Vor drei Jahren feierte er seinen 80. Geburtstag. Jetzt ist Lorenz Lang, Altbürgermeister von Straßlach-Dingharting, verstorben.
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Vor drei Jahren feierte er seinen 80. Geburtstag. Jetzt ist Lorenz Lang, Altbürgermeister von Straßlach-Dingharting, verstorben.

Er wurde 83 Jahre alt

Seine Sprüche sind legendär: Trauer um Altbürgermeister Lorenz Lang

  • vonAndrea Kästle
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Als „Lang Lenz“ kannten ihn die meisten und seine Sprüche sind legendär. Kürzlich ist der Altbürgermeister von Straßlach-Dingharting, Lorenz Lang, im Alter von 83 Jahren gestorben.

Straßlach-Dingharting – An seinem 80. Geburtstag, vor inzwischen drei Jahren, hatte er noch zu den Geburtstagsgästen gemeint: „Seid so brav wie ich, dann werdet Ihr auch so alt.“ Jetzt ist Lorenz Lang, Altbürgermeister von Straßlach-Dingharting und das wandelnde Scharnier der beiden Gemeindeteile, gestorben. Ihm ist es unter anderem zu verdanken, dass die kleinste Gemeinde im Landkreis auch die idyllischste geblieben ist. Weil er Bauträger, die sich bei ihm die Klinke in die Hand gaben, alle immer gleich „nausgschmissen“ hat. Denn er war der Ansicht: „Wenn Bauunternehmer die Politik bestimmen, dann hört’s auf.“

Aufgewachsen ist Lorenz Lang auf einem Bauernhof in Deigstetten, was ein Ortsteil von Straßlach ist. Später zog er nach Dingharting, weshalb er Straßlacher und Dinghartinger in einem war. Und damit, nachdem er schon sechs Jahre Dingharting regiert hatte, auch gut und gern Bürgermeister bleiben konnte, als bei der Gebietsreform die beiden Orte zusammengelegt worden sind. Bis 1988 blieb er im Amt. Hauptberuflich war er übrigens Bankdirektor.

Der „Lang Lenz“, wie ihn alle nannten, die ihn kannten, und das waren viele, hatte durchaus einige Aufregungen zu bewältigen als Rathauschef. Die vielleicht größte Aufregung ereignete sich gleich zu Beginn seiner Amtszeit, 1972: Da kam nämlich kein Geringerer als der Präsident von Gambia nach Dingharting zu Besuch. „Mir ham a Musi, mir bringen was zamm“, hatte Lang damals gesagt. Bedenken, den Gast gut unterhalten zu können, hatte er nicht. Letztlich standen die Mädchen aus dem Ort Spalier, alle im Dirndl, mit Blumen in der Hand, hernach gab es ein Essen, das Lang selbst leider im Stehen einnehmen musste, mangels Platz. Und als Regierungspräsident Deinlein das Wort ergreifen wollte, nahm er selbst erstmal das Mikrofon in die Hand. „Hier bin ich gwählt, gell“, meinte er.

An solchen und ähnlichen Anekdoten war an seinem 80. Geburtstag kein Mangel. Die einen erzählten, wie er, weil im Rathaus in Dingharting seine Leute froren, ihnen einfach einen Teppich von daheim mitbrachte. Die anderen erinnerten sich, dass er einem Bildhauer, der einen zwei-Meter-Zaun um sein Grundstück ziehen wollte, um auch im Freien mit seinen weiblichen Modellen arbeiten zu können, kurzerhand beschied: „Wenn die Frauen hübsch sind, schaut eh jeder gern hin, sind sie schiach, schauen ohnehin alle weg.“

Er war ein hemdsärmliger Bürgermeister, der „immer Menschenfreund blieb“, sagt über ihn der jetzige Rathauschef Hans Sienerth (parteifrei), sein Nach-Nach-Nachfolger. „Man wusste immer, woran man bei ihm war, er war grundehrlich.“

Und bis zuletzt hat „der Lenz“, der mit seiner Frau Erna zwei Kinder großgezogen hat und vierfacher Großvater war, sich für die Politik vor der Haustür interessiert. Schon vor einiger Zeit hatte er es sich zur Angewohnheit gemacht, Sienerth jeweils am Montag anzurufen. Zum einen, um zu verifizieren, was er am Stammtisch nach der Kirche am Sonntag so aufgeschnappt hatte, zum anderen, um zu kommentieren, was er selbst wahrgenommen hatte. Etwa, wenn die Gemeinde „scho wieder a neues Bauhofauto“ angeschafft hatte.

Und als es vor sechs Jahren in Straßlach-Dingharting seitens der CSU Bestrebungen gab, das Amt des Bürgermeisters, das inzwischen hauptamtlich ausgeübt worden ist, wieder zurückzuverwandeln in einen ehrenamtlichen Job, meinte er zu Sienerth: „Eins sag ich dir, wenn es dazu kommt, kandidier’ ich wieder. Aber nur, wenn du dann mein Geschäftsleiter bist.“

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