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Ein Glas Sekt auf die Idylle sieben Kilometer südlich der Stadt: (v.l.) Wolfgang Schad, Herbert Mack, CSU-Gemeinderat, Bürgermeister Hans Sienerth, Gabriele Mack und die Gemeinderätinnen Gertraud Schad (UWV) und Lotte Gießler (BB).

Neujahrsempfang

Idylle mit kleinen Rissen

Straßlach-Dingharting - Flüchtlingskrise ist auch Thema beim Neujahrsempfang in Straßlach-Dingharting

Ein Gemeinwesen, sagt der Straßlacher Bürgermeister Hans Sienerth (parteifrei) gern, fußt auf vier Säulen - der Kirche, der Politik, den Vereinen und der Wirtschaft. Vertreter dieser vier Säulen werden von ihm als „Geste des Dankes“ nicht nur alle Jahre wieder eingeladen zum Neujahrsempfang, sondern es wird auch gleich der ganze Umtrunk wechselweise bei einem von ihnen ausgerichtet. Heuer wurde diese Ehre einem Gewerbetreibenden zuteil, und so fanden sich letzte Woche rund 100 geladene Gäste im feinen Zwirn ein im Autohaus Zweckinger. Wo sie dann unter Watte-Schneeflocken, die von der Decke baumelten, und zwischen Information und Kundenberatung munter anstießen auf ein „erquickliches Miteinander und ein erfolgreiches Jahr 2016“.

Dabei ist der offizielle Teil keine große Sache gewesen – und war entsprechend schnell vorbei. Dass er vor zehn Jahren mit dem Familienbetrieb von Grünwald hierhergekommen sei, ins soeben ausgewiesene Gewerbegebiet am südlichen Ortsrand: Daran erinnerte kurz Florian Zweckinger, Hausherr und Juniorchef, der zusätzlich für die CSU im Straßlacher Gemeinderat sitzt und also zwei der vier Gemeinde-Säulen repräsentiert. „Anfangs waren wir hier ganz allein“, nur Wiesen umgaben den Autosalon. Was sich dann bekanntlich schnell änderte, inzwischen ist Nachbarschaft reichlich vorhanden. Auch ein Bus fährt die Gewerbestraße an, und das Ortsschild wurde 2015 so versetzt, dass sich jetzt auch die Anrainer dort mit Fug und Recht als richtige Straßlacher fühlen dürfen. Resumée Zweckinger: „Wir haben alles richtig gemacht.“ Das hörte man natürlich gern. 

Anschließend ließ es sich Hans Sienerth nicht nehmen, die Besucher des Januar-Umtrunks alle namentlich zu begrüßen. Ausgerüstet mit einer langen, bunt ausgedruckten Liste machte er sich gut gelaunt ans Werk, wohl wissend, dass man dabei auf die Nase fallen kann: „Letztes Jahr habe ich die Armbrustschützen vergessen, die sind heuer schon gar nicht mehr da.“ Ansonsten fasste er sehr bündig zusammen, die Gemeinde befände sich „in einer guten Position“. Was man unter anderem wieder mal gemerkt habe, als bei der jüngsten Gemeinderatssitzung länger über die Anschaffung einer Amtskette diskutiert worden sei als über den Haushalt. Dann ging Sienerth noch kurz ein aufs Thema der Themen momentan – die Flüchtlingskrise: Ein Problem, „das wir eigentlich nur aus dem Fernsehen kannten“ und das jetzt doch auch die kleinste Kommune im Landkreis erreicht hat. 84 Asylsuchende muss Straßlach-Dingharting bis Ende des Jahres aufgenommen haben. „Das ist nur zu stemmen, wenn wir alle unseren Beitrag leisten.“ Und ehe Sienerth dann das Buffet eröffnete, das auch dieses Jahr vom Seidl Sepp geliefert wurde, zeigte der Rathauschef den noch einen Film, den die Verwaltung unlängst erstellen hat lassen – um ihre Webseite ein bisschen aufzuhübschen. Dessen Inhalt: „Wie gut wir es hier haben, wie schön es hier ist“. Zu sehen war dann vor allem viel Grün, viel Isar, irgendwann dazwischen fielen die netten Sätze: „In Straßlach wohnt der Biobauer neben dem Banker und der Metzger neben dem Millionär. Manchmal ist aber auch der Metzger der Millionär“ – eine Anspielung auf Wiesnwirt Anton Roiderer, der vielleicht der größte Säulen-Heilige von allen ist. Der aber beim Neujahrsempfang fehlte.

Andrea Kästle

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