Hoffen auf bessere Zeiten mit den neuen Lockerungen: Markus Tschurtschenthaler (Mitte) mit seinen Mitarbeitern Natasa und Robert Rujic – vor einem gedeckten Tisch für eine ursprünglich gebuchte Hochzeit. foto: andrea kästle

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Schlaflose Nächte für die Tschurtschenthalers

  • vonAndrea Kästle
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Das  Waldhaus zur Tram ist eine Event-Location, die in der Coronakrise besonders zu leiden hat.

Straßlach-Dingharting – Der Mai hätte für ihn und seine Familie eigentlich der Monat werden sollen. „Wir waren“, sagt Markus Tschurtschenthaler, „komplett durchgebucht“, noch nie, seit sie 2012 in Straßlach-Dingharting das vormals leicht verschlafene Wirtshaus am Deininger Weiher übernommen und 2016 noch das „Waldhaus zur alten Tram“ dazugepachtet haben, hatten sie so viele Reservierungen im Kalender stehen. Dann allerdings kam die Krise, am Ende konnte keine der 30 gebuchten Hochzeitsfeiern, der über 40 Kommunionsessen, der zwei Großevents mit Catering stattfinden.

Hotspot für Großveranstaltungen

 „Es ist brutal. Es ist irre“, sagt der Gastronom. Man hat sich mit ihm im „Waldhaus zur alten Tram“ getroffen, bis vor einem halben Jahr einer der Hotspots für Großveranstaltungen im Raum München. Besonders beliebt für Firmenfeiern und Hochzeiten, zu dem Gebäudeensemble gehört ein 35 000 Quadratmeter großes Areal, wie man es sonst im Speckgürtel von München kaum noch finden dürfte. Zwei Mitarbeiter sind da, decken zwei Tische in zwei Räumen ein. Später kommen zwei Hochzeitspaare, die wenigstens nach dem Standesamt noch im Familienkreis essen wollen. Um zu feiern, was Corona vom ehemals geplanten Fest übrig gelassen hat. Markus Tschurtschenthaler sagt, vor allem in die Renovierung des Waldhauses hätten er und sein Bruder „irrsinnige Summen“ gesteckt. 2019 sei dann das erste Jahr gewesen, in dem sie wieder in der „Gewinnspanne“ gewesen sind. So hätte es jetzt einfach weitergehen sollen - und auch müssen, um die Kredite weiter bedienen zu können. Aber dann war das Business-Dinner der Gemeinde die letzte Veranstaltung, die hier stattgefunden hat. Genau am 10. März. 

Fast alle in Kurzarbeit geschickt

Tschurtschenthaler sagt, er würde seither nicht mehr besonders viel schlafen, „ich denke viel nach“. 80 Prozent des Umsatzes sind weggebrochen durch Lockdown und Ausgangsbeschränkungen, von den 24 Angestellten wurden bis auf wenige alle in Kurzarbeit geschickt. Dabei ist der Umsatzeinbruch an sich noch gar nicht das Schlimmste. Das Schlimmste, sagt Tschurtschenthaler, sei, dass man einfach nicht genau weiß, wie es weitergeht. Zwar bedeute es schonmal eine „große Erleichterung“, dass ab 22. Juni wieder Feiern mit bis zu 50 Leuten stattfinden dürfen, wie Ministerpräsident Söder gestern bekanntgab. Seit Montag gibt es erhebliche Lockerungen: Die Corona-Regeln in Bayern im Überblick - das ist jetzt wieder erlaubt

Aber: Abgesagte Buchungen werden deshalb nicht rückgängig gemacht. Und die Abstandsbestimmungen im Freien wurden auch noch nicht, wie die Wirte alle gehofft hatten, gelockert.

Am Weiher die Rettung

Dabei hätten sie, sagt Tschurtschenthaler, noch Glück gehabt im Riesen-Unglück, indem sie wenigstens am Weiher unten den Kiosk weiter betreiben durften, von Anfang an. Bald wanderten dort nicht mehr nur die üblichen Kiosk-Imbisse über die Theke wie Currywurst oder Flammkuchen, sondern auch mediterran-gehobene Gerichte, wie sie sonst auch immer im Lokal serviert wurden. Spargel etwa, Fisch, Spanferkel. „Das gute Wetter in der Zeit hat uns gerettet.“ Auch im „Waldhaus zur alten Tram“ versuchten die Tschurtschenthalers alles anzupassen an die Gegebenheiten. Auch dort konnte man bald Spezialitäten vom Grill „to go“ bekommen, seit 18. Mai haben sie das Areal draußen in einen „Relax-Biergarten“ verwandelt. Mit lässigen Lounges, mit Bauerngolf-Platz, auf dem man mit einem holländischen Holzschuh am Stil einen Lederball etwa in einen Milcheimer befördern kann.

Es sei, sagt Tschurtschenthaler, eine „komische Zeit“. In der ab und an mal Brautpaare einfach so vorbeikamen, um sich wenigstens auf dem Wahnsinns-Gelände fotografieren zu lassen. Einen Monat meint er, hätten sie den Betrieb mit angezogener Handbremse noch fahren können, nicht länger. Jetzt kann immerhin ab diesem Donnerstag der Betrieb am Deininger Weiher auch drinnen vorsichtig wieder hochgefahren werden. Und vielleicht kommt ja jetzt noch im Juli die eine oder andere Familienfeier dazu. „Ich kann nur hoffen, dass die Epidemie nicht zurückkommt.“

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