Das Podium: (v.l.) Antje Wagner, stellvertretende ADFC-Vorsitzende in München, Gerhard Kisslinger (Freie Wähler), Quentin Wolf (CSU), Korbinian Rüger (SPD), Karl Bär (Grüne), Eva-Maria Schreiber (Linke), Yannick Rouault (ÖDP) und Axel Schmidt (FDP), dazwischen Moderatorin Eva Eichmann. 
+
Das Podium: (v.l.) Antje Wagner, stellvertretende ADFC-Vorsitzende in München, Gerhard Kisslinger (Freie Wähler), Quentin Wolf (CSU), Korbinian Rüger (SPD), Karl Bär (Grüne), Eva-Maria Schreiber (Linke), Yannick Rouault (ÖDP) und Axel Schmidt (FDP), dazwischen Moderatorin Eva Eichmann. 

ADFC diskutiert mit Bundestagskandidaten

Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl: Das muss für Radfahrer im Landkreis getan werden

  • VonAndrea Kästle
    schließen

Um das Radfahren auch im Landkreis München attraktiver zu machen, braucht es Investitionen und einen massiven Ausbau der Radwege. Das fordert der Allgemeine Deutsche Fahrradclub. Und genau darüber sprach der ADFC jetzt in Straßlach bei einer Podiumsdiskussion mit einem Teil der Bundestagskandidaten.

Straßlach-Dingharting – Wenigstens zum Thema Fahrradfahren konnten jetzt die Bürger im Landkreis einen Teil der Direktkandidaten für die Bundestagswahl persönlich erleben. Die große Podiumsdiskussion in Haar war vor wenigen Wochen ja geplatzt, weil Grüne, Linke und SPD nicht mit der AfD auf einer Bühne sitzen wollten (wir berichteten). Nun hatte also der Allgemeinde Deutsche Fahrradclub (ADFC) in Straßlach zur Podiumsdiskussion im Bürgerhaus geladen.

Grüne, CSU und Linke lassen sich vertreten - AfD gar nicht erst dabei

Allerdings ließen sich die Kandidaten von CSU, Grünen und Die Linke vertreten; für Florian Hahn war Quentin Wolf gekommen, Listenkandidat auf Platz 63. Anton Hofreiter hatte seinen Kollegen aus dem Landkreis Miesbach geschickt, Karl. Bär. Die amtierende Linken-Bundestagsabgeordnete Eva-Maria Schreiber vertrat Katinka Burz. AfD-Kandidat Gerold Otten war gar nicht erst vertreten. Ansonsten saßen auf dem Podium die Kandidaten Korbinian Rüger (SPD), Axel Schmidt (FDP), Gerhard Kisslinger (Freie Wähler) und Yannick Rouault (ÖDP).

Rüger: „Das Fahrrad ist die einzige Erfindung, die das Leben uneingeschränkt besser macht“

Das Thema war nicht so leicht zu greifen. Zuletzt hat der ADFC gefordert, die Mobilitätswende müsse radikal und mutig angegangen werden, 850 Millionen Euro seien für eine „Radewege-Ausbau-Offensive“ jährlich bereitzustellen, außerdem brauche das Land neue Straßenverkehrsgesetze. Diese Forderungen sollte nun Moderatorin Eva Eichmann mit den Kandidaten diskutieren.

Wobei natürlich keiner der Beteiligten dagegen war, den Fahrradfahrern mehr Boden zu bereiten; man sprach sich auf dem Podium nur mehr oder weniger entschieden dafür aus. Während Quentin Wolf eher betonte, was jetzt schon alles gemacht werde, dass der Landkreis ja nächstes Jahr 40 Millionen für den Ausbau vor allem von Radschnellwegen bereitstellen wolle, während Gerhard Kisslinger und Axel Schmidt eher für ein gedeihliches Miteinander von Auto- und Radfahrern plädierten, wollte Eva-Maria Schreiber klar die Weichen gestellt haben für sicheren, angenehmeren Radlverkehr. „Wir müssen wegkommen vom Auto.“

Korbinian Rüger gab zu bedenken, dass dies nicht nur nötig sei, um dem Klimawandel zu begegnen. Sondern er sagte auch: „Das Fahrrad ist ein sozial gerechtes Verkehrsmittel. Und die einzige Erfindung, die das Leben uneingeschränkt besser macht.“ Auch ÖDP-Kandidat Yannick Rouault meinte: „Wir brauchen eine menschen- und umweltfreundlichere Stadtplanung.“ Zwölf Milliarden würden vom Bund jährlich für Unterhalt und Ausbau der Autobahnen ausgegeben, sagte Rouault, Deutschland habe eins der dichtesten Fernstraßennetze der Welt. Dagegen seien die 850 Millionen, die der ADFC für die Radwege fordert, ohnehin wenig.

Radfahren sollte in Sportunterricht integriert werden

Darüber hinausgehend: waren sich Rüger und Bär darin einig, dass die Kommunen mehr Kompetenzen benötigen, um etwa auf Staats- oder Bundesstraßen, die durch ihr Gebiet verlaufen, auch die Geschwindigkeit begrenzen zu können.

Allgemeiner Konsens war auch, dass Radfahren in den Sportunterricht an Schulen integriert werden soll, dass es fatal ist, dass immer mehr Eltern ihre Kinder in der Früh mit dem Auto zur Schule fahren. Den Vorschlag von Eva-Maria Schreiber, die vorhandenen Verkehrssysteme zu vernetzen, sodass man auch im ICE ein Rad dabeihaben darf, ohne dafür zahlen zu müssen, fand auch Axel Schmidt attraktiv. Er sagte: „Wir brauchen Toleranz von allen Seiten.“

Isartrail auch Thema

Was sich vermutlich nicht vermeiden hatte lassen, war, dass auch der Isar-Trail zur Sprache kam, der mit dem Ausbau des Radverkehrs eigentlich nichts zu tun hat. Ins Bürgerhaus Straßlach waren auch Mountainbiker vom Alpenverein gekommen, die darlegten, dass sie rund um München sonst nirgends ihren Sport ausüben könnten. Es sei unmöglich, meinte ein Besucher, dass der Landkreis das Projekt so schleifen lassen würde.

Nur rund 25 Besucher kamen ins Bürgerhaus.

Zukunfts-Wünsche

Ansonsten ging es auch kurz um eine Helmpflicht für Radler, die vielleicht sinnvoll sein könnte, vielleicht auch nicht, auch darum, ob man Autofahrer verteufeln solle. Dass man derzeit nicht aufs Wasserstoff-Auto setzen könne, die Zeit sei dafür noch nicht reif.

Letztlich wollte Moderatorin Eva Eichmann noch wissen, was die Kandidaten sich wünschen würden in Sachen Radverkehr. Die Antworten: Plätze, auf denen keine Autos fahren, großen grünen Lungen in den Städten, und Axel Schmidt brachte die immer wieder diskutierte Brücke für Radler über die Isar ins Spiel. Korbinian Rüger appellierte: „Der Bund muss investieren, investieren, investieren, wir haben das Geld.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare