Sparmaßnahme

Landkreis stoppt Projekt gegen Insektensterben

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Vom Landkreis gibt es keine finanzielle Unterstützung mehr für die Initiative „Blühender Landkreis“, die sich für den Schutz von Insekten und Artenvielfalt einsetzt. Das Projekt ist Opfer der Sparmaßnahmen. 

Landkreis – Hilflos hatte Grünen-Kreisrat Oliver Seth mit ansehen müssen, wie der Kreistag die Unterstützung für das Projekt „Blühender Landkreis“ verwehrte. Der Biochemiker ist Initiator des Projekts, in dem 17 Mitglieder aus Imker- und Gartenbauvereinen, Umwelt- und Landwirtschaftsverbänden und den Fraktionen des Kreistags seit September 2017 nach Wegen suchten, um das Arten- und Insektensterben aufzuhalten.

Die für das Projektmanagement nötige halbe Stelle, die den Landkreis etwa 30 000 Euro pro Jahr kosten würde, lehnte die Mehrheit der Kreisräte im Zuge der Sparmaßnahmen ab. Seth reagierte erschüttert: „30 000 Euro für ein Riesenproblem, das uns alle betrifft!“

Der bei Straßlach lebende Seth hat seine eigenen Erfahrungen gemacht. Vor fünf Jahren habe er sich als Imker versucht. „Rundum Felder und Wiesen.“ Doch seinem Optimismus seien bald Grenzen gesetzt worden: Selbst auf dem Land hätten Bienen nicht genügend Nahrung gefunden. Wiesen würden mehrmals im Jahr gemäht. Insektizide und die intensive Landwirtschaft mit Monokulturen und der Einsatz von Düngemitteln täten ihr Übriges. Dazu die nächtliche Beleuchtung in Städten und der Klimawandel. Hinzu kommt, dass Schutzmaßnahmen wie Naturschutzgebiete gerade bei den besonders betroffenen Fluginsekten nicht greifen. Schutzgebiete liegen zumeist in Insellagen und sind von Landwirtschaft, Straßen und Siedlungen umgeben.

Seth befürchtet einen drastischen Einbruch in der Artenvielfalt. Seit Jahren kämpfen Imker gegen das Bienensterben. Gut dokumentiert ist der Schwund bei Schmetterlingen. Vogelschützer beklagen ein Vogelsterben. Landwirte benötigen Insekten als Bestäuber. Ein Problem mit globalen Ausmaßen. In China ist man mancherorts dazu übergegangen, Obst manuell zu bestäuben. Kein Landwirt in Bayern könnte sich den Aufwand leisten. „Bienen, Käfer und Motten sind nun mal die Grundlage eines funktionierenden Ökosystems.“

Es sei so wichtig gewesen, all diese Interessenverbände im Projekt „Blühender Landkreis“ zu vereinen, sagte Seth: „Die Arbeit liegt seitdem auf Eis.“ Der Grünen-Kreisrat bemüht sich jetzt um auswärtige Unterstützung, um Hilfe von Projekten wie die 2010 in Berlin gestartete Initiative „Deutschland summt“. Dass sich der Staat zusehends aus Verpflichtungen dieser Art zurückzieht und sich auf Ehrenamtliche verlässt, findet Oliver Seth bedenklich.

Allen Kreisräten, die dem Projekt die halbe Stelle versagten, empfiehlt er, offenen Auges durch die Landschaft zu ziehen: „Die Älteren unter uns wissen noch, wie es war, im Sommer mit dem Auto zu fahren.“ Im Nu war die Windschutzscheibe voller Insekten. „Heute muss man mit dem Zielfernrohr Jagd auf die Viecher machen, um eines zu erwischen.“

Rubriklistenbild: © dpa

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