1. Startseite
  2. Lokales
  3. München Landkreis
  4. Straßlach-Dingharting

Bis hierher und dann weiter

Erstellt:

Von: Josef Ametsbichler

Kommentare

null
Typische Szene: Ein Radler fährt verbotenerweise den Abhang der Mühlstraße hinunter zu den Isarauen. Die Strecke ist Radfahrern nur bergauf erlaubt (siehe Verbotsschild) – nur hält sich kaum jemand daran. © Josef Ametsbichler

Der Weg auf der Mühlstraße in die Isarauen geht steil bergab, in Kurven. Viele Radfahrer wurden bereits verletzt, weshalb die Fahrt auf der Strecke mittlerweile seit den 90er Jahren verboten ist.

Straßlach-Dingharting – Rennradler düsen im klackernden Leerlauf hinunter durch den grünen Laubtunnel, Rentner auf ihren E-Bikes tasten sich mit fauchenden Scheibenbremsen bergab, Eltern mit ihren Kindern schwatzen und lachen, während sie im Familienpulk die Mühlstraße von Straßlach talwärts zu den Isarauen radeln. Ein ganz normaler Sommertag, unten lockt ein Biergarten. Das Problem: Keiner von den vielen Radlern darf hier lang. Denn obwohl die Mühlstraße zu den beliebtesten Fahrradstrecken des Landkreises zählen dürfte, ist sie – jedenfalls talwärts – für Radfahrer verboten. Zu gefährlich war die steile Bergstrecke der Gemeinde bereits in den 90ern.

Gerda Plachky (72) und ihr Mann mussten das neulich büßen: Unten im Tal wartete eine Polizeistreife – und kassierte 15 Euro Bußgeld. Nicht nur von dem Oberhachinger Ehepaar, sondern von allen Radfahrern, die die Stelle an jenem Samstag passierten. „Ich finde das lächerlich“, sagt Gerda Plachky. Das Verbot sei sinnlos, steile Berge gebe es schließlich überall, und andernorts seien zudem mehr Autos unterwegs.

Einen Verbündeten hat die Oberhachingerin bereits gefunden: Hartmut Schüler, 67, Landkreisbeauftragter des ADFC, des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs, aus Straßlach. Das Fahrradverbot für die Strecke hält er für falsch – und für möglicherweise rechtswidrig. Er fordert stattdessen ein striktes Tempolimit für den Abhang: Tempo 30 im oberen, steileren und sogar Tempo 20 im unteren, unübersichtlicheren Abschnitt, wo der Isarradweg ein Stück die – eigentlich ja verbotene – Mühlstraße entlangführt. „Das Problem sind nicht die Radfahrer, sondern dass viel zu schnell gefahren wird – von allen Verkehrsteilnehmern“, konstatiert Schüler. Am Wochenende konterkarierten ohnehin hunderte Fahrradfahrer das Verbot, indem sie es geflissentlich ignorierten. „Und das schon immer“, sagt Schüler. „Früher wurde halt nie kontrolliert.“

Doch das Radfahrer-Verbot hat auch überzeugte Fürsprecher, unter ihnen den Radverkehrs-Spezialisten der Polizei Grünwald, Silvio Rebhan. „Das ist zu gefährlich“, sagt er knapp über eine Aufhebung der Sperre. Es habe dort immer wieder schwere Verkehrsunfälle gegeben. 2014 starb ein 77-Jähriger, der den Abhang ohne Helm hinabfuhr. Viele Radfahrer seien viel zu schnell unterwegs. Dazu komme, dass auf der unübersichtlichen Strecke oft auch breite Fahrzeuge entgegenkämen. Rebhan verteidigt daher auch die Kontrollen, die seine Inspektion sporadisch durchführe: „Das ist für uns kein Schwerpunkt, aber wir kontrollieren, wenn wir die Zeit dazu haben.“

Das Verbot ist gerechtfertigt

Noch schärfer äußert sich der parteifreie Bürgermeister von Straßlach-Dingharting, Hans Sienerth: „Natürlich ist das Verbot gerechtfertigt“, sagt er angesichts der Unfälle der Vergangenheit. „Der ADFC verharmlost das.“ Gerade Feierabendsportler, die nach 17 Uhr unterwegs seien, scherten sich nicht um die Gefahr und rasten den Hang hinab. „Ich bin aber auch dafür, dass die Stelle besser beschildert wird“, sagt Sienerth.

Thema im Gemeinderat

Auf einen Antrag von Schülers ADFC hin, ist die Mühlstraße am Mittwoch, 26. Juni, Thema im Gemeinderat. Über eine Beschlussempfehlung, die der Hauptausschuss bereits nichtöffentlich abgegeben hat, herrscht Stillschweigen. Doch mit dem Bürgermeister als Gegner, der immerhin der verkehrsrechtlich zuständigen Gemeindeverwaltung vorsteht, ist die Aufhebung des Verbots nur gegen starken Widerstand durchzusetzen.

Anonym den Berg hinunter

Die Attraktivität der Mühlstraße wird wohl dazu führen, dass sie weiterhin von Radfahrern frequentiert wird. Verbot hin oder her, sei es aus Unwissenheit – oder aus Trotz: Eine Anwohnerin blickt an dem Verbotsschild vorbei den Abhang hinunter. Ihren Namen will die Frau nicht in der Zeitung lesen, angesichts der Ordnungswidrigkeit, die sie gleich begehen wird. „Groben Unfug muss man nicht befolgen“, sagt sie, schwingt sich aufs Fahrrad und fährt den Berg hinab.

Lesen Sie auch: Fünf Radler bei Unfällen verletzt

Auch interessant

Kommentare