarbeit der 9. und 10. Klassen mit der Seniorenadventsfeier im Haarer Bürgersaal.<BR>

Ab morgens um zehn Uhr decken die Schüler die Tische nach den Wünschen der Senioren ein. Ab 14 Uhr sind dann alle für den Service da: Es werden Getränke ausgeschenkt, Stollen ausgegeben und die Garderobe verwaltet. Sobald das Programm vorbei ist, machen sich die Schüler ans Aufräumen und Spülen. <P>"Ich hatte vor sieben Jahren beobachtet, wie mühsam es für die Senioren ist, die Tische einzudecken und anschließend das Geschirr zu spülen", erinnert sich Gerlinde Stießberger. Da kam ihr die Idee, man könnte doch mit dieser Veranstaltung zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Den älteren Mitbürgern wäre geholfen, und die Jugendlichen leisten ihren Projekttag. Doch dieser Gedanke hatte noch ganz andere Effekte: Die beiden sich sonst eher fremden Altersgruppen näherten sich an. "Das soziale Denken bei den Jugendlichen wird gefördert", freut sich die Lehrerin. Man könne viel über das Leben älterer Menschen erzählen - der direkte Kontakt habe eine ganz andere Wirkung. "Auch wenn ihnen am Abend die Beine wehgetan haben, so waren doch alle sehr begeistert und haben gemerkt, wie sehr ihre Arbeit gebraucht wird." Aber es gibt auch noch die andere Seite: Gerlinde Stießberger wurde schon öfter sehr positiv von den Senioren auf die Jugendlichen angesprochen - denn auch hier bauen sich Vorurteile ab. "Manche erzählen, dass sie genau vor diesen Jugendlichen immer etwas Angst gehabt hätten - und jetzt seien sie so positiv überrascht", berichtet Stießberger. <P>Und es gab vor einigen Jahren sogar noch ein ganz besonderes Ereignis: Eine Schülerin hatte bei der Seniorenadventsfeier zufällig ihre Oma wieder getroffen, zu der sie bereits viele Jahre keinen Kontakt mehr hatte. Familienzusammenführung ist also auch noch inklusive. <P></P>

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