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Rund 200 Stunden hat Walter Probst an dem Entenhaus gebastelt. Herausgekommen ist ein wahres Kunstwerk mit liebevollen Details.

Kunstwerk im Weiher

Die gute Stube der Enten von Dingharting

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Die Gemeinde Straßlach-Dingharting hat mehrere besonders alte Kirchen und Kapellen. Aber dann gibt es in Dingharting noch ein Anwesen, das wohl jeder kennt, der in der Ortsmitte vorbeikommt. Es ist winzig. Es ist das kleine Bauernhaus in der Mitte des Weihers. Gebaut von Konditor Walter Probst (68) – für die Enten.

DinghartingWalter Probst hat mit dem Entenhaus nicht irgendein Vogelhaus zusammengeleimt, gehämmert, geschraubt. Sein Vogel-Hotel ist ein wahres Kunstwerk. Im Obergeschoss errichtet in Blockbauweise, also mit verzapften Ecken. „Das muss genau stimmen“, erklärte Probst beim Neujahrsempfang. Jedes Jahr wird er eingeladen, jedes Jahr stellt ihn Bürgermeister Hans Sienerth (parteilos) vor als denjenigen, der sich um die Enten in der guten Stube von Dingharting kümmert.

Im Untergeschoss gibt es oft Streit

Er ist jetzt 68, schon in Rente. Gearbeitet hat er in verschiedenen Backstuben in München, auch eine Zeit lang in einer Confiserie in Grünwald. Wenn schönes Wetter war, konnte er dorthin radeln. Und dann kam er jeweils am Weiher von Ding-harting vorbei. Konnte sehen, ob die Bachstelze schon eingezogen war in der von ihm bereitgestellten Unterkunft im Obergeschoss. Und ob es unten vielleicht schon wieder Streit gab. Streit gibt es unten des Öfteren, Probst hat gemerkt: „Die Wildenten bekämpfen sich brutal.“ Einmal hat er miterlebt, wie erst ein Erpel frech reinspaziert ist ins Wohnzimmer, in dem aber schon eine andere Entenmama brütete. Kurz drauf flogen die Eier aus der kleinen Tür des kleinen Hauses.

Luxus für die Enten: Dieses schicke Landhaus mitten im Weiher dürfen sie ihr Zuhause nennen. Hier fliegen auch schon mal die Fetzen, wenn sich etwa ein Erpel breit macht, während eine Entenmutter brütet.

Man muss sich das kunstvoll gearbeitete Vogelhäuschen nur mal genauer betrachten, dann wird einem schnell klar: Hier war ein Profi am Werk, ein Profi, der gleichzeitig Perfektionist ist. Das Bauernhaus von Walter Probst, Grundfläche 60 mal 80 Zentimeter, hat nicht nur miteinander verzapfte Holzbalken. Der Holzbalkon ist mit Schnitzereien verziert, ebenso die Fensterrahmen. Seit zwei Jahren hat das kleine Enten-Zuhause auch Blumenkästen vor den Fenstern, der Bauherr hat sie mit Seidenblumen bepflanzt. Das Dach wird gedeckt von 800 Schindeln, die sich inzwischen allerdings ein bisschen aufgebogen haben von der Sonne. „Ich muss die mal erneuern.“ Kamin, Fensterläden, Regenrinne: alles vorhanden. 200 Stunden, schätzt Walter Probst, hat er an dem Haus gearbeitet, hinten im Schuppen in seinem Garten, in dem er sich die Werkstatt eingerichtet hat.

Woher er das nur alles kann? Er lächelt, wenn man ihn so was fragt. „Also, dass eine Frau sich dafür interessiert...“ Er sagt, das Arbeiten mit Holz, „mit diesem lebenden Stoff“ – das sei eben sein Hobby. „So was braucht man als Konditor.“ Gelernt hat er es vom Zimmerer in Thanning, der ihm beim Bau seines eigenen Hauses geholfen hat. Der dann so beeindruckt war davon, wie geschickt Walter Probst sich anstellt, dass er den dann wiederum gleich in seinem Betrieb beschäftigt hat. Jeden Samstag half Probst dann dort aus. Mit dem Zimmerer hat er auch das Enten-Bauernhaus entworfen.

Verkehrsberuhigung der besonderen Art

Vor 35 Jahren setzte er das erste Modell in die Mitte des Weihers: „Keine Woche hat’s gedauert, dann waren schon Enten drin.“ Probst freute sich, wenn er sah, dass Spaziergänger stehen blieben. Sich wechselweise aufmerksam machten auf die höchst liebevoll gestaltete Weiher-Mitte. Und dann beobachteten, was rund um die Unterkunft so passierte. Mitunter auch eine Verkehrsberuhigung, wenn nämlich eine der am Weiher ansässigen Entenfamilien beschloss, im Gänsemarsch die Fahrbahn zu überqueren. Da ging oft lange nichts weiter.

Sogar das Christusmonogramm hat Walter Probst in den Balkon geschnitzt.

In Dingharting angekommen

Walter Probst kommt aus dem Bayerischen Wald. 1970 hat er seine Frau Gisela kennengelernt, eine Dinghar-
tingerin, beim Kathreintanz in Dietramszell. Vier Jahre später wurde geheiratet, Probst sagt: „Ich fühle mich als Dinghartinger.“ Und als solcher tritt er nicht nur in Zusammenhang mit der ortsansässigen Fauna in Erscheinung. Für die Schützen am Ort fertigt er regelmäßig ihre Schützenscheiben. Und wenn den Geflüchteten im Dorf mal ihre Räder kaputtgehen – dann können sie damit auch zu Walter Probst kommen.

Der freundliche Rentner macht sich übrigens nicht nur im Frühling und im Herbst am Weiher zu schaffen, um sein Vogelhaus einzusetzen beziehungsweise wieder rauszuholen, bevor der Winter kommt. Sondern mindestens einmal im Jahr ist er in dem Naturtümpel auch mit einem Riesenrechen zugange. Um den von Algen zu befreien. „Wenn da so ein Saustall herrscht, das regt mich auf.“

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