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Ein Zinnteller f ür die ehemalige Gemeinderätin und Grundschullehrerin Charlotte Kunze-Eschner. Beim Neujahrsempfang 2019 wurde sie noch von Hans Sienerth geehrt.

Nachruf

Ihr Herz schlug für die Kinder im Dorf: Trauer um Dinghartings ehemalige Grundschullehrerin

  • vonAndrea Kästle
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Straßlach-Dingharting trauert um seine ehemalige Grundschullehrerin Charlotte Kunze-Eschner. Sie ist im Alter von 85 Jahren gestorben.

Straßlach-Dingharting – Beim Neujahrsempfang der Gemeinde Straßlach-Dingharting vor eineinhalb Jahren wurde sie noch ausgezeichnet mit Ehrenteller und Ehrennadel. Lächelnd stand Charlotte Kunze-Eschner, ehemalige Gemeinderätin von Dingharting, die im Ort auch den ersten Kindergarten in der Kommune gegründet hat, neben Bürgermeister Hans Sienerth (parteifrei). Erzählte ein wenig aus ihrem Leben als Grundschullehrerin und bekannte, dass sie, wenn sie die Kinder auch mal schimpfte, immer ins Bayerische verfallen sei. Jetzt ist sie gestorben, mit 85 Jahren.

Charlotte Kunze-Eschner ist in Garmisch aufgewachsen, als Referendarin wurde sie, um dort auszuhelfen, nach Dingharting an die Grundschule geschickt. Eine „richtige Dorfschule“ sei das gewesen, hat sie mal erzählt, mit 40, 50 Kindern in einer Klasse. Später wechselte sie dann nach Egling.

1972 in den Gemeinderat eingezogen

Aber Dingharting, das ihr eine neue Heimat geworden war, veränderte sie doch nachhaltig. Zum einen zog sie, inzwischen auch schon Mutter eines Sohnes, 1972 in den Gemeinderat ein, sie berichtete mal, zu dem Amt sei sie gekommen „wie die Jungfrau zum Kind“. Zwei Wahlzeiten gehörte sie dem Gremium an, wobei die zweite Wahlzeit dann schon im zwangsvereinigten Straßlach-Dingharting stattgefunden hat.

Sie engagierte sich für einen Kindergarten im alten Schulhaus

Und ebenfalls 1972, das überhaupt „das Jahr meines Lebens“ gewesen ist, wie sie anlässlich ihrer Ehrung gestand, begann dann ihr Engagement dafür, dass das alte Schulhaus in Dingharting erhalten bleibt. Denn die Schule war inzwischen nach Straßlach verlagert worden, das Gebäude stand jetzt leer, und es gab Leute in der Gemeinde, denen schien es denkbar, das schöne Haus abzureißen. „Ihr seid’s ja ned gscheit“, hat ihnen Charlotte Kunze-Eschner mitgeteilt – und sich dafür eingesetzt, in dem alten Anwesen einen Kindergarten aufzuziehen. Genau so ist es dann auch passiert.

„Die ganze Gemeinde hat sehr mitgearbeitet“, erzählte sie beim Neujahrsempfang. Eine Ölheizung musste eingebaut werden, „es war schwierig, Geld zu bekommen“. Schließlich haben dann eine Kindergärtnerin, die Mutter des ehemaligen Gemeinderats Horst Wagner, und eine Kinderpflegerin „den Laden zehn Jahre geschmissen“. Unter den Buben und Mädchen, die sie betreuten, waren auch viele Bauernkinder aus den Weilern rundherum, „die hatten noch nie einen Kindergarten von innen gesehen“. Dass die „alte Villa“, wie die Einrichtung heute heißt, in den letzten Jahren aufwendig saniert worden ist von der Gemeinde – das habe Frau Kunze-Eschner, weiß Bürgermeister Sienerth, „wahnsinnig gefreut“.

Bürgermeister: „Bin dankbar dafür, was sie geleistet hat“

In letzter Zeit, berichtet der Rathauschef, habe sie viel Zeit darauf verwendet, ehemalige Schüler ausfindig zu machen, um ihnen ihre Bilder aus dem Kunstunterricht zurückzugeben. „Das war ihr ein Anliegen.“ Ansonsten muss sie eine durchaus selbstbewusste Lehrerin gewesen sein. Beim Neujahrsempfang hatte sie lächelnd gemeint: „Es sind einige Leute hier, die sind bei mir noch in die Schule gegangen. Ich weiß nicht, ob die mich lieben oder hassen, und es ist mir auch ganz gleich.“ Hans Sienerth sagt: „Ich bin ihr sehr dankbar dafür, was sie geleistet hat.“ 

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