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Eines der Plakate in der Gewerbestraße.

Nacht- und Nebelaktion

Rätsel um diese Plakate: Wer hat sie aufgehängt?

Straßlach-Dingharting - Nach Weihnachten hingen sie plötzlich an den Laternen: Handgeschriebene Plakate, die die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin anprangern. Wer war das?

Tagsüber hat Albert Geiger, 59, die Feiertage genutzt und mit Filzstift an seinen Botschaften geschrieben. Im Schatten der Nacht brachte der Zahnarzt Dr. Albert Geiger die Plakate an den Laternenmasten in der Gewerbestraße in Straßlach an, in der Nähe der Supermärkte. Ohne offizielle Genehmigung, im Alleingang, und aus tiefster Überzeugung. 

Geigers politischen Aussagen gegen die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin sind unmissverständlich: „Merkel. Rücktritt!!“ oder „Merkel – Rot – Grün – CDU. Sie zerstören die EU“. Die Rückseite der Eigenbau-Transparente bilden offizielle Plakate der Bayernpartei – das ließ später bei der Suche nach dem Verfasser erste Rückschlüsse zu. 

„Die Bayernpartei“, sagt Geiger, „ist konservativ“. Er selbst sei das auch, aber keinesfalls „rechtsradikal“. Seine Plakate enthielten weder „Beleidigungen noch braune Parolen“. Es müsse aber erlaubt sein, die Flüchtlingswelle zu kritisieren, ohne gleich in der rechten Ecke zu landen. Papier und Befestigungsmaterial hat sich der Straßlacher in der Parteizentrale in München abgeholt. „Dort habe ich auch meine Texte vorgelegt“, sagt Geiger. Aus der Zentrale seien keine Klagen oder Bedenken gekommen. 

Im Ortsverband Straßlach-Dingharting, wusste Ortsvorsitzender Franz Beierbeck allerdings nichts von Geigers Nacht-und-Nebel-Aktion. Trotzdem solidarisiert sich Beierbeck dessen Kernaussagen: „Die Vorfälle von Köln haben doch gezeigt: Man sollte sich wehren und nicht nur zuschauen und alles vertuschen.“ 

Bürgermeister Hans Sienerth (parteifrei) lehnt es ab, sich als Kommunalpolitiker „über die großpolitische Wetterlage“ auszulassen. Natürlich seien die Plakate „Stimmungsmache“, aber er halte sich lieber mit Statements zurück. Dass ihn die Bayernpartei als Unterstützer ins Bürgermeisteramt gehoben haben, sei nebensächlich: Er sei eine „One-Man-Show“ im Amt, vollkommen parteifrei. Als Politiker äußerst sich Sienerth nicht, wohl aber als Chef der Verwaltung, und der sagt: „Die Plakataktion ist nicht offiziell angekündigt worden.“ Deshalb dürften die Transparente auch nicht hängen bleiben. Die Verwaltung habe nach dem Verursacher geforscht, ihn schließlich gefunden und ihn aufgefordert, „die Schilder zu beseitigen“. 

Schon vor Jahren hatte es im Rathaus Rummel um Plakate gegeben – genauer um Transparente von Erotik-Messen in München, die eine Straßlacherin nicht in ihrem Gemeindegebiet sehen wollte. Damals hatte der Gemeinderat über eine sogenannte Plakatierungsverordnung diskutiert. Sie wurde abgelehnt. „Seither haben wir die Spruchpraxis, dass man das Aufhängen von Plakaten im öffentlichen Straßenraum anmelden muss“, erklärt Bürgermeister Sienerth. Das gilt auch für Albert Geiger, der versprochen hat, seine Plakate jetzt wieder abzunehmen. 

Landrat Christoph Göbel hat als Kreischef keine Handhabe gegen die Plakataktion. Plakate sind Sache der Gemeinde, nicht des Kreises. Die Aktion bezeichnet er als „Krampf“ und ergänzt: „Ich bin sicher, dass die Isartaler intelligent genug sind, um das schlecht zu finden.“ Initiator Geiger hat übrigens aus der Bevölkerung keine Resonanz auf seine Plakate erhalten.

Elke Summer

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