Knappe Entscheidung

Eine Amtskette für Sienerth

Mit acht zu sieben Stimmen votiert der Gemeinderat für die 10000 Euro teure Anschaffung

Andernorts mögen die Gemeinderäte in durchgestylten Sitzungssälen tagen. Mit modernen Mikrophonanlagen hantieren. In Straßlach-Dingharting ist das alles anders. Dort treffen sich die Kommunalpolitiker im Vier-Wochen-Rhythmus in einem Raum, der an Schlichtheit kaum zu überbieten ist. In diesem Ambiente wurde auf Antrag der CSU ein doch eher spektakulärer Beschluss gefasst: Die Verwaltung wird für ihren Bürgermeister eine Amtskette anschaffen. Und zugleich auch ein Goldenes Buch, in dem sich berühmte Besucher, so sie sich einfinden in der kleinsten Gemeinde des Landkreises, dann verewigen können. 

Freilich, leicht gemacht hat sich das Gremium die Entscheidung nicht – mit acht zu sieben Stimmen fiel sie sogar denkbar knapp aus. Einige Gemeinderäte betrachteten es schlicht als Verschwendung, 10 000 Euro auszugeben für ein Statussymbol, das dann „362 Tage in Schrank liegt“. „Wir sind keine Persönlichkeitsgemeinde“, meinte Peter Schneider, UWV, der als Zweiter Bürgermeister die Kette unter Umständen ja vielleicht sogar mal tragen dürfte. Zum Beispiel, wenn Hans Sienerth einen runden Geburtstag hat und er ihm die Laudatio hält. Aber Schneider wickelt sich lieber, wenigstens im Winter, einen Schal um den Hals. Und sagte zur Amtskette: „Ich halte nichts davon.“

Ähnlich argumentierte Lotte Gießler (BB), die fand: „Ein guter Bürgermeister wirkt durch sein Auftreten.“ Soeben hätten Straßlacher Bürger 14 000 Euro gespendet für Kinder und für Flüchtlinge – und einen Betrag von fast gleicher Höhe solle man jetzt quasi für ein Luxusgut ausgeben? Da sei sie nicht dabei. Eine Argumentation, die wiederum Albert Geiger, BP, zu dem interessanten Vorschlag inspirierte, die Amtskette ebenfalls mit Spendengeldern zu finanzieren: „Dann wird sie von den Bürgern auch mehr geschätzt.“ Darüber hinaus: „Die Kronjuwelen in England zählen dort zu den Finanzrücklagen.“ Was heißt: So ein Schmuckstück kann man auch als Geldanlage verstehen. 

Letztlich setzten sich die Befürworter des „kommunalen Symbols“ durch. Allen voran der Bürgermeister selbst, der betonte, die Kette werde nicht für ihn persönlich, sondern für den Amtsträger an sich angeschafft. Schließlich spaziere er an Feiertagen doch auch hinter den Fahnen der Vereine her. Dann könne  er auch eine Amtskette tragen. Seit 2008, meinte Hans Sienerth (parteifrei), arbeite er daran, wegzukommen vom Bild des „Sonderlings“, als der die kleinteilige Gemeinde am Isarhochufer lang gegolten hat. Das Nichtvorhandensein einer Amtskette: Eins der letzten Relikte aus Zeiten, in denen Straßlach gern gegen den Strom geschwommen ist. Ansonsten beteuerte er: „Ich habe mit oder ohne Amtskette gleich viel Selbstbewusstsein.“ 

CSU-Gemeinderat Herbert Mack, der mit seinem Antrag die ganze Diskussion ausgelöst hatte, meinte: „Es ist selbstverständlich, dass unser Bürgermeister gleichgestellt wird mit den anderen im Landkreis.“ Die Amtskette sei quasi eine Anschaffung fürs Leben, „die Investition schreibt sich ab im Lauf der Jahre“. Schließlich fand auch Gertraud Schad (UWV): „Eine Amtskette – das ist einfach Stil. Da steht man stolz dahinter.“ 

Schließlich wurde in der Sitzung die Anschaffung der Amtskette zwar beschlossen, unter anderem gegen die Stimmen der Grünen. Aber gekauft ist sie damit noch lange nicht. Erst mal soll die Verwaltung ein paar Vorschläge machen, wie sowas überhaupt aussehen kann. In weiser Voraussicht hatte Sienerth aus dem Beschlussvorschlag den Satz streichen lassen, demzufolge die Mittel für den neuen Schmuck noch heuer eingestellt werden in den Haushalt. Überstürzen muss man das Ganze, so der Tenor, jetzt auch wieder nicht. Andrea Kästle

 

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