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Die Amerikanerin Terri Lloyd (oben) ist tief in die Historie von Straßlach-Dingharting eingestiegen. Ihre keramische Installation ist feierlich im Bürgerhaus Straßlach enthüllt worden

Kunst am Bau 

Mosaik der Ortsgeschichte

Straßlach-Dingharting - Im Bürgerhaus ist eine keramische Installation enthüllt worden, geschaffen von der ortsansässigen amerikanischen Künstlerin Terri Lloyd.

Vor eineinhalb Jahren hat die kleinste Gemeinde im Landkreis ihr Bürgerhaus eingeweiht. Jetzt haben die Straßlacher zu dem Gebäude auch noch die Kunst am Bau bekommen. Nun wurde im Foyer die  keramische Installation enthüllt.

Das Kunstwerk: ein Riesenmosaik, zwei mal drei Meter groß, bestehend aus 112 Fliesen, die in einer speziellen Technik mit alten Ortsansichten und kurzen Texten bedruckt worden sind. Das Ganze bedeute für die kleine Isartalgemeinde nicht nur einen „kulturellen Mehrwert“, sondern auch einen „gegen das Vergessen und für die Tradition“, meinte Bürgermeister Hans Sienerth (parteifrei) gutgelaunt bei der kleinen Feier, die später bei Getränken und Häppchen ausklang. Rund 50 Besucher standen mit ihm zwischen der noch verhüllten, fast wandfüllenden Collage und dem weiß-blau eingepackten Rednerpult.

Die Arbeit, meinte der Rathauschef, solle die Straßlacher und Straßlach-Besucher daran erinnern, „wo wir herkommen“, noch immer sei die Gemeinde „ländlich geprägt“. Zu entdecken seien in der Collage einige Gebäude, die schon längst nicht mehr stehen, ebenfalls eine Aufnahme des Burschenvereins von 1916, Bilder der Kirchen am Ort, Gaststättenszenen. Alte Klassenfotos finden sich auf den Kacheln, Maibaumaufstellungen. Am Rand der Arbeit rundherum laufen die Namen aller zehn Ortsteile.

Vorlagen für die Motive haben die Bürger beigesteuert, die in den vergangenen ein, zwei Jahren intensiv ihre Fotoalben durchforstet haben. „Du hast etwas ganz besonderes geschaffen, Terri“, wandte sich Sienerth an die sichtlich gerührte Künstlerin und überreichte ihr einen Gutschein für ein Abendessen für zwei Personen im Gasthaus Deininger Weiher. Weil sie jetzt ja wieder Zeit habe für ihren Mann.

Dass sie so glücklich sei wie nur irgend möglich – das hatte die sympathische Amerikanerin schon vor dem offiziellen Teil des Abends bekundet. Jetzt meinte sie, sie habe während der zehn Monate langen Arbeit an ihrer Collage viel über ihre Wahlheimat gelernt. In Straßlach fühle sie sich über die Maßen wohl – was einiges heißt: Ehe sie vor acht Jahren nach Hailafing gezogen sind, haben Terri Lloyd und ihre Familie auch in Schweden gelebt – in einem Haus mit Blick auf die Schären. Jede Fliese, berichtete Terri Lloyd noch, habe sie 15 Arbeitsgängen unterziehen müssen, das ganze Werk wiege 300 Kilo – und sei gar nicht so leicht an der Wand zu befestigen gewesen. Dann: ein Schnaps mit dem Bürgermeister. Zur Erinnerung daran, dass bei einer Schnapsverkostung auf dem Adventsmarkt überhaupt erst die Idee für das Kunstwerk entstanden ist. Dessen feierliche Enthüllung. Klatschen. Und schließlich: allgemeines Rätselraten. Dieses Holzhaus hier: Könnte das das ehemalige Hirtenhäusl sein? Die Biergartenszene vor dem Killer: Von welcher Seite die wohl aufgenommen wurde? Kenner identifizierten die Ansicht von geschmückten Bussen als die Einweihung der Buslinie von Tölz nach München 1928. Erkannten das alte Sägewerk von Straßlach, das ehemalige Schulhaus von Dingharting, die spätere Killer-Villa, und den Pfarrhof dort – vor der Renovierung. „Ein wunderschönes Werk“, meinte nicht nur Gemeinderat Albert Geiger (Bayernpartei). Andrea Kästle

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