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Schwarz-gelb statt rot-weiß verbietet die Gemeindesatzung. Einen Tag nach der Verhandlung ist der Schnee schon wieder weg.

Gerichtsstreit um schwarze Dachziegel und gelbe Fassade

Der Hausfarbensbruch von Großdingharting

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Straßlach-Dingharting - In Großdingharting müssen die Dachziegel rot und die Häuser weiß sein. Wer sich nicht daran hält, für den kann es teuer werden. Über eine Gerichtsverhandlung in Deutschland.

Sorry. Aber man muss das so sagen, weil es so ist. Es ist arschkalt. Also zieht Cornelia Dürig-Friedl den Hals ein, sodass der Jackenkragen ihr Gesicht bis zur Nase bedeckt. Die äußeren Bedingungen erschweren ihr zwar die Arbeit. Trotzdem urteilt die Richterin des Bayerischen Verwaltungsgerichtes so scharf wie der eisige Wind, der durch Großdingharting pfeift. 

Um Dürig-Friedl schart sich eine Gruppe aus Klägern, Beklagten und Anwälten. Sie alle schauen von der Straße aus nach oben auf das Dach des nigelnagelneuen Einfamilienhauses von Ida und Ferdinand W.. Es ist eine mündliche Verhandlung. 

Sind die Dachziegel rot oder sind sie es nicht?

Die Ws klagen gegen die Gemeinde wegen Abweichung von der Gestaltungssatzung. Übersetzt heißt das, es geht um die Frage: Sind die Dachziegel ihres Hauses rot oder sind sie es nicht? Normalerweise eine einfache Frage. 

Aber Petrus, der fiese Wettergott, hat an diesem Vormittag laut gelacht über den deutschen Rechtsstaat. Es hat in der Nacht auf Mittwoch geschneit. Auf allen Dächern liegt Schnee. Ob rot, braun, grün, gelb oder weiß der Kuckuck. 

Unbestritten ist: Das Dach des Hauses der Familie W., sowie alle anderen Dächer in Großdingharting, sind weiß. Wenigstens darin besteht Einigkeit unter den Anwesenden. Offenbar ist keiner farbenblind. 

Deutsch, deutscher, Ortsgestaltungssatzung. 2012 hat die Gemeinde darin festgelegt, dass die Ziegel der Dächer Großdinghartings rot oder zumindest rot-braun sein müssen. Man darf das nicht ins Lächerliche ziehen. Eine Gestaltungssatzung hat freilich gute Gründe. Die Gemeinde schützt damit den dörflichen Charakter eines kleinen Ortes wie Großdingharting. Hier, in der Pampa, kann man nicht einfach zum Beispiel ein Hochhaus bauen. Und man kann auch nicht einfach sein Dach statt mit den vorgeschriebenen roten Ziegeln mit schwarzen, grauen oder türkisen Ziegeln abdecken. 

Richterin setzt das Recht gnadenlos durch

Dürig-Friedl sagt: „Farbgestaltung gehört in die Gestaltungssatzung. Das ist das ureigenste Recht einer Gemeinde.“ Richterin Dürig-Friedl setzt dieses Recht der Gemeinde im Falle von Ida und Ferdinand W. durch. Auf einer vor Niederschlag geschützten Stelle am Dach des Carportes liegt nämlich kein Schnee. Die Ziegel sind nicht rot oder rot-braun, sie sind schwarz-grau. Ein Versehen sei das gewesen, argumentiert der Anwalt. Im Bauantrag war nämlich noch von einer anderen Farbe die Rede. 

Dürig-Friedl sieht „keinen Grund“, von der Gestaltungssatzung abzuweichen. Bis wann die Familie W. das Dach austauschen muss, entscheidet nun das Landratsamt. 

Genauso lautet das Urteil im Fall von Robert S., der Nachbar der Ws. Sein Haus hat nicht nur schwarze Dachziegel, sondern ist zudem gelb angestrichen. In der Satzung steht aber, dass Häuser eine weiße Fassade haben müssen. Dürig-Friedl urteilt im eisigen Wind: „Die Dächer sind nicht rot. Und das Haus ist gelb."

Thomas Radlmaier

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