Der Straßlacher Gemeinderat will geschichtliche Verantwortung übernehmen und benennt den Platz vor dem Bürgerhaus sowie das Foyer nach den Geschwistern Scholl.
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Der Straßlacher Gemeinderat will geschichtliche Verantwortung übernehmen und benennt den Platz vor dem Bürgerhaus sowie das Foyer nach den Geschwistern Scholl.

Platz vor dem Bürgerhaus in Straßlach-Dingharting wird zum „Geschwister Scholl-Forum“

Ehrung für Widerstandskämpfer

  • vonAndrea Kästle
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Straßlach bekommt jetzt seinen Geschwister-Scholl-Platz beim Bürgerhaus. Nur Albert Geiger von der Bayernpartei sprach sich dagegen aus. Er findet, die Widerstandskämpfer hätten zur Gemeinde sehr wenig Bezug gehabt.

Straßlach-Dingharting – Dass Städte wie München oder Würzburg einen Geschwister Scholl-Platz haben: eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Aber jetzt wird auch Straßlach-Dingharting, von den Einwohnern her zweitkleinste Gemeinde im Landkreis München, zwar keine Straße nach den mutigen Geschwistern benennen, aber dafür den Platz vor dem Bürgerhaus zum „Geschwister Scholl-Forum“ erheben. Gedacht ist daran, diesen Platz zum einen optisch zu gestalten und das Forum wie auch das Bürgerhaus für Veranstaltungen zum Thema zu nutzen.

Zurück geht das Projekt auf einen Antrag, den der CSU-Gemeinderat Herbert Mack, der jetzt gar nicht mehr im Gremium sitzt, schon 2018 gestellt hatte. Ihm war es darum gegangen, eine Straße nach den Geschwistern zu benennen, um rechten Tendenzen in der Gesellschaft entgegenzuwirken. „Die Entwicklung in Deutschland erschreckt mich etwas“, hatte er damals gesagt. „Dass es inzwischen gefährlich sein kann, auf der Straße eine Kippa zu tragen, dass jüdische Mitbürger in der Öffentlichkeit geschlagen werden, das alles darf meiner Meinung nach nicht sein.“

Die Idee der Verwaltung, die Anregung von Mack auszubauen zu einem kleinen Forum für politische Bildung, in dem Vorträge und Diskussionen stattfinden können, das Jugendliche vielleicht auch mit Zeitzeugen zusammenbringt, fand im Gremium Anklang. „Ich freue mich, dass aus der ursprünglichen Idee ein lebendiges Angebot entsteht“, meinte Bürgermeister Hans Sienerth (parteifrei) nach der Sitzung. Eröffnet wird das Ganze zwei Tage, ehe Sophie Scholl 100 Jahre alt geworden wäre – am 7. Mai. Mit einer Wanderausstellung über die Weiße Rose, die „Gesichter einer Freundschaft“ heißt und an der der Verein Kulturinitiative Freiburg mitgewirkt hat.

Angebot zur Aufklärung

Bis auf Albert Geiger (BP) schlossen sich dem Rathauschef in der Sitzung alle Fraktionen an. Charlotte von Padberg (FDP) meinte hinterher: „Das ist eine super Idee.“ Durch das Forum werde Geschichte im Ort „belebt“. Von der FWG sagte Florian Brunsch: „Es ist eine gute Sache.“ Er sei gespannt darauf, was für Veranstaltungen sich ergeben werden. Frank Ritter (UWV): „Eine Institution zu begründen, die sich mit politischen Themen befasst, ist wertvoller und nachhaltiger, als nur eine Straße zu benennen.“ Auch Hans Sienerth hatte wenig Sinn darin gesehen, etwa in dem Neubaugebiet, das jetzt am Rand von Dingharting ausgewiesen wird, zwischen Wald und Wiesen eine Straße nach den Geschwistern Scholl zu benennen. „Was soll das bringen?“ Mit dem Forum als Bildungseinrichtung mache die Gemeinde dagegen „ein Angebot zur Aufklärung und gegen das Vergessen.“

Verantwortung für Geschichte übernehmen

Dieser Aspekt war auch den Grünen ganz wichtig. Sabine Hüttenkofer sagte: „Wir stehen 200-prozentig hinter der Idee.“ In der heutigen Zeit sei es „wichtiger denn je, Verantwortung für unsere Geschichte zu übernehmen“.

Dagegen sprach sich, wie gesagt, letztlich nur Albert Geiger aus. Er meinte, die Geschwister Scholl hätten zu wenig Bezug zur Gemeinde. „Wenn jedes zweite Dorf einen Platz nach den Scholls benennen würde, würde der Name und das, wofür er steht, nur abgenutzt.“ Es hätten so viele Menschen im Widerstand gegen die Gewaltherrschaft der NS-Zeit ihr Leben verloren. „Die Scholls werden fast überbewertet.“ Ob es nicht sinnvoller sei, eine Straße etwa nach dem Dinghartinger Pfarrer Innozenz Kohlhauf zu benennen, der damals vor Ort einen katholischen Burschenverein gegründet hat? Auch wenn der freilich nicht verfolgt worden sei.

Arbeitskreis soll gegründet werden

In der Gemeinde soll jetzt ein Arbeitskreis gegründet werden, der sich Gedanken macht über ein mögliches Veranstaltungsprogramm und auch über die optische Gestaltung des neuen Forums. Denkbar wäre, meinte Sienerth nach der Sitzung, die Außenwände des Bürgerhauses zu behängen, auch Aufsteller draußen, aus Stahl, seien vorstellbar. Der Arbeitskreis, schlug wiederum Sabine Hüttenkofer vor, könnte auch offen sein für Schüler aus umliegenden Gymnasien, auch aus dem Gemeinderat soll mitmachen können, wer mitmachen will.

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