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Die Natur schützen, den Flächenfraß eindämmen: Das ist eines der großen Ziele von Willi Streit. Auch die Isar liegt ihm besonders am Herzen. foto: hermsdorf-Hiss

Landtagskandidaten im Porträt

ÖDP-Kandidat Willi Streit: „Die CSU vergiftet uns“

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Willi Streit aus Straßlach tritt für die ÖDP im Stimmkreis München Land Süd zur Landtagswahl an. Gewinnen wolle er gar nicht, sagt er. Wichtig sei ihm, dass die CSU schlecht abschneidet. 

Straßlach-Dingharting – Ziele hat Willi Streit (59) genug. Förderung von Kindern. Regionalität. Faire Handelsbedingungen. Darüber spricht er an einem Montagnachmittag mit dem Münchner Merkur. Braun gebrannt, mit kurzärmligem Hemd, brauner Stoffhose und grau-meliertem Fünf-Tage-Bart steht Willi Streit am Isarkanal bei Egling (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen). Er beobachtet die Autos, die wenige Meter über ihm über die Brücke beim Gasthaus Bruckenfischer rauschen. Und so flott, wie sie vorüber sind, springt er zum nächsten Thema. Gegen den Klimawandel wolle er auch kämpfen, sagt er, damit sich die Erdatmosphäre nicht weiter aufheize. Willi Streit, geschieden, Vater von zwei Kindern, ist bekannt im Landkreis München, vor allem im Süden. Von 1988 bis 2002 war er parteifreier Bürgermeister von Straßlach-Dingharting. Jetzt ist der studierte Jurist politischer Landesgeschäftsführer der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) in Bayern. Er arbeitet als Journalist sowie Produzent und kandidiert bei der Landtagswahl im September für die ÖDP im südlichen Landkreis.

Er wolle nicht gewinnen, sagt er. Wichtig sei nur, dass die CSU schlecht abschneide. Wer mit Streit über Politik redet, kommt schnell auf die Christsozialen. In seinem Heimatort Straßlach-Dingharting besitzt die Partei derzeit keine Mehrheit. FWG und UWV haben ebenfalls drei Sitze. Er habe sich gefreut, dass die CSU bei der vergangenen Bundestagswahl auf 38,8 Prozent der Stimmen abgerutscht sei, sagt er. „Und die kriegen wir auch weg.“

In seiner Partei sei er ein Exot, sagt Willi Streit. Er sieht sich als „Enfant terrible“. „Mein Naturell ist es, mein Maul aufzureißen.“ Und dann wettert er los. Wieder gegen die CSU. Die Partei sei schuld daran, dass Bayern zubetoniert werde. Als Beispiel nennt er den Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke und der dritten Startbahn.

Im Raum München sei der Flächenfraß extrem. Die Natur müsse geschützt werden, um ihrer selbst Willen und zum Wohle der Bürger, sagt Streit und deutet auf die Isar. Allerdings ignoriere die Politik das Bedürfnis der Menschen in der Region nach einer schönen und intakten Umwelt. Er sei zwar kein Politiker, sagt Willi Streit. „Aber ich will den Menschen zeigen, dass es uns mit kleinen Veränderungen besser geht.“

Und als er über seine Pläne spricht, hört er sich doch an wie ein Politiker. Er rattert das ÖDP-Parteiprogramm herunter. Wer ihm zuhört, hat Mühe, mit seinem Tempo Schritt zu halten. Immer wieder wirft er Zitate von Mahatma Gandhi und Karl Valentin ein, stellt rhetorische Fragen. Bayern müsse aus der Kohleverbrennung aussteigen, sagt er, und schiebt ein „wann?“ hinterher. Dann beantwortet er die Frage selbst: spätestens 2022. Stattdessen solle der Freistaat ausschließlich mit erneuerbarer Energie versorgt werden. Außerdem wolle er den „Polizeistaat“ abschaffen, den der Landtag mit der Verabschiedung des Polizeiaufgabengesetzes im Mai durchgedrückt habe. Die innere Sicherheit erhöhe sich dadurch nämlich nicht. „Die CSU vergiftet uns“, sagt er. Die AfD sei ihm lieber.


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Bis zur Landtagswahl am 14. Oktober stellen wir alle Kandidaten aus dem Landkreis München vor. Die Reihenfolge der Veröffentlichung erfolgt zufällig und ist kein Ausdruck einer bestimmten Priorisierung oder Gewichtung.

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