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Baumtunnel-Idyll: Die Allee zwischen Schäftlarn und Straßlach-Dingharting könnte sich bald lichten.

Am Mittwoch rückt die Säge an

„Nicht verkehrssicher“: Historische Allee bei Schäftlarn wird zurückgestutzt

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Das Straßenbauamt hat entschieden: Ein Teil der 15 geprüften Bergahorne ist nicht verkehrssicher. 

+++ Update vom 5. März: 

Nach öffentlicher Kritik an der möglichen Fällung von 15 Bergahornen aus der Allee bei Beigarten hat das Staatliche Bauamt Freising  nun die Ergebnisse seiner Untersuchungen bekannt gegeben. Auf dem Prüfstand gestanden hatten die Bäume an der Trasse zwischen Schäftlarn und Straßlach-Dingharting der Verkehrssicherheit wegen. Nun steht fest: Das Bauamt wird fünf der Bergahorne stark zurückschneiden – und zwar laut Mitteilung schon am Mittwoch. 

Dafür wird die Strecke (ausgenommen für Anlieger) wohl den ganzen Tag gesperrt. Bei vier der Bäume sei die Statik „nicht mehr ausreichend verkehrssicher“, sie könnten jedoch als Stämmlinge stehen bleiben. „So bleibt die Funktion als Lebensraum (z.B. für Flechten, höhlenbewohnende Tierarten) erhalten“, betont das Amt. Bei einem weiteren Baum werde die Krone um 30 Prozent eingekürzt. 

Zudem scheint das Amt bemüht, seine Bereitschaft, nachzupflanzen zu betonen: Nachpflanzungen werden dann durchgeführt, wenn die Breite des vorhandenen Grünstreifens neben der Straße dies zulässt“, heißt es in der Mitteilung weiter. „Dort, wo dies nicht möglich ist, werden wir uns um Grunderwerb für notwendige Ersatzpflanzungen bemühen.“ In den Jahren 2016 und 2017 seien bereits 13 Bäume westlich von Beigarten nachgepflanzt worden.


Der ursprüngliche Text vom 2. März:

Straßlach-Dingharting – Eine schmale Straße windet sich zwischen Baumreihen hindurch, dahinter: Wiesen, Hügel, Horizont. Doch dieses Baum-Idyll, die historische Allee, die vom Schäftlarner Klosterberg abzweigt und sich zur Tölzer Straße hinaufzieht, ist in Gefahr: Das Straßenbauamt will einen guten Teil der Bäume fällen. Der Verkehrssicherheit halber.

Eine aufgesprühte Nummer, die die Fällung bedeuten könnte

40 Stämme, alles Bergahorne, säumen die Trasse, die von Autofahrern zwischen Schäftlarn und Straßlach gern als Abkürzung nutzen – fährt man über den Klosterberg, hat man es 800 Meter weiter. Und eben von diesen 40 Stämmen tragen 15 eine aufgesprühte Nummer, die ihr Ende bedeuten könnte. Laut Hans Jörg Oelschlegel, Fachbereichsleiter Straßenbau, sind die bäume „was die Verkehrssicherheit angeht, als kritisch zu beurteilen“. Ein Fachgutachten dazu steht noch aus.

Auf dem Prüfstand: ein markierter Bergahorn.

Der Bund Naturschutz hat vorsorglich schon einen Stopp der Fällungen gefordert. Statt abzuholzen wäre es viel gescheiter, finden die Naturschützer, die schmale Trasse, die tatsächlich eine Staatsstraße ist (St 2071) auf eine Kreis- oder Gemeindestraße herunterzustufen – und das Tempo der Autos zu begrenzen. Denn dass viele, darunter auch zahlreiche Wochenendausflügler, auf der Strecke zu schnell unterwegs sind, wissen nicht nur die Naturschützer.

Weil in den vergangenen Jahrzehnten schon über 40 Bäume aus der Allee gefällt, aber nur 13 nachgepflanzt worden sind, sagt Manfred Siering, stellvertretender Leiter der Kreisgruppe: „Durch die stückweise Ausdünnung wurde das charakteristische Bild der Allee bereits erheblich beeinträchtigt.“ Mit den aktuell geplanten weiteren Fällungen durch das Staatliche Bauamt drohe einem markanten Landschaftselement das Aus.

Denn die Allee sei eine oberbayernweite Realität. Es gebe ohnehin schon nicht viele davon – und in den Bergahornen und um sie herum fühlen sich Tiere wohl, die inzwischen selten geworden sind: Manfred Siering hat hier schon mal einen Iltis gesehen. Und am Abend Mausohren, eine seltene Fledermaus-Art, beim Jagen beobachten. In einem der Bäume hat sich zudem eine Walddrossel-Kolonie angesiedelt. Es gehe bei dem Gerangel um die historische Allee, die 1972 sogar Teil der olympischen Radrenn-Strecke war, um eine ganz grundsätzliche Frage: „Was ist uns wichtiger: der Autoverkehr oder die Natur?“

Gemeinde und Landratsamt scheuen die Verantwortung - es geht ums Geld

Weder der Landkreis noch die Gemeinde Straßlach-Dingharting sind jedenfalls erpicht darauf, Verantwortung für die 1,4 Kilometer lange, 4,50 Meter breite Fahrbahn zu übernehmen. Es geht ums Geld. „Wir sind unbedingt dafür, die Allee zu erhalten“, sagt Straßlach-Dinghartings parteifreier Bürgermeister Hans Sienerth. „Aber wir wollen nicht die Verantwortung für ihren Unterhalt übernehmen, wir wissen ja gar nicht, was das finanziell bedeuten würde.“

Auch sein Gemeinderat dachte so, als er vor etwa zwei Jahren darüber abstimmte. Vom Vorschlag, die Straße umzugestalten in eine Schotterstraße oder einen Kiesweg – auch ein Vorschlag des Bund Naturschutz – hält Sienerth unterdessen noch weniger: „Das ist nicht realistisch und kostet noch mehr. Hier fahren ja auch landwirtschaftliche Fahrzeuge.“

2000 Autos täglich - Naturschützer fordern, den Verkehr einzudämmen

2000 Autos, das eruierte ein Student der Universität der Bundeswehr Neubiberg in seiner Bachelor-Arbeit, sind täglich auf der Route unterwegs. Jährlich im Frühjahr ist die Abzweigung vom Klosterberg aber für drei Wochen gesperrt – weil die Fahrbahn dann von Kröten und Fröschen gekreuzt wird, die zu ihren Laichplätzen wandern. Das beweise doch, finden die Naturschützer, dass die Autofahrer auch ohne diese Abkürzung bestens zurechtkommen.

Das Staatliche Bauamt hat einstweilen zugesagt, zu entnehmende Bäume nachzupflanzen – unter einer Bedingung: „Wenn die Breite des vorhandenen Grünstreifens neben der Straße dies zulässt.“ Drei Ahorne jedoch, die vor kurzem zusätzlich Bewohner aus dem nahen Weiler Beigarten gepflanzt hatten, hat die Behörde bereits wieder entfernt.

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