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„Ich liebe dieses Anwesen“: Bürgermeister Hans Sienerth vor dem vorderen Teil des alten Killerhofs, der heute auf dem Gelände des Münchener Golf-Clubs steht und von dem auch genutzt wird. 

1200 Jahre Straßlach - 850 Jahre Dingharting

Warum Straßlach das gallische Dorf im Landkreis München ist

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Straßlach feiert 1200-jähriges Bestehen, Dingharting wird 850 Jahre alt. Ein Gespräch mit Bürgermeister Hans Sienerth über die Besonderheiten seiner Gemeinde, dem gallischen Dorf im Landkreis.  

Herr Sienerth, Straßlach ist 1200 Jahre alt. Was ist heute das älteste Gebäude in der Gemeinde?

Das Bauernhaus vom Boizhof, südlich vom ,Wildpark’. Weitere Gebäude mit langer Geschichte sind die Schmiede in Holzhausen, das Wirtshaus im Mühlthal und natürlich die Kirche in Großdingharting.

Von der Römerstraße, die an Straßlach vorbeiführte, ist da noch was übrig?

Das letzte Foto des Killerhofs, der als ältestes Gehöft in Straßlach gilt. Davor steht Peter Grund, der das Anwesen später erworben hat. Das Foto wurde um 1930 aufgenommen.

Nein. Man weiß aber, wo die Römerstraße verlaufen ist: Sie hat die Isar einen Kilometer südlich von Grünwald gequert, lief auf die Frundsbergstraße zu und ist dann nach Osten geschwenkt, Richtung Gleißental. Als ,via publica’ hatte sie Meilensteine, so dass ihr Verlauf gut nachvollzogen werden konnte. Der einzige Ort, wo dieser wichtige Verkehrsweg noch erhalten ist, ist unser Wappen!

Eine Chronik hat Ihre Gemeinde noch nicht. Ist das Jubiläum ein Anlass, sich eine zuzulegen?

Erst mal haben wir jetzt eine Festschrift zum Doppelgeburtstag herausgegeben, die ist mit 180 Seiten auch ganz schön dick – und enthält die Erinnerungen einiger älterer Bewohner. Und auch einen geschichtlichen Abriss. Den Anspruch, eine Chronik zu sein, erhebt diese Schrift jedoch nicht.

Lange Eifersüchteleien zwischen den Gemeindeteilen

Wie steht es mit der NS-Zeit vor Ort – inwieweit ist die denn schon mal erforscht worden?

Auch die NS-Zeit ist in der Festschrift durchaus Thema. Wir wissen, dass in Straßlach einige Nazi-Größen gelebt haben, und meine Vorstellung ist, dass wir diese schlimmste Zeit der deutschen Geschichte irgendwann von Profis erforschen lassen.

Gern wird die Geschichte von Straßlach und Dingharting zugespitzt auf die Konkurrenz, in der die beiden Dörfer lange zueinander standen. Wie ist das Verhältnis der Ortschaften heute zueinander?

Ältere Gemeindebürger in beiden Ortsteilen sind immer noch ein wenig misstrauisch, wenn es um die jeweils anderen geht. Kann sein, dass es manche Dinghartinger auch wurmt, dass aus ihrem Ort keine so alte Urkunde vorhanden ist wie aus Straßlach. Aber: Für die Jüngeren ist das kein Thema mehr. Unlängst haben die Dinghartinger auch den Straßlachern geholfen beim Aufstellen des Maibaums. Das wäre vor 30 Jahren so wohl nicht passiert.

Dingharting wäre lieber zu Deining gegangen

Dingharting war über lange Zeit hinweg der größere und auch wichtigere Ort.

Die Dinghartinger wären bei der Gebietsreform einfach lieber zur Gemeinde Deining gegangen. Die Zusammenlegung mit Straßlach war eine Art Zwangsheirat, nach der zehn Jahre lang gestritten worden ist, wie die Gemeinde denn nun heißen soll. Dabei waren anfangs Doppelnamen überhaupt nicht zugelassen gewesen, das änderte sich erst später. Den Namen Straßlach-Dingharting hat dann der Gemeinderat 1988 mehrheitlich beschlossen.

Ihre Gemeinde galt lang als ein wenig eigen. Während rundherum ab den 60er Jahren die Kommunen beständig wuchsen, blieb Straßlach-Dingharting klein und beschaulich.

Wir waren lange das gallische Dorf im Landkreis, das ging so weit, dass sich die Rechtsaufsicht im Landratsamt vor Gemeinderatssitzungen die Tagesordnungen hat schicken lassen. Auf der Pressebank saß dann nicht selten auch die Bild-Zeitung. Aber das, was zählt, ist doch: Weil hier eben die Bauträger konsequent abgewiesen wurden, sind wir von den üblichen Bausünden verschont geblieben. Hier findet man heute das, was man vor 30 Jahren noch in den Nachbargemeinden gesucht hat.

Grenzen des Wachstums

Trotzdem hat sich Straßlach in den letzten Jahren rasant verändert. Der Markushof ist dazugekommen, zwei Discounter, soeben hat die Gemeinde das Gewerbegebiet erweitert. Wo liegen die Grenzen des Wachstums?

Wir haben im Gemeinderat unser Wachstum festgelegt auf ein Prozent im Jahr – das sind jedes Jahr rein rechnerisch 34 Bürger mehr. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir unser Gewerbegebiet Oberfeld West nicht nur um 12 000 Quadratmeter erweitert, wie jetzt geschehen. Sondern um mehr. Aber: Es gibt die Vorgabe, dass sich Gewerbe und Wohnen gleichermaßen entwickeln müssen in einer Kommune, was heißt, dass wir jetzt erstmal wieder Wohnflächen ausweisen müssen.

Wege aus der Wohnungsnot

Gleichzeitig gilt noch immer die Regel, dass pro Gebäude nur zwei Wohneinheiten erlaubt sind. Wäre es nicht angesichts der Wohnungsnot dringend nötig, diese Vorgabe zu lockern?

Das kleine Straßlach-Dingharting kann nicht die Welt retten. Und schon gar nicht den Siedlungsdruck, der auf der Stadt München lastet. Das Problem ist, dass bei uns wegen der schmalen Straßen Parkplätze immer auf den Grundstücken geschaffen werden müssen. Das würde bei einer Erhöhung der Wohneinheiten zu einer stärkeren Versiegelung der Grundstücke führen. Das ist politisch nicht gewollt.

Straßlach-Dingharting in 100 Jahren: Wo sehen Sie die Gemeinde da?

Wenn es so weitergeht, werden wir in 100 Jahren so groß sein wie es Brunnthal heute ist. Dann werden 3000 Bürger dazugekommen sein. Vielleicht gibt es ja dann auch eine Art Geschosswohnungsbau. Und nach München kann man mit einer Seilbahn gondeln.

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