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Viel aus alten Zeiten zu erzählen haben (v.l.) Albert Geiger, Peter Zistl und Rolf-Dieter Preller. Preller hat auch die Festschrift für das Jubiläum verfasst. 

1200 Jahre Straßlach - 850 Jahre Dingharting

Als Straßlachs Kinder noch Handgranaten sammelten

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Als sie Kinder waren, stand der Pflegerhof noch in Sichtweite vom Weiher. In der Kiesgrube von Dingharting sammelten sie Handgranaten. Alteingesessene erinnern sich. 

Straßlach-Dingharting – Als sie Kinder waren, stand der Pflegerhof noch in Sichtweite vom Weiher. Überhaupt, der Straßlacher Weiher war damals dreimal so groß wie heute. Sie waren im Sommer ausschließlich barfuß unterwegs. Sammelten in der frühen Nachkriegszeit Handgranaten und Stabbrandbomben, die man in der Kiesgrube von Dingharting noch finden konnte. Und gingen später im Winter auf dem Dürrnberg in der Frundsbergsiedlung oder auf dem Hibschbergerl zum Schlittenfahren. Erinnerungen von drei Straßlach-Dinghartingern anlässlich des anstehenden Doppeljubiläums in der Gemeinde.

Der alte Pflegerhof, links neben dem Seeschusterhof – der heute noch am Weiher steht. Der Pflegerhof wurde in den 80er Jahren abgerissen.

Dabei ist Albert Geiger, Jahrgang 1956 und Gemeinderat der Bayernpartei, nicht im Ort geboren – er kommt aus München, ist aber mit den Eltern schon als kleiner Bub regelmäßig in Hailafing gewesen. Dort hatte der Vater Ende der 30er Jahre ein Grundstück gekauft – und mit einer kleinen Sommerlaube, gedacht als Wochenend-Refugium, bepflanzt. 500 Reichsmark habe das 1700 Quadratmeter große Grundstück damals gekostet, weiß sein Sohn. Im Garten zogen die Eltern ihr eigenes Gemüse – was in Kriegszeiten ein Segen war. Geiger sagt: „So lang ich mich erinnern kann, waren wir am Wochenende hier draußen. Für mich war das ein toller Spielplatz, die Hälfte unseres Anwesens war Wald.“ In dem fanden sich reichlich Schwammerl, sogar Steinpilze. Und als dann seine Oma, die auch in der Stadt zuhause war, ausgebombt worden ist – da war sie froh, nach Hailafing ausweichen zu können. „Zur Beleuchtung hatte sie eine Karbidlampe, das Wasser holte sie in Blechkannen an einem Brunnen in Straßlach und fuhr es mit dem Handwagerl heim.“

Die Evangelischen bekamen besonders viel Weihrauch ab

Während Geiger in München in die Schule gegangen ist, haben Rolf-Dieter Preller, der 1946 in Straßlach geboren wurde, und der 85-jährige Peter Zistl aus Ebershausen Lesen und Schreiben in Dingharting gelernt. Preller war evangelisch, in der Kirche setzte der Pfarrer ihn und die anderen protestantischen Kinder immer ganz nach vorn. Wo sie besonders viel Weihrauch abbekamen – und manchen schnell schlecht geworden ist.

Tatzen und Scheitelknien

Wie zu der Zeit üblich, bekamen auch die Schüler in Dingharting Tatzen oder mussten, wenn was vorgefallen war, auf Holzscheiten knien. Zistl kann sich erinnern, dass zur Strafe auch „Übergelegte“ ausgeteilt worden sind – Schläge aufs Hinterteil. Gesessen haben sie damals getrennt nach Geschlechtern, die Buben auf einer Seite, auf der anderen die Mädchen. In zwei Klassen sind in dieser ersten Grundschule der heutigen Gemeinde die Klassenstufen eins bis acht unterrichtet worden.

Flüchtlinge aus München im Dorf

Die Erinnerungen von Zistl sind freilich Erinnerungen an eine Kindheit im Krieg. „Jeden zweiten, dritten Tag“, erzählt er, „bekamen wir neue Mitschüler, alles Flüchtlinge aus München“. Letztlich habe die Gemeinde über 100 Geflüchtete beherbergt, außerdem 60 Österreicher, die meisten von ihnen kamen im Schullandheim in Holzhausen unter. Als 1943 bei einem Bombenangriff drei Höfe in Straßlach getroffen worden sind – da habe man die Flammen bis Ebertshausen gesehen. Manchmal flogen 600 bis 800 Bomber in Schlachtordnung übers Dorf, „teils nur in fünf Kilometern Höhe, da hast Du Dein eigenes Wort nicht mehr verstanden“.

Als dann der Krieg endlich zu Ende war, lebten jedenfalls die Kinder weiterhin gefährlich. Sie sammelten, weiß auch noch Preller, Handgranaten und schraubten sie auf, um an das Pulver zu kommen. Ein Bub, Adolf Schmid, kam beim Spielen mit solchen Fundstücken ums Leben.

Großer Wandel in der Landwirtschaft

Letztlich habe sich in der langen Zeit, die seither vergangen ist, auf dem Dorf nichts so geändert wie die Landwirtschaft. Die war früher einfach „harte Handarbeit“, zum Dreschen fuhren im Winter Unternehmer in die Dörfer, die ihre Dampfmaschinen zur Verfügung stellten. „Dabei habe ich selbst noch mitgeholfen“, sagt Zistl, wenn auch nicht in Straßlach, sondern in Oberbiberg. Man kam damals mit einer Handvoll Kühen gut über die Runden, das ist heute unvorstellbar. Und: „Die Bauern produzierten fast alles selbst, was sie zum Leben brauchten. Auch den Treibstoff für die damaligen Zugmaschinen.“ Zweimal täglich wurde im Sommer die Milch abgeholt.

Eis aus dem Dorfweiher nach München verkauft

Im Winter verkauften die Straßlacher dann Eis nach München – aus dem Dorfweiher. „Das war eine wichtige Einnahmequelle“, sagt Preller. Dabei ließ man freilich immer einen Teil der Eisfläche unangetastet, für den Wintersport. Und damit, wie Geiger weiß, auch die Fische Luft bekamen, hackte man in diese Eisfläche ein Loch, das mit Stroh befüllt worden ist. Einmal kam es dann dazu, dass einer der Beteiligten sein Feuerzeug verlor im Stroh. Man half ihm beim Suchen – und hinterher vermissten zwei Männer ihre Eheringe. Ihre Finger waren im eiskalten Wasser so dünn geworden, dass die Schmuckstücke ihnen einfach runtergerutscht waren.

Beim Patrozinium ließ es sich gut anbandeln 

Preller erinnert sich noch an den Sänger-Fasching, der früher beim Roiderer über die Bühne gegangen ist. Alle drei wissen auch, dass früher das Patroziniums-Fest in Großdingharting die beste Gelegenheit war, um jemanden kennenzulernen. Weil dieses Fest immer von Dinghartingern und Straßlachern gemeinsam begangen worden ist.

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