Familie Röhlen aus Dingharting mit sechs Kindern und Drillingen
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Immer Leben in der Bude haben Mama Caro (l.) und Papa Andreas Röhlen seit der Geburt ihrer Drillinge Alfred, Gerda und Hubertus im Juli. Tatkräftige Unterstützung bekommen die beiden von Familienpflegerin Michaela und den drei großen Geschwistern (v.l.) Julius (6), Mathilda (2) und Hugo (4).

Organisation ist alles

Drillingsglück in Dingharting: Familie wünscht sich noch ein Baby - und ist plötzlich zu acht

  • vonAndrea Kästle
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Da ist Leben in der Bude: Bis vor kurzem waren die Röhlens aus Dingharting noch eine fünfköpfige Familie, jetzt sind sie plötzlich zu acht. Die Familie hat Drillinge bekommen.

  • Familie Röhlens aus Straßlach-Dingharting hat unerwartet Drillinge bekommen.
  • „An der Geburt unserer Kinder waren über 40 Menschen beteiligt“, verrät Familienvater Andreas.
  • Er übernimmt auch die Nachtschichten mit den Drillingen.
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Straßlach-Dingharting – Als Caro und Andreas Röhlen schon drei Kinder hatten, fanden sie, ein viertes wäre vielleicht nicht schlecht. Zwischen den sechs und vierjährigen Buben und der zweijährigen Mathilda sei es, sagt der Vater, immer wieder zu „Koalitionsproblemen“ gekommen, „das fand ich doof“.

Straßlach-Dingharting: Familie wünscht sich noch ein Baby - und bekommt unerwartet Drillinge

Caro wurde dann schnell wieder schwanger, im Januar ließ sie den ersten Ultraschall machen. Dabei kam heraus, dass sie nicht nur ein Kind kriegen würde. Sondern drei. Seit Juli sind die Röhlens nun eine Großfamilie mit sechs Kindern.

Röhlens wohnen in Dingharting, am Ende einer Wohnstraße. An ihren Garten grenzt eine Kuhweide, dann kommen Felder. Bei guter Sicht sieht man rüber bis nach Straßlach. „Als die Kälbchen im Frühling noch nicht draußen auf der Weide waren, konnte ich mit den Buben dort Fußball spielen“, sagt Andreas. Das war, weil ja Corona war, ziemlich schön.

Großfamilie mit sechs Kindern: Drei Säuglinge bekommen einen Riesenkinderwagen

An den Wänden hängen Fotos der Kinder, auf Leinwand aufgezogen. Zwischen Küche und Esstisch ein Basteltisch, die Buntstifte sind fein säuberlich nach Farben sortiert. Es ist kaum zu erwarten, dass man sich mit sechsfachen Eltern in Ruhe unterhalten kann – aber bei den Röhlens ist das überhaupt kein Problem. Die drei „großen“ Kinder spielen am Boden mit der Familienpflegerin Michaela „Mensch ärgere dich nicht“. Die drei Säuglinge schlafen draußen auf der Terrasse, im Riesenkinderwagen.

Als sie erfuhr, dass sie bald doppelt so viele Kinder zu versorgen haben werde wie bisher, habe sich bei ihr erst einmal „alles nur gedreht. Ich habe mich gefühlt wie in einem Tunnel“, sagt Caro. Zeitweise sei es ihr dann, erzählt sie in ihrer leisen Art, „psychisch schlecht“ gegangen. Sie habe einfach nicht gewusst, wie sie das alles hinbekommen soll.

Straßlach-Dingharting: Drillingsmutter wusste anfangs nicht, wie sie alles hinbekommen soll

Geholfen habe dann zum einen, dass mit der Pandemie der erste Lockdown kam, dass Andreas nicht mehr, wie bis dahin, vier Tage die Woche beruflich unterwegs war, sondern von zu Hause aus arbeiten konnte. Und dass sie die Familienpflegerin bewilligt bekommen haben, die seither täglich acht Stunden im Haus hilft und sich mit den Kindern beschäftigt. „Auch deshalb konnte ich die Schwangerschaft so lange halten“, erzählt Caro.

„An der Geburt unserer Kinder waren über 40 Menschen beteiligt.“

Im Juli, nach 33 Wochen und fünf Tagen Schwangerschaft, sind die drei Kleinen dann zur Welt gekommen. Jedes Kind wog um die 2,5 Kilo – und war so gesund und stabil, wie es der entbindende Arzt im Klinikum Dritter Orden bei Drillingen noch nie erlebt hatte, wie er sagte. Nur zwei Tage lang brauchten die Neugeborenen zusätzlich Sauerstoff.

Caro sagt: „Drillingsgeburten sind oft mit schlimmen Schicksalen verbunden.“ Sie sei sehr dankbar, dass bei ihnen alles so glatt gelaufen ist. Andreas ergänzt: „An der Geburt unserer Kinder waren über 40 Menschen beteiligt, und jeder von ihnen hat sich persönlich verantwortlich gefühlt.“

Großfamilie aus Straßlach-Dingharting: Mutter wollte früher eigentlich keine Kinder

Dabei ist das Lustige an der Geschichte der Röhlens, dass Caro eigentlich gar nicht unbedingt eine Familie hatte gründen wollen. „Von mir sind keine Enkel zu erwarten“, hatte sie ihrer eigenen Mama, die in Hailafing wohnt und jeden Tag vorbeikommt, schon früh erklärt. „Ich hab mein Leben für mich genossen“, erzählt sie.

Sie sei viel auf Reisen gewesen – und zwar gern dort, „wo es schön gefährlich ist“. Im Nahen Osten, in Israel. Dass sie dann eigens nach Thailand geflogen ist, um dort nach dem verheerenden Tsunami Aufbauhilfe zu leisten, erzählt dann aber nicht sie, sondern ihr Mann. Der wiederum schon immer gern Familie gehabt hätte. Der gebürtige Hamburger sagt: „Ich fand Kinder immer toll, mir fehlte nur die Partnerin.“ Das änderte sich dann, als er Caro in seiner Arbeit bei einer Unternehmensberatung über den Weg lief.

„Die Umstellung von zwei Kindern auf drei war gewaltig“

Wie es halt so geht im Leben. Irgendwann wurde Caro schwanger, Julius kam vor sechs Jahren auf die Welt, sollte aber, obwohl die Geburt schwer gewesen war, kein Einzelkind bleiben. Dann war nach zwei Jahren das zweite Baby, Hugo, so pflegeleicht, dass man sich nach weiteren zwei Jahren ein drittes Kind vorstellen konnte.

Jedoch: „Die Umstellung von zwei Kindern auf drei war gewaltig“, erzählt Caro. Für sie habe jetzt die anstrengendste Zeit überhaupt begonnen. Weil Andreas ja kaum da war; weil Mathilda im Gegensatz zu Hugo durchaus ihre Bedürfnisse immer laut äußerte; weil Caro von daheim aus wieder zu arbeiten begann; und weil sie sich, trotz der drei Kinder, oft allein fühlte. Vor allem im Winter, wenn es draußen um halb fünf schon dunkel geworden ist.

Familie bekommt Drillinge: Organisation ist alles

Jetzt hingegen sei immer „Leben in der Bude“, sagt sie und lächelt. Immer wieder krabbelt eins der beiden mittleren Kinder bei ihr auf den Schoß, fragt kurz etwas – und zieht wieder ab. Dann fangen Hugo und Mathilda an, fangen zu spielen und werden vom Papa ermahnt, ein wenig leiser zu sein.

Aber wie in aller Welt kommt man denn nun mit sechs mehr oder weniger kleinen Wesen, die alle ihre eigenen Bedürfnisse haben und noch so viel von einem brauchen, gut durch den Tag? „Ich bin froh, dass ich im Job gelernt habe, mich zu strukturieren“, sagt Caro. Man müsse sich mit so vielen Kindern einfach gut organisieren.

Straßlach-Dingharting: Vater übernimmt Nachtschichten mit den Drillingen

Sie füttert die Drillinge immer schon, ehe sie sich im Anschluss mit dem Rest der Familie zum Essen hinsetzt. Weil sich herausgestellt hat, dass es nicht gut ist, wenn alle Kinder gleichzeitig von Schule und Kindergarten heimkommen, holen sie Hugo und Mathilda immer schon um 12 Uhr mit dem Fahrrad vom Kindergarten in Straßlach ab, während Julius noch bis drei Uhr im Hort bleibt. Jeden Abend werden die Drillinge von Caro massiert.

Und Julius darf immer noch eine halbe Stunde länger aufbleiben als die anderen. Derweil übernimmt Papa Andreas die Nachtschichten mit den Babys. Im Moment muss er sie zweimal pro Nacht füttern, was bei drei Kindern insgesamt jeweils eine gute Stunde dauert, trotz des Milchautomaten, den die Gemeinde den Röhlens zur Geburt der Drillinge geschenkt hat.

Unverhofftes Drillingsglück: Leute bewundern ungläubig die drei Stupsnasen im Kinderwagen

Im Sommer haben die Röhlens schon die ersten Ausflüge zu acht unternommen. Einmal waren sie sogar in Leipzig. Mehrfach sind sie im Further Naturbad gewesen. Wo es dann hin und wieder vorkam, dass Leute vorbeischlenderten am Riesenkinderwagen.

Reinschauten. Weitergingen. Dann plötzlich stehen blieben, noch einmal zurückblickten. Um sich zu vergewissern, dass wirklich stimmt, was sie gesehen zu haben glaubten: dass da drei Stupsnasen drinliegen und nicht nur eine.

Straßlach-Dingharting: Drillingsfamilie hat schon erste Ausflüge unternommen

Die „Koalitionsprobleme“ sollten sich künftig hoffentlich erübrigen. Die Kinder der Röhlens haben jetzt ja immer eine große Auswahl an Verbündeten und Spielpartnern. Sie sind jetzt vier Buben und zwei Mädchen.

Von den Plänen der Pullacher, die Mittelschule wo auch immer neu zu bauen, sind nicht alle umliegenden Gemeinden, deren Kinder dorthin gehen, begeistert. Selbst ein Schulsprengel-Wechsel ist im Gespräch. Und um für Erzieher und Kinderpfleger attraktiv zu bleiben, zahlt die Stadt Unterschleißheim auch weiterhin die Arbeitsmarktzulage. Diese wäre Ende des Jahres ausgelaufen.

(Von Andrea Kästle)

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